Text: Vincent Scholz 

Gute Wellen, Kälte, Wind, verrückte Partys und eine coole Crew - Erinnerungen vom letzten Jahr flackern auf, als ich die Ausschreibung für die diesjährigen Sylt Open entdecke. Wird es dieses Jahr genauso aufregend werden?

Es ist Freitagnachmittag, die ersten Heats sind bereits ins Wasser gegangen und ich stehe noch im Uni-Labor mitten im Ruhrpott. Voller Sehnsucht auf Surf und mit der Hoffnung, dass ich mein Heat noch nicht verpasst habe, warte ich auf Nachricht vom Contestdirector Tim Surtmann. Endlich: „Dein Heat ist morgen früh um 9 Uhr!“. Jetzt trennen mich nur noch 6 Stunden Autofahrt und 1 Stunde Autozug vom Surf. Sturmtief „Herwart“ war ebenfalls im Anflug. Wir liefern uns ein Kopf an Kopf Rennen zum Autozug. Ich gebe Vollgas, damit ich ankomme, bevor der Sturm die Verbindungen lahmlegt.

Vince Scholz Sylt Open 2017

Es ist noch dunkel und ich fahre zum Brandenburger Strand. Ich treffe zwei der „Weasel Bros“ (Julius und David), Shredder die im portugiesischen Gewässer groß geworden sind und jetzt die Ostsee unsicher machen. Meine Freude sie hier auf Sylt anzutreffen überwiegt die Nervosität, dass die beiden in meinem ersten Heat sind. Wir laufen gröhlend ins Wasser und das Horn dröhnt. Überraschenderweise fühlt sich mein Surfbrett echt gut an und ich überstehe den Heat. Das Starterfeld ist stark, aus ganz Deutschland angereist, und geschlechtermäßig ausgeglichen.

Im Laufe des Tages kommt Herwart so richtig in Schwung und hält für einen weiteren Tag an. Flugzeuge stürzen fast ab, ein Tanker läuft auf Grund, Bäume knicken um, Bushaltestellen fliegen weg, der Zugverkehr steht still - und wir freuen uns am Nachmittag über den rauen aber spaßigen Freesurf. Danke Herwart! Abends treffen wir uns erst im Hotel von Valeska, Lilly und Rosina, wo wir uns ein (oder zwei) Bier genehmigen und anschließend brechen wir mit der ganzen Crew, inklusive Contestdirektor Tim ins Künstler-Café zum Pizzaessen auf. Mit dem Hintergedanken, dass morgen Layday ist und die Zeit umgestellt wird, lassen wir alles zu was kommt. Der Abend wird lang. Den Sonntag verschlafen wir alle, außer Jonas Bronnert, der früh aufsteht, um Hewart in voller Action zu surfen. Respekt.

Vincent Scholz Sylt Open Contest

Montagmorgen um 7:30 Uhr ist der Call für den Contest. In meinem Heat des Halbfinales befinden sich neben Stormchaser Jonas auch zwei Locals, Max Schulz und Max Finke. Jetzt wird es eng, und für mich heißt es Vollgas geben. Meine Conteststrategie war es, keine Booties anzuziehen, damit ich ein besseres Boardgefühl habe. Allerdings stellte dies sich bereits nach den ersten 10 Minuten als Fehlentscheidung heraus. Anscheinend ist durch den Sturm das Wasser ein ganzes Stück kälter geworden und ich spüre meine Zehen nicht mehr.

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Zum Glück erwische ich in den letzten Minuten noch eine schöne Right, in die ich zwei Turns schlitze. Zurück am Strand versuche ich mich für das anstehende Finale warm zu halten und vor allem meine Zehen wieder aufzutauen. Im Finale surfe ich gegen den unschlagbaren Arne, Julius und Jonas. Es macht Spaß mit guten Freunden das Sylter Lineup zu teilen, die Wellen gehen ab und mit Booties ist es auch gar nicht mehr so kalt, denke ich, als ich gegen die Strömung paddle und die Sonne hinter den Wolken herauskommt. Arne und Valeska holen sich den Sieg, ich werde wie immer Zweiter. Aber die Platzierung ist hier nur Nebensache, im Vordergrund steht die warme Atmosphäre im Sylter Surfclub-Haus und die geile Crew vom DWV, Inshore-Team und den Surfern. Ich bin immer noch geflasht, dass man in Deutschland so gut surfen kann. Der Contest war mindestens genauso gut wie letztes Mal und ich freue mich auf das nächste Jahr.


Cheers,
Vincent

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Photo- & Video-Credits:

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