Der Aalener Fabian Haegele lebt das Leben des reisenden Surfers in vollen Zügen. Hier ist der erste Teil seiner Travel Tales aus Westaustralien:

Wenn die tägliche Ration Salzwasser wichtiger ist als ein leckerer Teller Schupfnudeln und ein anständiges Bier zum Abendbrot, dann wird es nach sechs Monaten in der Heimat im Schwabenland irgendwann einfach zu eng. Was liegt da näher als sich ein Visum für Australien zu besorgen und seine Basis vorübergehend nach Margaret River im tiefen Südwesten des Kontinents Down Under zu verlegen. Einiges natürlich. Europa hat schließlich unglaubliche Wellen im Überfluss zu bieten. Auch nach Afrika, das mit scheinbar endlosem und großenteils unentdecktem Wellenpotential lockt, ist es von Europa aus nicht weit. Und sogar das Surfermekka Indonesien ist von deutschen Flughäfen aus wesentlich günstiger zu erreichen als Perth.

Die Cape to Cape Region zwischen Dunsborough und Augusta, in deren Zentrum das legendäre Margaret River liegt, hat jedoch ihren ganz eigenen Reiz. Fast nirgendwo sonst auf der Welt gibt es das ganze Jahr über so konstant gute und oftmals auch große Wellen wie hier. Selbst im Hochsommer, wenn man beispielsweise in Frankreich mit einem dicken, breiten Fish in der Regel gut beraten ist, sind acht Fuß Tage absolut keine Seltenheit. Dazu gibt es in Margaret River einen äußerst entspannten, ländlich geprägten Lifestyle und traumhaft guten Wein, der sich hinter seiner französischen Konkurrenz keinesfalls verstecken muss. Menschenmassen, Stress, Verkehrsstaus und verschmutzte Strände sind nur gut drei Autostunden südlich von Perth beinahe schon Fremdwörter. Nur während der Weihnachts- und Osterferien geht es hier etwas hektischer zu. Und selbst wenn es tatsächlich einmal keinen Swell geben sollte, kommt zumindest bei echten Outdoor Enthusiasten in Margaret River garantiert keine Langeweile auf. In meinem Fall hat sich zum Beispiel Freitauchen zu einer neuen Lieblingsbeschäftigung entwickelt. Die vielseitige Unterwasserwelt des Indischen Ozeans zu erkunden ist total faszinierend, und mit etwas Glück springt dabei auch ein edles Abendessen heraus.

Die schiere Anzahl an Surfspots in der Region ist wirklich beeindruckend. Die meisten Wellen sind Reef Breaks und eignen sich in erster Linie für erfahrene Surfer. Für Pros und Kamikazes gibt es Slabs wie Box, Gas Bay, Womb, Mufflers oder Supertubes. Auch die Beach Breaks haben es in sich. Boodjidup oder Rabbits zum Beispiel sind ein Paradies für hungrige Tuberider. Margaret River Main Break selbst, die alte Ikone unter den Surf Spots hier, ist eine freundliche Welle für jedermann wenn es klein ist und zeigt erst ihre Zähne wenn es etwas gröβer wird. Trifft jedoch ein solider Swell aus dem tiefen Süden des Indischen Ozeans auf das weltbekannte Riff, dann sind große Bretter nötig um den steilen Drop zu meistern und der mächtigen Lippe zu entkommen. Hier einen richtig großen Tag zu erleben ist auf jeden Fall ein Spektakel, das man so schnell nicht vergisst.

Fotos: Fabian Haegele


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