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Eisbach Local seit Anbeginn, einer der ersten Deutschen Pro Surfer in den 90s und inzwischen Hans Dampf in allen Gassen, Inhaber der Surfcompany Mighty Otter, Rapid Surf League Mitbegründer, Manager unter anderem von Leon Glatzer.

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Ein Gastbeitrag von Joscha Jancke 



Eisbach oder Citywave?

Eisbach, keine Frage. Ich bin ein Fan von Imperfektion, ich liebe es, wenn ich durch das Wellenface Fische sehen kann, ich liebe es allein im Dunkeln vor mich hin-und herzucruisen… Und noch viel mehr. Der Eisbach ist immer anders, auch das liebe ich. Ich liebe es, dass es die Kicker gibt, über die die Kids mittlerweile unfassbare Manöver machen. Wer hätte das 1990 gedacht, als ich mit 16 ausversehen den ersten gedrehten 360 gemacht habe, weil meine Finnenkästen so kaputt waren, dass die Finnen nicht mehr richtig gegriffen haben, ha ha ha… Vor meinem ersten Acid Drop von der Seite stand ich sicher den halben Tag da und hab mich gefragt, wie das jetzt funktionieren soll. Nur weil einer meiner Freunde, ein Skater, daneben stand und mich als Pussy beschimpft hat, hab ich es dann gewagt… Aber, es gibt halt nicht überall einen Eisbach und ob es jetzt City Wave, Unit oder die neue Welle am Ebensee ist, alle Wellen haben ihren Reiz und ihre Berechtigung.

Quirin Dieterverstl
Foto: Dieter Verstl 

Quirin Michilehmann
Porträt von Michi Lehmann


Welcher Flusswelle würdest du gerne nochmal Surfen?

Wir hatten vor der Renaturierung der Isar in München bei Hochwasser richtig viele Wellen. Eine war an der Reichenbachbrücke, mitten in der Stadt.
Da stand ab und zu eine unfassbar gute Welle. Steil, ewig breit.

Bist du schon mal in einem Wavegarden oder in Waco/ American Wave Maschines gesurft/ und wie hat es dir gefallen, ist die Welle vom Gefühl anders als eine Welle im Meer?

Ich bin Wavegarden Cove und deren altes System gesurft. Waco und Kellys Welle noch nicht. Das alte Wavegarden System, also das System mit Pflug, ist nicht so meins und schon recht anders. Auf Kellys Welle kann man ja auch nicht wirklich einen vollen Roundhouse mit Rebound machen, denn dann verliert man die Welle. Trotzdem würde ich natürlich nicht Nein sagen, wenn Kelly mich zu sich einlädt ;-) Cove kommt dem Meer da schon näher, Waco sicher auch, genauso wie Tom Lochtefelds System Surf Loch. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, wenn künstlich, surfe ich lieber auf einer breiten stehenden Welle wie in Mailand als eine Wavegarden Cove Welle.

Glaubst du, das es möglich ist eine Indoor Rapid Wave zum Barreln zu bringen zb wie die Flusswelle in Zambezi?

Da müssen wir uns mit Johannes Degenhard von Unit unterhalten. Ich glaube schon. Johannes ist die ganze Zeit am Entwickeln und Planen. Ich glaube, jetzt ist es aber erst mal wichtig, dass wir die bestehenden Systeme Energie effizienter bekommen, damit man mit den Preisen ein bisschen runter gehen kann. Es soll ja kein Sport für Wohlhabende werden.


Wenn man nur im Meer gesurft ist, ist der Anfang in einer Rapid Wave sehr ungewohnt. Glaubst du, dass jemand der in einer künstlichen Rapid Wave das Surfen gelernt hat und ein bisschen Paddelpower mitbringt automatisch auch gut auf einer Meerwelle performen kann und warum?

Ich habe mit 13 am Eisbach angefangen und bin erst mit 15 zum ersten Mal ans Meer gekommen. Ich fand die Transition damals recht einfach. Was ich natürlich nicht konnte, war Wellen lesen, aber ich hab vorher sogar den Take-off und das Duckdiven am Eisbach geübt ;-)
Ich glaube auf jeden Fall, dass es hilft, wenn man schon gut auf einer stehenden Welle surfen kann und darüber ein gutes Brettgefühl hat. Automatisch natürlich nicht, aber ich denke schon, dass es hilft.

Quirin Christianstadler
Foto: Christian Stadler


Oder andersherum gefragt, glaubst du das das Surfen auf einer stehenden Welle auch einen schon lange im Meer Surfenden verbessern kann und was?

Auch das glaube ich. Vielleicht nicht bei Surfern vom Kaliber eines Mick Fannings, aber bei guten Freizeitsurfern schon. Oder nennen wir sie professionelle Amateure ;-) Armhaltung, Fitness in den Beinen, an manchen Wellen muss oder kann man zurück paddeln…


Braucht man auf einer Rapid Wave anderes Material und welches Material würdest du empfehlen und warum?

Das kann man nicht verallgemeinern. Ich surfe am Eisbach auch Bretter, die ich genauso im Meer surfe. Im Grunde surft man auf stehende Wellen kürzere Bretter als am Meer. Wenn ich am Meer einigermaßen gut surfen kann und ein Shortboard verwende, ist das bei meiner Größe von 187 cm rund 6’2. Am Eisbach surfe ich ein Shortboard dann in 5’8. Aber es kommt natürlich auch auf die Art von Brett an. Ich finde, dass auf Rapids immer noch viel zu wenig experimentiert wird.
Ein normaler Shortboard-Shape mit dünnen Rails ist einfach nicht für alle geeignet. Also, Augen auf, seid mutig, seid experimentierfreudig. Vielleicht habt ihr mit einem Twinfin viel mehr Spaß als mit einem normalen Shortboard. Je nach Welle ist es natürlich nicht schlecht, die Finboxen zu verstärken, denn an den künstlichen Wellen landet man schon mal schnell an den Seiten. Die Bretter bekommen auf den meisten stehenden Wellen schon viel ab. Nicht umsonst gibt es in München mittlerweile mindestens vier Reparaturwerkstätten. An jedem Ort, an dem es Wellen gibt, kann jeder der ein Board hat (und sei es auf einer gebrauchte Plastikplanke) surfen.

Das Surfen auf einer künstlichen Rapid Wave kostet auf Dauer relativ viel Geld, dadurch wird der Sport zu einer elitären Veranstaltung, oder?

Ich sage schon sehr lange, dass es zu jeder kommerziellen Welle eigentlich eine halb-natürliche geben müsste. Das ist natürlich eine Traumvorstellung und es gibt einfach Regionen, an denen nur kommerzielle Wellen funktionieren. Es ist also an den Firmen ihre Systeme immer weiter zu entwickeln und Energie effizienter zu machen. Das müsste oberste Priorität sein. Die Jungs von Unit versuchen mit jeder neuen Welle weniger Strom zu verbrauchen und machen sich viel Gedanken, was das Thema Nachhaltigkeit angeht. Dass diese Wellensysteme Strom brauchen, ist leider nicht zu ändern. Aber wichtig ist, die Systeme weiter zu entwickeln. Und so viele Wellen wie The Riverwave zu realisieren.
Wellen wie The Black Forest Wave, wie die Leinewelle, die Dauerwelle. Wir brauchen, um den Sport so gut wie allen zu ermöglichen, Wellen die betrieben werden wie The Riverwave. Da zahlt man 25€ am Tag, das ist ein super fairer Preis. Dann können sich Szenen bilden, dann können auch Kids zum Rapid Surfen kommen, die keinen Eisbach oder wohlhabenden Eltern haben. Und das ist super wichtig. Die Wellen, die wir in München haben, sind natürlich ideal. Denn auch hier kann man sich, wie auch ich früher, eine Styrodur-Platte auf der Baustelle klauen und ins Wasser hüpfen.
Letztendlich haben aber alle Wellen wie ich finde ihre Berechtigung und die Mischung muss es, da wo es möglich ist, machen. Und wie gesagt, wenn der Energieverbrauch der Wellen nach unten geht, könnten die Betreiber auch ihre Preise ein bisschen senken.

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Es gibt die Rapid Surf League von euch und dann die City Wave World Tour, seid ihr Konkurrenten oder arbeitet ihr zusammen?

Weder noch. Wir organisieren eine professionelle Liga auf stehenden Wellen, die über alle Wellensysteme geht und in Zukunft auch gehen wird. Und wir werden weiterhin natürlich auch die halb-natürlichen Wellen so gut wie möglich integrieren. Wenn man davon spricht, den Sport Rapid Surfing weiter nach vorne zu bringen, dann muss man eine Struktur aufbauen, die mit Wettbewerben auf nur einem System, das sich die meisten Leute gar nicht leisten können, nicht funktioniert. Es geht nur mit Integration und Zusammenarbeit. Wir brauchen kleine lokale Contests an Wellen wie der Floßlände, an den neuen Locations, die gerade entstehen: der Leinewelle in Hannover, der Black Forest Wave in Pforzheim, Wolfratshausen, der Dauerwelle in Nürnberg, Cunovo in Bratislava etc. Wellen, die einen einfach Zugang haben. Diese Contests müssen als eine Art Qualifikationsserie fungieren, über die man sich für die RSL qualifizieren kann oder zumindest Seeding-Punkte sammeln kann.

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Rapid Surf League Gewinnerin Laura Haustein (2019). Foto: Simon Fitz

 

Momentan geht das nur über die nationalen Meisterschaften, welche die nationalen Verbände ausrichten. Eine Tour, die von einem Wellenhersteller über sein eigenes Wellensystem geht, ist sicherlich toll, für uns aber eine Marketing-Veranstaltung. Was natürlich völlig legitim ist. Wenn man sich aber vorstellt, dass Unit und die französische Firma Hydrostadium das ebenfalls so macht, dann haben wir in unserer jungen Sportart dasselbe Problem wie so viele andere Action Sport Sportarten: eine Tour hier, eine Tour da, einen Weltmeister hier, einen Weltmeister da. Nichts Halbes, nichts Ganzes. Ist in unseren Augen extrem kontraproduktiv. Damit will ich nicht sagen, dass die RSL das A und O ist, aber es ist in meinen Augen wichtig, dass sich die wichtigen Player zusammen setzen. Aber leider ist das Leben halt kein Ponyhof. Das Gute ist, es klappt ja mit fast allen, ob Wellensystem oder Betreiber. Und wenn man etwas Neues auf die Beine stellt, kann man auch nicht erwarten, dass es alle gut finden.

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Rapid Surf League Gewinner Nicolas Marusa (2019). Foto: Simon Fitz
 

Gibt es Bestrebungen die Rapid Surf League Internationaler ( Weltweit?) zu machen?

Nachhaltigkeit ist auch im Aufbau der Rapid Surf League wichtig. Es macht für uns momentan keinen Sinn einen Contest in, sagen wir mal, Israel zu veranstalten, wenn ich weiß, dass viele unserer Surfer studieren und das Geld gar nicht haben, sich mal eben einen Flug nach Israel rauszulassen. Solange unsere Surfer von der Surf-Industrie nicht finanziell unterstützt werden, bleiben wir erst mal in der Gegend. Klar, Mailand ist auch nicht um die Ecke, aber da kann man wenigstens ein Auto voll machen und runterfahren und es sich im Autogrill gutgehen lassen ;-). Und wie gesagt, erst mal die Foundation über die kleineren halb-natürlichen Wellen weiter voran bringen, wenn diese dann mal stehen.

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Quirin bei der Eröffnung des UNIT Surf Pools in Mailand. Foto: Mario Biffi

Gibt es auf der Welt noch weitere Contests in Flusswellen?

Die Jungs in Bend, Oregon veranstalten immer mal wieder was, die Schweiz, Österreich, und Deutschland haben natürlich ihre nationalen Wettkämpfe über Swiss Surfing, Austrian Surfing und den Deutschen Wellenreitverband. Aber da wird sich viel tun. In Lyon wird von Hydrostadium, einem weiteren Hersteller, eine 10-Meter-Welle indoor gebaut, in Annecy baut die Firma mit dem Verein Surfeurs d’Eau Douce eine halb-natürliche Flusswelle, in Lippstadt sollen sie eine Welle in eine Kanustrecke bauen.


Während sich jeder gut vorstellen kann in Kelly Slaters Wavepool zu surfen, gibt es sehr geteilte Meinungen zu den WSL Contests dort. Zu vorhersehbar, zu langweilig zum zuschauen. Glaubst du, das ähnliches bei den Künstlichen Rapid Waves passieren könnte?

Mein Geschäftspartner bei WaterWorks, Christian Bach, und ich, sind der Meinung, dass Wettkämpfe auf künstlichen Wellen mit dem Format stehen oder fallen. Ich glaube, da kann man auch in Zukunft extrem kreativ werden. Aber kreativ muss man sein. Ein ISA-Format mit Heats à vier Surfern, die immer wieder denselben Run abspulen, ist für uns kontraproduktiv. Und deswegen haben wir uns unser Cut: 2 Call-Format einfallen lassen. Hier haben wir nach jedem Lauf ein kleines Finale in dem die Surfer in einer Art Game of Skate gegeneinander surfen müssen. Aber ich stimme dir zu, die Surf-Ranch-Events sind recht langweilig. Wir stehen der WSL gerne beratend zu Seite was Formate angeht.

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Rapid Surf League. Fotos: Simon Fitz 

Wann kommt die Rapid Surfing Weltmeisterschaft?

Wie schon gesagt, eins nach dem anderen. Wenn die Strukturen dann in ein paar Jahren mal auf soliden Beinen stehen, mit genügend halb-natürlichen Wellen, neuen Rapid Surfing Szenen, kann man da natürlich drüber nachdenken. Jetzt planen wir erst mal die 2. Offizielle Deutsche Meisterschaft im Rapid Surfing im Wellenwerk in Berlin. Die versuchen wir Mitte September auf die Beine zu stellen.

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Credits 

Text: Joscha Jancke

Fotos: Simon Fitz, Dieter Verstl, Christian Stadler, Michi Lehmann, Mario Biffi, Wavegarden / Pacotwo