Wie gut und vielfältig ist das Podcast-Angebot zur Zeit? Es gibt nichts was es nicht gibt: Investigativ-Journalismus der L.A. Times (Dirty John), die britischsten Rentner aller Zeiten und ihre ,,Philosophy Bites'', eine Audio-Einschlafhilfe und jetzt auch einen deutschen Surf-Podcast. Thomas Zielinski's Get Wet Soon Podcast ist inzwischen 11 Folgen stark und hat eine diverse Auswahl an Gästen parat. Ich habe mich mit ihm über das Format (und sein Monopol in der deutschen Szene) unterhalten: 

Thomas Zielinski Get Wet Soon
Die Stimme in Deinem Ohr: Thomas Zielinski.

Ich-Ich-Ich: 
Ich war immer sehr verspielt.
Ich bin öfter im hier und jetzt - was für mich nicht immer leicht ist ;)
Ich werde mich noch mehr in Aufmerksamkeit üben, um jeden Moment / jede Begegnung noch mehr zu schätzen.
Ich habe noch nie Zeit in Südamerika verbracht.
Ich wollte schon immer einfach mal länger als ein Jahr losziehen samt Kamera, Laptop und Surfbrett.

Moin Thomas, direkt vorweg: Warum Podcasts? Was fasziniert dich an dem Format?
Im Laufe des letzten Jahres habe ich meine Gehörgänge mit diversen Podcasts geradezu geflutet. Ich habe mehr gehört, als ich Artikel oder Beiträge gelesen habe.
Du kannst Podcasts einfach überall hören, egal ob Du Dir gerade die Zähne putzt, Dich durch Supermarkt-Regale wühlst, Sport machst oder welche Tätigkeiten auch immer Dir gerade in den Kopf kommen. Es gibt kein entspannteres Medium. Und dabei kein persönlicheres. Du hörst den Menschen, der die Beiträge produziert, lernst ihn auf eine gewisse Art kennen, ja sogar authentisch, durch die Art wie er redet, wie er sich gibt und hast bei einem Interview beispielsweise ein echtes Gespräch, dem Du folgst - was meiner Meinung nach noch mehr Nähe ausmacht, als ein schriftliches Interview. Außerdem bin ich ohne mehr der audiovisuelle Lerntyp - für mich ein weiterer Pluspunkt Podcasts zu konsumieren.

Jon Pyzel Getwetsoon
Personal favorite: Folge Nr.4 mit Shaper Jon Pyzel.

Was macht ein gutes Interview aus? 
Ich find es absolut wichtig, dass man sich für sein Gegenüber wirklich interessiert und seine Gäste nicht nach dem Kriterium Reichweite aussucht, sprich, wieviele Follower diese einem jetzt einbringen könnten - was in der Bloggerwelt leider immer mehr zur Normalität wird - aber das ist nochmal ein anderes Thema.
Außerdem find ich, dass man sich vernünftig vorbereiten sollte, Fragen stellen, die dieser Person vorher noch nicht gestellt wurden. Sich mit ihr bereits vor dem Interview auseinander setzen - alles andere ist verschwendete Zeit für den Gast selbst, sowie für den Zuhörer.

Ich selbst war immer großer Fan von Til Haase, der in der Sendung Plan B auf 1Live wöchentlich Musiker interviewt hatte. Selbst wenn der Musiker zu Gast hatte, die mir gar nichts sagten oder deren Musik ich einfach nicht mochte, so hatten die Gespräche doch immer eine wunderbare Tiefe und damit einen Mehrwert für mich als Hörer. Und das möchte ich doch bei einen Interview haben. Ich möchte nicht das wiederholt aufgesagt bekommen, was ohnehin jeder weiß. Akustisches Drag und Drop sozusagen. Wer will das? Ich nicht. Ich will Tiefe. Ich will die Person kennenlernen. Wer ist das wirklich? Was treibt diesen Menschen an?

Für wen machst Du den Podcast?
Ich sehe das ganze Projekt GET WET SOON ja noch ein bisschen so a la „Hektors Reise oder die Suche nach dem Glück“ - die bei mir entlang der Route Surfen, Yoga und Kreativem entlangführt. Es sind irgendwie alles Begegnungen auf meiner eigenen Reise, wohin die mich auch immer führen mag. Begegnungen, die mich selber immer wieder ein Stück inspirieren und anstoßen und damit hoffentlich auch andere Menschen, die damit auch immer mehr dahin kommen, das zu tun, was sie lieben.

Blue Yearbook 2017 - Horizontal #2

Was hältst du von den anderen (Surf-)Podcasts da draußen? Welche hörst du dir an, wer oder was inspiriert dich?
Oha, jetzt hast Du mich. Ich muss zugeben, dass ich Surfpodcasts bisher noch gar nicht gehört habe. Ich hatte mal in Surf Simply reingehört, der aber - zumindest in der Folge, in die ich kurz reingezapped hatte - zu sehr nach Surferklischee klang. Höre jetzt aber öfter den von Dir empfohlenen „SurfSplendor“ der mir wirklich sehr gefällt. Ansonsten konsumiere ich diverse Podcasts rund ums digitale Nomadentum oder radioWissen - die unterschiedlichste Themen gut verdaulich in 20-Minuten-Happen servieren. Gita Wisdom von Joshua M. Greene ist auch toll - mein „Satsang to go“ quasi.

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Mr. Instagram - Chris Burkard in Folge Nr. 9.

Wie suchst du dir deine Gesprächspartner aus? Wer ist für dich momentan interessant?
Ich folge da einfach meiner Neugier. Oft sind es Menschen, denen ich auf Reisen oder sonst irgendwo im Leben begegne, mal sind es Menschen, die mir auf Facebook oder Instagram ins Auge fallen. Dauerinteressant ist für mich auf jeden Fall Kepa Acero. Der Mann ist der Yogi unter den Surfern schlechthin. Aber ich glaub, da beiße ich auf Granit. Habe ihm schon etliche Male geschrieben, aber bisher keine Antwort erhalten. Ich glaube das wäre wirklich ein richtig richtig gutes Gespräch.

Welche Surfmedien konsumierst du? 
Print hol ich mir leider gar nicht mehr, was aber daran liegt, dass ich einfach keine Dinge mehr anhäufe. Hashtag minimalism. Die BLUE hab ich aber tatsächlich immer geholt - eben weil es anders war, als die anderen. Interessante Beiträge, die auch hinter die Fassade geblickt haben. (Und das sag ich nicht weil dies Interview bei Euch erscheint) Lese bei Euch auch online immer wieder rein. Ansonsten les ich immer wieder, wenn es irgendwo rumliegt, das Surfers Journal. Der Klassiker schlechthin.
Auf Instagram sind es unendlich viele Profile aus der Surfwelt, denen ich folge: Kepa Acero, Kelly Slater, Dave Rastovich, Chris Burkard, Morgan Maassen und und und…

Dein Senf zum Status Quo der deutschen Surfszene?
Das erste was mir dazu einfällt: Ich habe ja jahrelang das Vorurteil vom deutschen Touri-Surfer in mir herumgetragen, der sich lange Haare wachsen lässt, seinen Bulli mit diversen Surf-Stickern vollknallt und auch sonst keine Merchandise-Gelegenheit auslässt, um auch ja auf den ersten Blick in die Schublade „Surfer“ gesteckt zu werden, was ich immer sehr befremdlich fand. Mittlerweile hab ich da aber Frieden geschlossen - gerade in den letzten zwei/drei Jahren hab ich vermehrt deutsche Surfer kennengelernt - darunter auch besagte Stereotypen - und festgestellt, wenn man mal nicht vorab „judged“ sondern sich auf die Person einlässt - dann merkt man: das ist auch nur ein Mensch, wie Du und ich, ein netter noch dazu und letztendlich wollen wir doch alle nur geliebt werden.

Zum Theme Wettbewerb: Ich find ich es toll, dass die Mädels da jetzt immer mehr in den Vordergrund treten. Das war längst überfällig: „Go Lilly“
Beim Thema „Projekte“ machen die Jungs von BINSURFEN einfach einen megaguten Job, egal ob mit ihrem Magazin PULK oder die Audiovisuellen Dinge, die sie da immer wieder raushauen. Das ist einfach oberste Liga. Genauso wie die Afrika-Doku BEYOND von den Machern von THE OLD THE YOUNG AND THE SEA (unter denen ja auch BINSURFEN Jungs dabei sind). Klasse.

Thomas Get Wet Soon
,,Polarisiert''.

Letztes Board, dass du gesurft bist und wo?
Mein Shortboard von Polen Surfboards shaped by Jon Pyzel - hat zuletzt das Salzwasser von Ribeira d'Ilhas gesehen - allerdings auch schon wieder drei Monate her.

Wie geht’s für dich 2018 weiter?
Ich hoffe noch öfter ans Meer und auf die Matte - mit vielen tollen neuen Begegnungen.

Danke für's Gespräch.