Anthony ,,Bunker’’ Spreckels war eine lebende Legende. Eine Kreuzung aus Bruce Lee und Elvis. Manche sahen in ihm diesen verrückten Funken der Originalität, andere den blanken Wahnsinn.

Bunker Spreckles Surf Film Nacht Preview
Der junge Bunker. Ikonisches Foto von Art Brewer.

Bunker rebellierte schon früh gegen sein Schicksal und floh vor seinem millionenschweren Erbe nach Hawaii. Er lebte im Dschungel hinter Pipeline und fand für einen Moment Zuflucht bei Laird Hamiltons Familie. Mit 21 Jahren holte ihn das Erbschaftsvermögen ein und brachte das Fass schnell zum Überlaufen. Sein Lebensweg wurde experimentell, avantgardistisch und zunehmend dekadent. Aus dem talentierten Rebell wurde ein unberechenbarer Exzentriker.

Regisseur Takuji Masuda hat über ein Jahrzehnt lang an Bunker 77 gearbeitet. Der Film dokumentiert das unwiderstehliche Leben und Sterben der Titelfigur. Hier berichtet Takuji von der Entstehungsgeschichte der Doku.

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Takuji weiß wovon er spricht. Unmöglicher Noseride in Pipe!

Was hat deinen Wunsch ausgelöst, diesen Film zu drehen?

Meine ersten Einblicke in dieses verrückte Leben hatte ich aus den ersten Ausgaben des Surfer’s Journal, die 1993 zwei Reportagen über ihn veröffentlichten. Ich war fasziniert von der Person, den überdrehten Geschichten über ihn und fing an zu recherchieren. Aber ich erkannte, dass die Erinnerungen der Zeitzeugen eher vage waren. Es hatte niemand tiefere Fragen zu den Erfahrungen mit Bunker gestellt. Alles basierte bis dato auf den Gerüchten, dem Mythos und der Legende Bunker. Die Informationen waren aber sehr fragmentiert und ungenau.

Wie entstand daraus das riesige Unterfangen Bunker 77?

Ich begann als Surfer auf der Suche nach Informationen, um mein eigenes Verständnis von ihm zu verbessern. Als professioneller Longboarder hatte ich Zugang zu den Größen der Surfwelt und so entstand nach und nach ein Bild dieser Lebensgeschichte. Ich war mir schnell darüber im Klaren, dass dies mein Dokumentarfilmdebüt werden muss – ich wusste nur nicht genau wie... Deshalb hat es wahrscheinlich auch 12 Jahre gedauert, bis wir endlich fertig waren (lacht).

Kelly Slater Takuji Masuda Anthony Kiedis
Kelly Slater, Takuji und Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers.

Es bestehen gewisse Parallelen zwischen Dir und Bunker: Wohlhabende Familie, umgeben von einflussreichen, berühmten Menschen in Malibu – dann die Vorliebe für heftige Wellen wie Pipeline. In wie weit erkennst du dich in ihm wieder?

Wir sind beides Quereinsteiger und mussten uns in der Surfwelt erstmal die Sporen verdienen. Donald Takayama, Nat Young und Gerry Lopez haben mich unter ihre Fittiche genommen – obwohl ich im Pipe Lineup mit einem Longboard aufkreuzte. Ihre Sicht der Dinge möchte ich im Film möglichst respektvoll darstellen. Wenn man die Dinge nur sensationalisieren möchte, kann man Menschen wirklich verletzen.  12 Jahre für die Umsetzung Zeit zu haben, war natürlich ein Luxus den sich nicht viele Regisseure rausnehmen könnten. Bunker hat diese Aufmerksamkeit von mir aber verdient und ich selbst habe viele Risiken und Zeit auf mich genommen, um ihm im fertigen Streifen die angemessene Bühne zu bieten. Bunker konnte dank seiner unerschöpflichen Ressourcen jede Idee, jede Laune sofort in die Tat umsetzen. Ich wollte aber nicht, dass der Film um die Leiden eines steinreichen Irren geht... Umstände sind universell und dies ist in erster Linie die Geschichte über den Menschen Bunker.

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Momentaufnahmen aus dem Leben des Bunker Spreckels.

Wer oder was sticht bei diesem Projekt für dich heraus?

Während des Entstehungsprozesses durfte ich es einigen Menschen zeigen, die mich als Person geprägt haben. Rick Rubin, Shawn Stussy, Oliver Stone. Es war ein langer Weg und auf diesem kleinen, persönlichen Level ist es natürlich schön solche Bestätigung zu bekommen. Aber am meisten Freude habe ich, wenn die Leute von meinem Film berührt sind, Tränen in den Augen haben und mir die Hand geben. Dann weißt du, dass sie auch einen Bunker kannten – es könnte ihr Vater, ein Sohn, ein Freund oder jemand in ihrem Leben gewesen sein, den sie in Bunker wiedererkennen. Das ist es, was mich als Filmemacher wirklich belohnt. 

Blue Yearbook 2017 - Horizontal #2

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Den Film seht ihr auf der kommenden Surf Film Nacht Tour.

Alle Termine:


15.1. Wien  | Urania Wien

16.1. Kiel  |  Studio Filmtheater

16.1. Salzburg  |  Cineplexx Salzburg Mitte

16.1. Innsbruck  |  Leokino

17.1. Graz  |  Geidorf Kunstkino

18.1. Villach  |  Stadtkino

22.1. Köln  |  Cinenova

23.1. Leipzig  |  Kinobar Prager Frühling

24.1. Berlin  |  Babylon Kreuzberg

24.1 Mannheim  |  Odeon Kino

25.1. Flensburg  |  Volksbad Flensburg

26.1. Hamburg  |  Zeise Kino

29.1. München  |  Rio Filmpalast

29.1. Freiburg  |  Harmonie Freiburg

5.2. Copenhagen  |  Grand Teatret

6.2. Dresden  |  Kino am Dach

6.2. Dortmund  |  Roxy Kino

7.2. Bochum  |  Metropolis

7.2 Amsterdam  |  Het Ketelhuis

8.2. Den Haag  |  Filmhuis Den Haag

13.2. Genf  |  Les Scala

13.2. Bern  |  Cinema Bubenberg

14.2 Luzern  |  Bourbaki

15.2. Zürich  |  Riff Raff

15.2 Wiesbaden  |  Murnau-Filmtheater

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Credits:

ITV aus dem Englischen von magicseaweed.com
Brian Bielmann
Art Brewer
Super X Media
www.surffilmnacht.de
 
www.nouvague.com