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La Langosta Blanca
Geschrieben von: Jens Steffenhagen Montag, den 02. August 2010 um 09:08 Uhr
Bluefields, Nicaragua, ist geographisch gesehen ein Geschenk der Götter.
Der Ort liegt auf halber Strecke zwischen den Kokain-Hochburgen von Kolumbien und den 300 Millionen amerikanischen Schnupfnasen im Norden. Bluefields ist das Epizentrum der Kokain-Transportrouten. Nicaraguas Gewässer treffen auf kolumbianische Territoriumsgrenzen, was die ganze Gegend zum Austragungsort für ständige Verfolgungsjagden zwischen Kokainschnellbooten und amerikanischen Hubschraubern macht.
Wenn die Amerikaner zu nahe kommen, werfen die Schmuggler ihre Ware über Bord; einerseits um ihre Boote schneller zu machen, anderseits um Beweismaterial zu vernichten. Diese Kokainpäckchen treiben im Meer und werden von der Strömung genau auf die Inselketten, Strände und Buchten vor Nicaraguas Ostküste getrieben. Genauer gesagt: Nach Bluefield.
„Oben bei Monkey Point hat eine Familie ein ganzes verdammtes Boot gefunden. Insgesamt waren es 87 Päckchen, also 3045 kg“, erzählt Jah Bun, der örtliche Rasta, der alle im Ort kennt. „Diese Leute haben Geld und noch dazu in den Bergen Kokain versteckt. Es ist dort aufgehoben wie das Geld in der Bank.“
Bei tonnenweise verstecktem Kokain in den Bergen, in den Vorgärten und überall im Ort, wundert man sich schon, warum die kolumbianischen Dealer nicht in die Dörfer einlaufen und sich ihr Kokain mit Gewalt wieder zurückholen.
„Das würde schiefgehen“, meint Francisco Villar, ein ehemaliger Polizist, der jetzt beim örtlichen Gericht arbeitet. „Hier herrschte Krieg. Bürgerkrieg. Die Miskitos sind gut ausgebildete Guerillakämpfer. Sie haben AK47s. Wenn die Kolumbianer einfach hier einlaufen und es zurücknehmen würden, nein, das würde nicht klappen. Sie wären sofort tot. Eins der Probleme nach einem Bürgerkrieg ist, dass alle wissen, wie man mit einem Maschinengewehr umgeht – es ist wie Fahrrad fahren, alle können es und vergessen es nie.“ ![]()
Die Koks-Küste von Bluefield ist der Wilde Westen Lateinamerikas.
Jonathan Franklin erzählt die ganze verrückte Geschichte in der Gallery.
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