Indien ist ein Land aufgetürmt in Widersprüchen; aufwühlend, und bewegend. Mehr als eine Milliarde Menschen bevölkern den Kontinent - ein Siebtel der Menschen weltweit. Indiens Wellenreiter sind meist achtsam, weil der Surfsport neu ist, auch weil Wellen endlich sind. 

Ishita Malaviya im Gespräch mit Edith Daibel.

Indiens erste Surferin: Ishita Malaviya.

Erzähle uns ein wenig von Indiens Surf-Community.

Wir haben eine kleine Surf-Gemeinde in Indien, bestehend aus etwa 100 Surfern. In unserer Surfschule The Shaka Surf Club bringen Tushar und ich vielen Menschen den Surfsport nahe, doch nur wenige surfen regelmäßig, weil die meisten in Großstädten leben, wo es keine Wellen gibt, und die Strände dreckig sind. Bis sich die Surfkultur in Indien etablieren kann und mehr Menschen ans Meer ziehen werden, dürfte es noch eine Weile dauern.

Indien ist nicht unbedingt für den Surfsport bekannt. Weshalb fingst Du damit an?

Seit meiner Kindheit, seit ich mich erinnere, wollte ich schon immer das Surfen erlernen, doch hatte ich angenommen, dass es keine Wellen gibt in Indien und ich eines Tages nach Kalifornien reisen würde, um dort mit dem Surfen zu beginnen. Vor sieben Jahren entschied ich mich, aus Bombay in die Universitätsstadt Manipal umzuziehen, um am Manipal Institute of Communication zu studieren. Diese Entscheidung sollte mein Leben verändern. Dort lernte ich meinen Freund Tushar kennen und wir trafen einen deutschen Austauschstudenten, der mit einem Surfbrett nach Indien angereist war. Wir waren erstaunt, weil er Wellenreiten lernte an einem Ort, dem sogenannten Surf Ashram, welcher nur eine Stunde von Manipal entfernt lag. So trafen wir die Surfing Swamis, kalifornische Surfer, die im Krishna Ashram lebten. Wir fragten, ob sie uns das Surfen beibringen könnten. Ich erinnere mich an den Tag, als wir zum ersten Mal mit den Surfbrettern im Wasser waren. Seither ist das Leben neu für mich.

Ishita at home in Kodi Bengre.

Wie hat Surfen Dein Leben verändert?

Surfen hat mir viel gegeben, mich zu der Person geformt, die ich heute bin. Surfen eröffnete mir eine neue Welt, hat mir geholfen, richtig zu sehen und meine Prioritäten richtig zu setzen. Ich traf Menschen, die mich inspiriert haben. Ich erlebte Monsunwellen, die mich ängstigten, doch so lernte ich, Herausforderungen anzunehmen, geduldig zu warten, mit dem Lebensstrom zu schwimmen. Nie, auch nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir vorstellen können, eines Tages die erste Surferin Indiens zu sein. Dies fühlt sich fremd und unwirklich an, zugleich bin ich endlos glücklich und dankbar, dass es mein Weg ist.  
Surfen ist für mich so viel mehr als einfach nur ein Sport. Surfen ist,  eine Art zu leben. Surfen ist mein Leben. Darum bin ich aus der Großstadt nach Manipal gezogen, weil ich näher am Meer leben möchte, weil meine Tage am Strand beginnen und enden sollen.  

Was motiviert Dich?

Meine Familie stolz zu machen; einfach, erfüllt, gesund, verrückt zu leben. Meine Eltern und mein Freund Tushar geben mir Kraft, weil sie da sind und mich erinnern, dass alles aus einem Grund geschieht und dass es okay ist, wenn ich eine Welle verpasse, weil immer eine andere Welle kommen wird.

,,Bis sich das Surfen hier etabliert, ist es noch ein langer Weg.'' Ishita ebnet den Weg für Indiens Surfer.

Der schönste Ort, an dem Du bisher gesurft bist?

Ist meine schöner Homespot, in Kodi Bengre, einem kleinen Fischerdorf an der Westküste von Karnataka, dort wo das Wasser warm ist, dort wo die Sonne scheint, wo Delfine spielen und die Menschen lächeln. Kommt mich gerne mal besuchen :)

Danke Dir Ishita.

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Credits: 

Edith Daibel & Ishita Malaviya


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