Die Vielseitigkeit Fuerteventuras ist Segen und Fluch zugleich – So viele Möglichkeiten und noch mehr Variablen: Swell-Größe, saisonale Schwankungen, Windrichtungen, Tidenstand. Irgendwo läuft immer eine schöne Welle. Surfnomade Julian Siewert hilft dir mit seinem Surfguide Fuerteventura die Launen der kanarischen Insel zu verstehen und in Sachen Wellenausbeute aus dem Vollen zu schöpfen. Wir haben mit ihm über sein Projekt gesprochen.

Surfen Surfnomade Julian Siewert

Ich-Ich-Ich Egorunde:

Ich war früher ein typischer deutscher landlocked Surfer.
Ich bin seit Mitte Dezember mit dem Surfboard unterwegs in Brasilien.
Ich werde von hieraus im Mai nach Portugal aufbrechen, um für meinen Surfcamp Portugal Vergleich zu recherchieren.
Ich habe noch nie in meinen Wetsuit gepinkelt.
Ich wollte schon immer mal ein Buch im Selbstverlag veröffentlichen.

Wann kam dir der Gedanke den Surf Guide Fuerte rauszubringen?

Spätestens als ich feststellte, dass es bei vielen deutschsprachigen Urlaubssurfern auf Fuerte noch echten Aufklärungs-Bedarf gibt. Das Maß an Selbstüberschätzung, das ich besonders an der North Shore wiederholt im Lineup erlebt habe, ist schon erschreckend. Auch wenn es inzwischen ohne Frage viele gute Surfer aus dem deutschsprachigen Raum gibt, ist es leider immer noch so, dass viele Surfanfänger und intermediates viel zu früh mit viel zu kleinen Brettern in viel zu heftigen Wellen unterwegs sind und damit sowohl sich selbst als auch den anderen Surfern den Spaß verderben.

Wieso gerade Fuerte, was verbindet dich mit der Insel?

Ganz einfach, weil Fuerteventura ein echtes Mekka für deutschsprachige Surfurlauber ist. Der Bedarf an praktischen Surf- und Reiseinfos ist dementsprechend groß. Für mich ist ein Surfurlaub auf der Insel des ewigen Frühlings die schnellste und unkomplizierteste Option, dem deutschen Winter zu entfliehen und teilweise sogar ohne Neoprenanzug surfen zu können. Außerdem verbinde ich mit Fuerteventura viele schöne Surferlebnisse, die ich gerne mit anderen Fuerte-Neulingen teilen wollte.

Mockup Cover Vom Surfguide Fuerteventura

Wie lang hat es von der ersten Idee bis zum fertigen Guide gedauert?

Lange! Die erste Idee hatte ich bereits im Winter 2010 auf meinem dreimonatigen Surftrip direkt nach dem Studium. In den Folgejahren habe ich dann vor allem Wert daraufgelegt, möglichst viele Spots bei verschiedenen Bedingungen zu surfen, um authentisch drüber schreiben zu können. Der tatsächliche Schreibprozess war dann mit etwa sechs Monaten vergleichsweise kurz. Nur war es damit leider noch lange nicht getan. Der folgende Rattenschwanz aus Lektorat, Fotoauswahl, Layout und Illustration hat sich eine gefühlte Ewigkeit hingezogen. Auch wenn ich dafür zum Glück spitzenmäßige Unterstützung hatte. Besonders die großartigen Illustrationen von Pia Opfermann haben den Guide wie ich finde noch mal enorm aufgewertet.

Wie geht man so ein Projekt planungsmäßig an?

Das hätte ich am Anfang auch gerne gewusst. Schließlich war der Surfguide Fuerteventura mein erstes eigenes Projekt, an dessen Ende ein Taschenbuch mit größerer Druckauflage stehen sollte. Entsprechend chaotisch lief die Planung: Unzählige ungeplante Korrekturschleifen, verlorene Dateien, defekte Drucker und schlaflose Nächte waren nur die Spitze einer unerwarteten Pannenserie. Doch diese Fehler gehören wohl dazu. Sie sind Teil eines Lernprozesses, der für mich auf lange Sicht hoffentlich noch sehr wertvoll sein wird. Alleine darüber könnte ich jetzt vermutlich ein eigenes Buch schreiben.

Favourite Spot?

Den möchte ich hier nicht verraten (Anm. d. Red.: Sehr gut.). In all den Jahren hatte ich aber schon an fast jedem Küstenabschnitt der Insel traumhaft schöne Surferlebnisse. Selbst die eher von Wind- und Kitesurfern geschätzte Ostküste ist mit dem richtigen Timing eine echte Schatztruhe in Sachen Wellenreiten.

Love to hate?

Unbedingt zu meiden ist das Erlebnis, von einem Cleanup-Set an der North Shore über eines der flachen Lavariffe gezogen zu werden. Das wirkungsvollste Rezept dagegen ist die realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und der jeweiligen Surfbedingungen. Zu Letzterem soll mein Surfguide einen wichtigen Beitrag leisten.

Blue Yearbook 2017 - Horizontal #2

Surfguide Fuerteventura Aufraeumersett An Der North Shore

Welche Boards müssen in den Fuerte-Quiver?

Leider sind schätzungsweise immer noch mehr als die Hälfte aller Urlaubssurfer auf Fuerteventura mit Brettern unterwegs, die das jeweilige Fitness-und Surf-Level in keinster Weise widerspiegeln. Davon mal abgesehen bietet Fuerteventura aber die komplette Bandbreite an Wellen-Typen: Von mellow brechenden Longboard-Wellen am „Rocky-Point“, über hohle Reefbreaks wie „The Bubble“, bis hin zu den Bigwaves von „Mejillones“ lässt sich für jedes Board die passende Welle finden.

Legendaere Riffwelle The Bubble An Der North Shore

Falsche Vorurteile?

Mit Fuerteventura verbinden viele das Cliché einer vom Massentourismus ruinierten Wüsteninsel. Dass sich der Pauschaltourismus nur auf einige wenige Touri-Hochburgen im Norden und Süden beschränkt und der Großteil der Insel menschenleeres Niemandsland mit teils spektakulären Landschaftsformationen ist, wissen nur die vergleichsweise wenigen Surftaveller, die vor längeren Erkundungstouren über holprige Schotterpisten nicht zurückschrecken.

Korrekte Klischees?

Dass du deinen café con leche in der Touri-Region Costa Calma / Jandia am besten gleich auf Deutsch bestellst.

Fuerteventura Kann Mehr Als Touristen Bunker

Für wen hast Du den Guide geschrieben?

Für alle Surfer, die das Maximum aus ihrem Surfurlaub auf Fuerteventura rausholen wollen. Denn auch wenn das „kleine Hawaii Europas“ eigentlich ideale Voraussetzungen für einen wundervollen Surfurlaub bietet, wählen viele Surf-Traveller nicht die optimale Reisezeit, verzweifeln bei der Suche nach guten Surfcamps und preiswerten Unterkünften in Surfspotnähe oder finden nicht die Surfbedingungen, die wirklich zu ihrem Level passen. Der Fokus vom Surfguide Fuerteventura liegt daher auf einsteigerfreundlichen Surfspots und praktischen Surf- und Reiseinfos, die den Einstieg in das Surfparadies Fuerteventura deutlich erleichtern.

Was halten die Locals von deinem Guide? Kannst du dich noch blicken lassen?

Haha, also seit der Buchveröffentlichung im Dezember habe ich mich noch nicht wieder auf die Insel getraut. Nein, ohne Spaß… letztendlich ist es doch so: Dass Fuerteventura zu den besten Surfregionen Europas zählt, ist längst kein Geheimnis mehr. Die Massen an surfbegeisterten Winterflüchtlingen kommen also so oder so. Und jedes Jahr werden es mehr.

Nun kann man dieser Entwicklung tatenlos zusehen, den internationalen Surftourismus verdammen und einfach so vor sich hinwuchern lassen. Oder aber man versucht, die Besucherströme so zu informieren und zu lenken, dass sich Surfanfänger und erfahrene Locals möglichst selten in die Quere kommen.

Eines meiner wichtigsten Anliegen ist es, mit dem Guide über die Gefahren im Wasser aufzuklären und für mehr Respekt gegenüber erfahrenen Surfern und Locals zu sorgen. Denn außer in den wenigen Nebensätzen der Theorie-Stunden einzelner Surfcamps, wird das Thema leider weitgehend ignoriert.

Surfguide Fuerteventura Surfnomade Titelbild

Auch weil sich die klassischen internationalen Surfguides, wie der Stormrider Guide, vor allem an erfahrene Surfer richten, sind individuell reisende Surfurlauber mit weniger Erfahrung bei der Einschätzung von Surfbedingungen weitestgehend überfordert. Der Surfguide Fuerteventura soll diese Lücke schließen. Für jedes Surflevel werden passende Surfspots empfohlen und Angaben zur maximale Swellgröße sollen dazu beitragen, das Phänomen hilflos herumtreibende Urlaubssurfer in Zukunft besser in den Griff zu kriegen. Darüber hinaus stärkt der Guide auch den lokalen Surftourismus, von dem die Locals bekanntlich am meisten profitieren.

Aber klar, mit meinem Blog und meinen Büchern erreiche ich jährlich über 300.000 surfbegeisterte Leser. Da ist es schwer, es allen gleichermaßen recht zu machen. Mir ist aber auch bewusst, dass eine solche Reichweite eine große Verantwortung mit sich bringt. Ich achte daher schon sehr genau auf die Inhalte, die es in die finale Version meiner Bücher und Blogbeiträge schaffen. Secret Spots werden im Surfguide Fuerteventura daher selbstverständlich nicht verraten.

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Credits:

Surfnomade.de