Im Blue Yearbook 2013 hatten wir dir in den Travel Tipps bereits diese wunderschöne Ecke Englands ans Herz gelegt. Blue Autor Tom Frey hält diese Seite der Nordsee schon seit längerem für die bessere Seite. Wer einen genaueren Blick auf eine Landkarte – oder Google Earth für die, die mit Papier nicht mehr so viel anfangen können – wirft, erkennt an dieser Küste eine Vielzahl von Buchten und einen Mix aus Steilküste und sandigen Abschnitten. Der erfahrene Searcher wird nun schon einen kleinen Adrenalinschub spüren.

 

Steilküste mit Absturzgefahr

Vor Ort stellt sich dies als eine landschaftlich sehr schöne, von Mooren geprägte Hügellandschaft heraus, die an ihren Steilabbrüchen zur Nordsee erstaunlich labil ist. An den Wanderwegen entlang der Steilküsten sollte man schon sehr genau auf den Weg achten, denn nach Stürmen und starken Regenfällen – nichts Ungewöhnliches für die Gegend – tun sich schon mal tiefe Risse mitten im Weg auf. Wenn man die dann mal genauer begutachtet, stellt man fest, dass das meistens keine Felsklippen sind, auf denen man steht, sondern einfach nur ein Erdhügel mit einer fast senkrechten Abbruchkante zur See. Diese Erdklippen halten sich nur deswegen so lange, weil sie auf tief liegenden, flachen Felsformationen sitzen, die bis in die Nordsee reichen. Diese sogenannten Scars schützen die labile Küste und sorgen gleichzeitig dafür, dass – die richtige Tide vorausgesetzt – in hier unter anderem die beste Welle Englands läuft. Richtig gehört, an der Nordsee, nicht am Atlantik läuft die Welle, zu der sogar die Cracks aus Cornwall oder Devon pilgern, wenn die Vorhersage Swell verspricht.

Wer das nicht glauben kann, sollte sich einmal die Videos Pilgrimage Of GraceYorshire-thumb und The Endless Winter, Episode 5 - Britain´s Coldest Waves anschauen. Wer sich bei dem zweiten Clip nun über die uralten Autos wundert, die da in einigen Sequenzen gezeigt werden, dem sei gesagt: die Ecke ist die Wiege des britischen Surfens und die Jungs und Mädls haben die eisigen Nordseewellen in Scarborough und Whitby bereits in den Achtzigern gesurft, einer Zeit, in der die Neos bei weitem noch nicht so kältetauglich waren wie heute und lange bevor unsereins zu der Erkenntnis gekommen ist, dass man in der Nordsee überhaupt surfen kann.

 

Wind & Swell Directions

Nordswell und Westwind ist die Kombo, die die Riffe und Beachbreaks an Yorkshires Küste zum Feuern bringt. Durch die vielen Buchten mit Steilküste findet man aber auch bei Sideshore Wind noch gute Wellen. Wer kurze Wege liebt sollte sein Basislager in dem etwas herunter gekommenen Seebad Scarborough aufschlagen. North Bay und Southbay werden hier von einer Halbinsel getrennt, auf der die Altstadt und eine alte Burg liegen. Die Halbinsel bietet den beiden Buchten jeweils beste Abdeckung vor Süd- bzw. Nordwind und bei ausreichend großem Windswell dreht immer noch was surfbares rein. Alleine auf dem Wasser wirst Du hier allerdings eher selten sein, denn Scarborough ist eines der Surf Epizentren Englands. Trotzdem sind die Vibes im Lineup sehr entspannt, was sicher auch daran liegt, dass hier schon sehr lange gesurft wird und Generationen übergreifend betrieben wird. Wer es einsamer mag, muss dazu nicht weit fahren und bereit sein, auch ein paar Minuten zu Fuß zu laufen. Crowds findet man hier immer nur da, wo man in Strandnähe parken kann.

Whitby ist die zweite Hochburg, mit einem rund 2km langen Sandstrand und ein paar Riffen am Rande davon. Tipp: bei großem Nordswell und Westwind einfach einmal von der Ruine der Kathedrale aus zur Steilküste gehen und da ein paar Meter entlang laufen.

 

Beste Reisezeit

Beste Reisezeiten sind Frühjahr und Herbst mit der größten Chance auf Nordswell in Verbindung mit Westwind. Der hoch gehypte Xaver hat hier nicht nur die Küste demoliert, sondern auch gezeigt was die Scars so leisten können (check das Feature auf MSW). Im Winter geht´s hier natürlich auch öfters ab, aber die Wasser- und Lufttemperaturen sind dann nur etwas für ganz harte.

Wie immer an der Nordsee kann man seine Surf Trips nicht längerfristig planen. Oft reicht eine geringfügige Bahnänderung eines vorbeiziehenden Tiefdruckgebiets, um von einem Tag auf den anderen die „kopfhoch und offshore" Prognose auf „hüfthoch und onshore" umschwenken zu lassen. In so einem Fall hat die Gegend aber durchaus noch ein paar landschaftliche und kulturelle Attraktionen zu bieten, die einen Besuch wert sind.

In der Gallery findest du noch ein paar Impressionen aus der Gegend.

Alle Bilder von Tom Frey. 

 


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