Surfing Olympia Japan 2020

Überrascht hat es niemanden: Surfen wird bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo als offizieller Wettbewerb vertreten sein.
Diskutiert wurde das ja spätestens seit den Spielen in Sydney im Jahre 2000, auch Rio 2016 bot sich an - doch das IOC ließ sich vom Oberlobbyisten dieser Idee, dem Reef-Gründer und ISA-Präsidenten Fernando Aguerre, lange bitten, bevor sie nun schließlich mit langem Anlauf zusagten. Aguerre feierte diese Entscheidung in einem ersten Interview mit einem Gold-würdigen Satz (falls Heuchelei auch noch olympisch wird):

"We are stoked for the millions of surfers around the world who will be able to chase their own Olympic dreams."

Hmm, meinem eigenen Olympischen Traum folgen? Ok.

Ich habe einen Traum: Ich sehe Musterathleten in Neoprenanzügen, von Willy Bogner gestaltet. Romben und Dreiecke in den Nationalfarben Germaniens. Sie tragen Pepita-Hüte, hinter deren schwarz-rot-goldenem Hutband gefärbte Pfauenfedern klemmen. Stolz schwenken sie ihre Surfboards beim Einmarsch auf den Strand, im Bewusstsein ihr geliebtes Vaterland vor den Augen der Welt zu repräsentieren.  

Oh, die Bretter! Mercedes-Benz und Hanuta, offizielle Sponsoren der deutschen Mannschaft, haben Synergien genutzt, um surferische Defizite des Teams mittels german engineering im Boardbereich aufzufangen: Unsere Botschafter der Liebe gehen mit einer Monocoque-Konstruktion aus Aramid und Knusperkeks an den Start, die für den richtigen "Kick" bei den Rotationen sorgen soll, während die Paddel aus carbonverstärktem Manganstahl gefertigt wurden. 

13 Uhr, Chiba Peninsula. So langsam zeigt der Onshore Wirkung, erste Schaumkronen rollen durch den ansonsten Saisontypisch regungslos daliegenden Pazifik. Es kann losgehen.

Nun heißt es Daumen drücken für unser Team!

Der Olympische Wettkampf, auf den sich IOC, ISA, WSL, Red Bull, die nationalen Wassersport-Verbände, Wladimir Putin und das chinesische Sportministerium geeinigt haben, ist ja im Grunde eine Art moderner Dreikampf, bestehend aus den Disziplinen Sprint, Riesenslalom und Freestyle.

Nun, im Sprint brauchen wir uns dank der in letzter Minute eingebürgerten Chilenen Günther Zerrwitz und Helmut Schneider ja wenig Sorgen machen - doch im Freestyle, einer 1.30 Minuten langen Darbietung zu selbstgewählter Musik, wäre ein Platz auf dem Treppchen schon eine kleine Überraschung. 

Zerrwitz entert mit einer gekonnten Pirouette das Wasser, landet im Schneidersitz auf dem Board und rotiert dabei das Paddel rasendschnell über seiner Haube, die als gelungene Anspielung auf die Berufskleidung lokaler Perlentaucherinnnen mit Sicherheit Pluspunkte in der B-Note verspricht.

Aus der Hocke geht es flugs in den Stand, von wo aus der wohlerzogene junge Mann Kusshände in Richtung Publikum wirft - die gute alte Colonia-Dignidad-Schule verliert nie an Charme. Jetzt ein, zwei tänzerische Einlagen, bevor mit dem doppelten Rittberger der erste Höhepunkt naht. Thomas Bach, der es sich nicht nehmen lassen will, die Jungen Wilden der neuen Funsportarten persönlich zu begutachten, bekommt feuchte Augen ob der Anmut. "Alles richtig gemacht, Didi..." raunt er Mateschitz zu. Der Actionsports-Entrepreneur tauscht gerade per WhatsApp Ferrero-Sammelbilder der Kanu-Damen mit Paul Speaker, als plötzlich...

Ich schrecke hoch. Schweißgebadet. Chased by my own Olympic Dream. 

TPW-mentawai-article

Fuck the Olympics!

-----------------------

Foto Credits:

IOC

I