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Alaias: 2 deutsche Shaper erklären den Hype

Geschrieben von: Jens Steffenhagen Donnerstag, den 02. September 2010 um 09:32 Uhr

Sie sehen aus, wie frisch polierte Naturholzmöbel. Doch Alaias sind keine Designobjekte, sondern finnenlose Surfboards, die ihren Ursprung auf Hawaii haben. Man kann sagen: Sie sind DIE Surfboards, denn in der Geschichte des Wellenreitens machen unsere heutigen Shapes nur eine winzige Episode aus. Über tausend Jahre lang vergnügten sich die Polynesier auf geölten Holzbrettern in der Pocket. 

 

Nach einem hundert Jahre währenden Dornröschenschlaf wurde diese ursprüngliche Form des Gleitens in den letzten fünf Jahren von der Surf Community wiederentdeckt .

 

Auch in Deutschland gibt es ein paar Puristen, die das Surffeeling der hawaiianischen Könige gut heißen. Mit zwei Pionieren haben wir gesprochen: Der Bayer Marcel Drescher baut Alaias für seine Firma theSilentGlide in allen möglichen Shapes, während Arne Dunker bisher nur für den Eigenkonsum Hand anlegte. Dafür ging der Sylter bei der Legende himself in die Lehre: Tom Wegener hat in seiner Schmiede in Queensland, Australien, den Boom der Planken mitbegründet. Wir wollten wissen, was es mit dem derzeitigen Hype um finnenlose Bretter im Allgemeinen und Alaias im Besonderen auf sich hat. 

 

 

Servus Marcel, Moin Arne! Zur Einführung: Wie lange surft ihr schon und auf welchem Level?

Arne: Ich surfe halbwegs ernsthaft seit 2003 und hab jedenfalls immer Spaß aufm wasser.

Marcel: Ich seit 1996. Mein Level ist ganz gut für jemanden, der nicht am Meer wohnt.

 

Was sind neben den Alaias eure Lieblingsshapes?

Marcel: Wood Fish Quad 5.11, Egg Singelfin 7.6., shortboard 5.11 und im Winter ein Swallotail Snowboard in 1,86m.

 

Arne: Wenn nicht finnenlos, dann Pintail und Singlefins. Darf auch ein bisschen länger und schwerer sein, denn ich bin durch das loggen geprägt. Da sind aber noch so viele schöne Boards da draußen, die alle ihre Berechtigung haben.

 

Wann und wo seid ihr das erste Mal auf Alaias gestoßen?

Arne: Das erste Mal sah ich ein Alaia in Little Cove, Noosa, als ich 2008 in Australien war. Jacob Stuth, ein Noosa Local, surfte das Ding grazil mit sehr viel Style. Kurze zeit später besuchte ich Tom Wegener, um mir einen seiner 12-Footer anzuschauen und dort lagen auch jede Menge von den Dingern rum.

 

Marcel: Auf Alaias bin ich das erste Mal 2005 gestoßen, als mir ein Buch über James Cook und seine 3. Südseereise in die Hände fiel. Darin habe ich alte Zeichnungen von Polynesiern auf Brettern gesehen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese Alaias tatsächlich funktionieren, also wollte ich es ausprobieren Gerade als gelernter Schreiner ließ mich der Gedanke über Jahre nicht los, mein eigenes Alaia zu bauen und auch zu surfen.

 

Wie waren die ersten Sessions auf dem Ding?

Marcel: Die ersten Sessions waren schon kleine Herausforderungen. Zunächst war da die Frage, ob der Shape funktioniert und ob man überhaupt ins Gleiten kommt. Nach einer Weile kommt man immer besser zu Recht. Jedenfalls ein klasse Gefühl, wenn man auf seinem eigenen gebauten Brett den ersten Ritt absolviert. Das Surfen ohne Finnen ist  am Anfang definitiv schwieriger. Wenn man den Dreh dann raus hat, beginnt der pure Spaß.

 

Arne: Irgendwie bekam ich ein Alaia während einer Session in die Hände. Es ist, als wenn man das Surfen noch mal neu erlernen müsste. Doch zu dem Zeitpunkt ging mein Surfen mehr in Richtung längere Boards. Ein halbes Jahr später hatte ich mit Tom ein kleines Projekt am laufen, bei dem wir finnenlose Konstruktionen bis zu 13 Fuß bauten, die mehr Auftrieb haben, das paddeln erleichtern und einige Fahreigenschaften eines Alaias haben.

 

Was ist anders? Beschreibt bitte mal den Ritt auf einem Alaia gegenüber dem Gefühl auf einem Brett mit Finnen!

Marcel: Ein Alaia hat ein geringes Volumen, was zu weniger Auftrieb führt. Dies beeinflusst das Handling beim Paddeln und Take-Off. Das duckdiven ist z.B. wegen des niedrigen Volumens und der geringen Dicke auch bei höheren Wellen einfach. Das Paddeln fällt dafür etwas schwerer, da das Alaia tiefer im Wasser liegt. Der Trim eines Alaias ist im Vergleich zu herkömmlichen Surfbrettern ganz anders. Der Verzicht auf Finnen macht ein Alaia sehr schnel, da der Widerstand wegfällt und nur die Rails das Board führen und stabilisieren. Dazu kommen die positiven Eigenschaften der Holzbauweise. Holz ist in seiner Struktur einzigartig und bietet sowohl Steifheit und Stabilität in der Parallelfahrt, als auch den nötigen Flex in den Turns. Diese Eigenschaften erfordern natürlich einen anderen Style, nämlich einen sensibleren Umgang, da das Tail wegen des Verzichts auf die Finnen sehr loose ist. Ein Turn funktioniert mehr nach dem Prinzip des Driftens. Auf dem Alaia hat man ein viel direkteres Gefühl zur Welle, man spürt und nutzt die Wellenenergie ganz anders. 

 

Arne: Schnell, pur und intensiv sind die Begriffe, die mir spontan einfallen um das Gefühl zu beschreiben. Nicht zu vergessen: Der "Lala", das kontrollierte seitliche Sliden auf dem Face – ein unbeschreibliches Gefühl. Das Paddeln über längere Distanzen ist durch den mangelnden Auftrieb natürlich wirklich schwer.

 

Welche Entwicklungen stehen für euch für das moderne Surfen und welche Vor- und Nachteile gegenüber früheren Zeiten verbindet ihr damit?

Arne: Ich finde es schade, dass von vielen Surfern nur ein kleiner Aspekt des Surfens wahrgenommen wird. Surfen ist ein Wirtschaftsfaktor geworden und die Firmen wollen Geld verdienen mit dem Lifestyle. Ein Alaia selber aus Holz zu shapen kann jeder, der nicht zwei linke Hände hat. Das passt der Industrie natürlich nicht ins Konzept. In meinen Augen sind die meisten Veränderungen in den letzten Jahren im Materialbereich vonstatten gegangen. Sandwichbauweisen, Stringer in den Rails und Flex scheinen wieder gefragt zu sein. Shapemässig ist, den Meyerhoffer mal außen vor gelassen, nix wirklich Neues passiert. Ganz anders in den 70ern. Damals haben die Jungs ihrer Fantasie wirklich freien Lauf gelassen und alles geshaped, was schwimmen konnte.

 

Marcel: Was den Trend des Surfens zum Massensport betrifft: Diese Entwicklung kann man nicht mehr zurückdrehen. Surfen ist In und mit dem Surfimage lässt sich jede Menge Geld verdienen. Vielleicht gibt es deshalb auch gerade den Gegentrend und das Bedürfnis zurück zu den Wurzeln des Surfens zu finden. Denn gleichzeitig sehe ich den Trend zum verantwortungsbewußten Umgang mit unserer Umwelt und den Ozeanen. In dieser Richtung hat man das Gefühl, dass einiges passiert. Manche Hersteller und Firmen schwimmen auf dieser grünen Welle natürlich auch nur werbewirksam mit. Eine Aufgabe besteht darin umweltfreundliche Boards sowie Ausrüstung zu produzieren und zu benutzen, allerdings ohne gleichzeitig auf Performance verzichten zu müssen.

 

In welchen Wellen und wo seid ihr bisher Alaias gesurft? Welche Bedingungen sind ideal, welche gehen gar nicht?

Marcel: Beachbreaks und Reefbreaks in Frankreich, Portugal, Spanien. Ideal ist für den Alaia Einstieg eine kleine sauber brechende Welle die etwas  Power hat. Wenn man genügend Erfahrung hat, kann man auch Alaias in Onshore Bedingungen oder größeren Wellen surfen.

 

Arne: Noosa ist natürlich der beste Spielplatz, wenn man nicht gerade Big Wave Surfing machen möchte. Du musst nicht viel paddeln und die Leute im Wasser sind openminded und lassen schon mal einen drop in mit einem alaia gefallen. Hier in der Nordsee surfe ich lieber einen Minituna, ein aus Foam geshaptes Alaia mit mehr Auftrieb.

 

Zur Bauweise: Was muss man beachten?

Marcel: Man sollte darauf achten, dass qualitativ hochwertiges Holz verwendet wird. Alles andere bleibt Shaper-Geheimnis.

 

Arne: Im Grunde ist das kein Geheimnis: Aber das Material ist wirklich entscheidend. Paulownia, ein Holz, das kein Salzwasser aufsaugt, ist perfekt geeignet. Ich weiß allerdings nicht, ob man es hier in Deuschland bekommt. Desweiteren ist der Flex sehr wichtig. Viele meinen, dass es leichter sei, ein dickeres Alaia zu surfen. Das ist falsch. Denn beim take off ist flex sehr wichtig. Wenn allerdings zu viel Roll im vorderen Bereich ist, neigt das Board dazu, mit der Nose das Face hochzuziehen und dich damit aus der Welle zu holen.

 

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Shapes? Lässt sich das Handling 1:1 vom normalen Board übertragen?

Marcel: Die Boardlänge hat wie auch bei herkömmlichen Boards etwas mit dem Gewicht, der Körpergröße und dem Können des Surfers zu tun. Danach richtet sich der Grundshape und das Volumen des Alaias. Dann kommt es darauf an, was gewünscht ist: Ein eher gutmütiges oder sehr looses Alaia für erfahrene Surfer. Beim mordernen Alaia Shapen übernimmt man deshalb auch die Errungenschafen der neuzeitlichen Boards. Ein Swallotail macht auch bei einem Alaia Sinn, wenn es eher für kleinere und unsaubere Tage geshapt wird. Das Swallotail bietet auch hier den Kompromiss aus Pintail in der Parallelfahrt und looses Squashtail in den Turns. Ein rounded Pin funktioniert dafür besser in druckvolleren schnellen Wellen. Ein klassisches Squaretail dagegen macht das Board sehr loose. Die Tailform und deren Eigenschaften sind also durchaus vergleichbar mit herkömmlichen Boards. Letzlich geht es dabei nur um den Strömungsabriss. Anders ist es bei den Rails. Die sind im vorderen Boardbereich natürlich nicht so rund und boxy, wie bei gewöhnlichen Boards, sondern viel schärfer, da sie beim Alaia Surfen die Führung übernehmen.

 

Arne: Alaias scheinen am besten zu funktionieren, wenn sie um 6 Fuß plus minus einem Fuß lang sind. Ich denke, man kann eher nicht von normalen Shapes ausgehen, da das Alaia ein sehr breites Tail hat. Pintail würde meiner Meinung nach nicht funktionieren, da das hintere Rail eines Alaias als Finne fungiert. Swallowtail ist machbar, begünstigt aber das Durchbrechen längsseits, da ein Alaia concave hat und das Board mittig sehr dünn wird. Parabolische Rails sind üblich, Ausnahmen bestätigen aber natürlich die Regel. Tom hat einen Peanut-Shape, bei dem das Tail ein wenig der Nose ähnelt – wie beim Snowboard.

 

Prognose: Wie verbreitet werden Alaias in zehn Jahren sein und was ist auf den Dingern Performancemäßig möglich?

Arne: Alaias werden zurück kommen – in welcher Form ist noch nicht absehbar, da die Wiederentdeckung des Shapes erst 5 jahre her ist. Ich glaube, dass es kaum möglich ist, bessere Alaias zu shapen, als es die alten Hawaianer taten. Dafür haben wir nun die Mittel, ein Alaia-Shape mit modernen Materialien zu bauen, die das surfen erleichtern. Performancemässig ist noch viel machbar. Ich habe Footage von Freunden gesehen, die bei einem Cutback so viel Spray verteilen ,als hätten sie einen Thruster unter ihren Füßen. Aber generell würde ich einfach jedem empfehlen, die Geschwindigkeit und das "Lala" eines Alaias zu genießen und mit einem Grinsen aus dem Wasser zu kommen!

 

Marcel: Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft mehr Surfer auf Boards aus umweltfreundlichem Material zurückgreifen. Alaias waren schon da als es Surfbretter aus Epoxy und Polyester noch nicht gab. Eine Zeit lang sind Sie in Vergessenheit greaten, aber zum Glück wiederentdeckt. Und das nicht ohne Grund. Wer man mal die Möglichkeit hat, ein Alaia auszuprobieren, der sollte es auf jeden Fall tun.


"It's time to step back into the past and surf the future on noble wooden alaia boards."

alaia_thumb

Arne, rechts, und der Meister. Tom Wegener ist der wohl berühmteste Alaia Shaper. Aus seiner Fabrik in Noosa exportiert er Bretter in die ganze Welt.
Wegener bietet vier verschiedene Shapes an: das kurze Peaches, ehr zum liegen geeignet, das Finley Model als Allroundboard, Eine Alaia-Gun für große Wellen und 10-Fuß-Tanker für wirklich kleine Tage.
Shaper Marcel Drescher in Irland. Der Tischler aus Nürnberg baut unter seinem Label theSilentGlide professionell Alaias.
TheSilentGlides Modelle von links: The Classic, The Fish, The Performer, The Catwalk.
Und alle sind Shaper-proven. Marcel in Marokko.
Arne, rechts, und der Meister. Tom Wegener ist der wohl berühmteste Alaia Shaper. Aus seiner Fabrik in Noosa exportiert er Bretter in die ganze Welt.
Wegener bietet vier verschiedene Shapes an: das kurze Peaches, ehr zum liegen geeignet, das Finley Model als Allroundboard, Eine Alaia-Gun für große Wellen und 10-Fuß-Tanker für wirklich kleine Tage.
Shaper Marcel Drescher in Irland. Der Tischler aus Nürnberg baut unter seinem Label theSilentGlide professionell Alaias.
TheSilentGlides Modelle von links: The Classic, The Fish, The Performer, The Catwalk.
Und alle sind Shaper-proven. Marcel in Marokko.
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