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"Was ist das für ein Gefühl, wenn du gerade herausgefunden hast, dass die Gewässer, in denen du gerade nach Wellen suchst, von Piraten heimgesucht werden?  Wie fühlt es sich an, wenn du gerade die besten Tubes deines Lebens gesurft bist, aber neben dir jemand im Sterben liegt? Was geht dir durch den Kopf, wenn du gerade in den größten Wellen schwimmst, die der Indische Ozean je gesehen hat?"

Der Fotograf Stefan Götzelmann hat all das herausgefunden – und seine Erlebnisse niedergeschrieben. Wärend seiner Reisen durch Indonesien hat er solche und noch viele weitere Abenteuer erlebt. Archipel der Wellen ist die Zusammenfassung seiner spannendsten Erlebnisse, die ihm in den letzten 13 Jahren in diesem großartigen Archipel wiederfahren sind. Und davon gibt es reichlich! – denn er hat die abgetretenen Wege der bekannten Touristenrouten verlassen und sich ins totale Abenteuer gestürzt. Warum? – um die letzten, unentdeckten Wellen Indonesiens zu suchen.
Nach Hause gekommen ist er mit unzähligen Bildern und spannenden Geschichten, die er in diesem 270 Seiten starken Bildband zusammengefasst hat. - Archipel der Wellen im BLUE Shop

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In einem Interview hat Stefan uns von der Entstehung seines Bildbands und seinen persönlichen Lieblingsgeschichten erzählt: 


Dein Buch dokumentiert dreizehn Jahre Indo-Trips, war das auch der Beginn deiner Reisen dort oder warst du schon vorher in Indonesien?

Nein, das war das erste Mal. Im Buch sind auch Geschichten aus den ersten Jahren dabei. Ich habe damals ganz klassisch mit Bali angefangen. Mir ist aber recht schnell aufgefallen: „Oh Gott, da sind ja 100 Millionen Leute im Wasser“. Das Jahr darauf bin ich mit der Hoffnung auf weniger Crowds dann schon nach Sumbawa weiter. Und dann hat es gleich Klick gemacht: „Okay, je weiter ich mich von Bali entferne und je weniger es irgendwelche Informationen gibt, desto weniger Leute sind im Wasser. Wenn du jetzt also in die Remote Places gehst, dann kannst du alleine surfen.“ Von da an ging es also immer weiter von Bali weg auf all die Archipele, wo es mit der Zeit immer spannender wurde.


Hattest du einen Guide oder Mentor auf deinen Trips dabei?

Einen Tourguide oder Ähnliches hatte ich nicht. Ich habe mir natürlich die ganzen Guide-Books gekauft und sofort inhaliert. Der „Indo Surf & Lingo“ war eines der ersten, wo auch gleich die Bahsa Basics drinstanden, die ich vor meiner ersten Bali Reise schon draufhatte. Das hat mir viele Jahre sehr geholfen, da du oft an Orte kommst, wo du ohne Bahasa aufgeschmissen bist, weil niemand Englisch sprechen kann. Die Inseln selbst habe ich durch Eigenrecherche, meist über Google Earth gefunden. Oder wenn ein Guide Book eine Region wie zum Beispiel Nusa Tenggara überhaupt nicht beschrieben hat, war für mich klar, da muss ich hin. Die Inseln, über die es die wenigsten Informationen gab, waren für mich interessant.

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Gab es bei deiner Suche auch mal einen Misserfolg, eine Insel ohne Wellen?

Kommt immer wieder vor. Wenn du ins Unbekannte gehst, dann gehst du auch ein Risiko ein. Beispielsweise hat eine Insel auf Google Earth super ausgeschaut, mit megagutem Break. Und ja, das Foto, das ich auf der Map gesehen habe, hat genau den Punkt erwischt, an dem die Welle gut aussah, obwohl sie eigentlich ein fettes Close Out war. Der Trip war trotzdem ein schönes Abenteuer. Ich habe mich mit meiner damaligen Freundin von den Fischern dort absetzen lassen und gesagt sie sollen uns in einer Woche wieder abholen. Für den Zeitraum hatten wir für genügend Essen gesorgt. Es war ein Traum, wir haben auf „unserer“ privaten Insel gecampt!

Mein Gott, dann halt ohne surfen. Wenn du dazu noch geile Wellen scorest, ist es das Nonplusultra.


Hast du das Buch von Anfang an geplant gehabt oder kam der Gedanke erst nach den ersten Trips?

Durch das Surfen bin ich zum Fotografieren gekommen, wodurch dann immer mehr Fotos entstanden sind. Ich habe irgendwann angefangen, für meine Familie und Freunde kleine Fotobücher als Weihnachtsgeschenk zu machen, um sie an meinen Reisen teilhaben zu lassen. Mit den Jahren wurden diese immer besser und in meinem Freundeskreis oder in meiner Familie die Stimmen lauter, ich solle sie verkaufen und ein Buch draus machen.
Ich hatte mit der Zeit so viele Inseln gesehen, dass ich ein Buch über fast ganz Indonesien schreiben konnte, nur wenige Inseln fehlten mir noch. Dann habe ich 2016 angefangen, aufgrund des Buches, die Lücken zu stopfen, wo ich noch nicht gewesen bin. Ich habe dann drei Jahre lang meine Kurzgeschichten zu jeder Insel und zu jedem Trip, der relevant ist, geschrieben und angefangen, alles selber zu layouten und zu produzieren. Die letzten fünf Jahre habe ich dann an Titel, Aufbau und Co gefeilt. Eigentlich ist es komplett mein Baby und meine eigene Kreation. Da bin ich auch stolz darauf.

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Du hast dich mit Sicherheit auch als Fotograf in den 13 Jahren weiterentwickelt. Musstest du auch noch mal zurückreisen, um besser Aufnahmen zu produzieren?

Ja, das habe ich tatsächlich zuletzt gemacht. Mit einigen Kapiteln bin ich nicht hundertprozentig zufrieden. Aber ich bin jetzt noch mal zurückgereist und wenn es eine Zweitauflage geben wird, werden manche Bilder auf jeden Fall aktualisiert.

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Hast du eine Lieblingsstory, die besonders spannend oder inspirierend ist?

Eine, die heraussticht? Schwer zu sagen. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Es gibt aber zwei Geschichten, die besonders sind:

Eine in Sumba, da habe ich bei Schweinebauern gelebt. Das war ganz hilfreich, weil die Schweine immer eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang zu grunzen angefangen haben. Das war genau die Zeit, wo du dann aus der Hütte raushüpfst, an den Strand läufst und surfen gehst. Ein wenig authentisches Bauernfeeling auf dem indonesischen Land.
Bei der zweiten habe ich eine total beschissene Situation erlebt, wo ich mich bei absoluter Dunkelheit im Dschungel verirrt habe. Ich habe vom Surfen nicht mehr nach Hause gefunden und war mitten im Urwald. Dann wurde es dunkel. Kein Mond, keine Sterne. Es war komplett bewölkt. Ich habe die Hand vor den Augen nicht gesehen, so finster war es. Ich musste blind über Stock und Stein und habe mich mit dem Surfboard durchgetastet. Plötzlich stand ich vor einer Klippe, habe es aber nicht gewusst. Mit meinem Surfboard habe ich den Boden abgetastet, bis ich mit der Nose ins Nichts getippt habe. Dann habe ich das Board mit Leash komplett runtergelassen und da war noch immer nichts. Ich stand also einige Zentimeter vor einer Klippe. Das war sketchy. Aber ich habe es dann auch überlebt. Ich glaube, es waren acht Stunden, die ich durch den Dschungel geirrt bin.


Gab es gefährliche Situationen oder Kriminalität an so abgelegenen Gegenden?

Vielleicht ist es für mich anders, da ich ein Mann bin und ein bisschen größer und kräftiger als die Asiaten. Da haben sie vielleicht ein bisschen Angst vor mir oder würden nicht auf die Idee kommen mich zu überfallen. Aber man muss schon grundsätzlich sagen, das passiert ganz selten in Indonesien. Es ist ein supersicheres Land. Je weiter von den touristischen Hotspots du dich entfernst, desto weniger haben die Leute Ahnung, dass du eigentlich diese laufende Geldtasche bist und behandeln dich auch ein bisschen normaler als auf Bali. Ich habe in dem Sinne nie ein Angstgefühl gehabt.
Nur einmal hab es eine Situation, in der wir in Piratengewässer gekommen sind, wo die Locals oft von Piraten überfallen werden. Wir waren auf einer Insel, die von einem Korallengürtel umgeben war, den man nur durch eine Passage durchqueren kann, um auf die Insel zu kommen. Da warten manchmal die Piraten und rauben die Leute aus. Aber kriminelle Sachen sind nie passiert. Mir wurden einmal Flip-Flops geklaut.

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Planst du nun eine andere Gegend der Welt, für ein zweites Buch zu bereisen?

Ja, ich bin ein großer Fan des Südpazifiks. Es ist ein bisschen schwieriger, dort hinzukommen, ein bisschen weiter und auch teurer. Ich war vor zwei Jahren schon einmal in Tahiti und Moorea, dort hat es mir sehr gut gefallen. Die ganzen Inselstaaten - das ist schon ein Flair, der mich sehr reizt. Ich bin immer auf der Suche nach der nächsten Insel, wo ich vielleicht einen leeren Break finde. Und ja, das könnte vielleicht das nächste Projekt sein, Südpazifik.


Cool, dann freuen wir uns darauf.


17.000 Inseln, von West nach Ost, von Nord nach Süd. Ob im Einbaum durch den Pazifik, im Dschungelcamp in Sumatra oder bei den Schweinebauern im tiefsten Sumba: Archipel der Wellen ist die 272 Seiten starke Sammlung der Geschichten und Bilder, die auf diesen Reisen entstanden sind. Es ist seine persönliche Liebeserklärung an dieses mystische Inselreich, dessen Menschen, Wellen und Natur, ihn so immens geprägt haben.

Format: 30 cm x 30 cm x 1.7 cm / Gewicht: 1.75 kg / Seitenzahl: 272 / Preis: 53,50€

Der Bildband Archipel der Wellen ist hier bei uns im BLUE online Shop erhältlich. 


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Image Credits: Stefan Götzelmann