Kaum ein Video wurde in den letzten Monaten so heiß diskutiert, wie der Teaser der Firma Wavegarden. Die Welle machte Surfer rund um den Globus wahnsinnig. Gestern wurde dann das Geheimnis gelüftet: Wavegarden veröffentlichte Bilder und Infos, die klar machen, dass sie im Besitz einer weltweit führenden Technologie sind. So perfekt geformte Wellen, die dazu noch in der Natur gesurft werden können, ohne Lärmbelästigung und theoretisch in jeder vorstellbaren Länge - das könnte die Surfwelt in den nächsten zehn Jahren verändern. Schließlich war es bisher vor allem das Künstliche, der Chlorgeruch und die sterile Umgebung der Wavepools, die diese ziemlich unattraktiv wirken ließen. 

 

Stellt man sich jedoch vor, solche Schönheiten auf einer saftigen Wiese unter freiem Himmel zu filettieren, dann machen derartige Anlagen auf einmal Sinn. Oder beschwert sich etwa jemand an der schönen Isar, dass das Wasser nicht salzig ist? Eben. Natürlich ist der echte Surf im Meer eine andere Veranstaltung, doch für Surfschulen, zum Techniktraining oder auch als Substitut für meeresferne Großstädter hat die Anlage durchaus ihren Charme.

 

Ingenieur José Manuel Odriozola, der Besitzer von Wavegarden, hat zehn Jahre geforscht und war am Tag der Präsentation dementsprechend high und im Glückstaumel, als wir ihn zum Interview baten, riss sich aber vorbildlich zusammen, um den Alemanes Rede und Antwort zu stehen. 

 

BLUE: José, Glückwunsch zu deinem Baby, der wohl besten künstlichen Welle der Welt!

 

José Manuel Odriozola: Danke! Wir sind hier in San Sebastian mitten in der Party nach unserem großen Tag.

 

BLUE: Erzähl doch mal, was auf dem Weg zur Serienreife alles passiert ist.

 

JMO: Ich hatte die Idee dieser Welle bereits seit zehn Jahren im Kopf. Richtig im Team dran gearbeitet haben wir jetzt sechs Jahre, eine Menge Geld und Schweiß ist in das Projekt geflossen. Wir sind alle selber Surfer und wussten demnach, dass es um vieles geht: Erstens natürlich um den Shape, dann aber auch darum, die Welle so zu bauen, dass sie im Einklang mit der Natur funktioniert. Also, geräuscharm und stromsparend.

 

BLUE: Ja, es sieht im Video ziemlich friedlich aus. Wie funktioniert das Ding genau?

 

JMO: Für die Anlage braucht man lediglich eine mindestens 150 Meter lange, 50 Meter breite und einen Meter tiefe Fläche. Dies kann sowohl ein natürlicher See sein, als auch eine selbst gegrabene Mulde auf der Kuhwiese nebenan. In das Gewässer wird ein Wellengenerator gesetzt, der auf Schienen fährt und so die Wassermassen in Bewegung bringt. Toll ist auch, dass der Wavegarden nur einen Bruchteil des Stroms bereits existierender Wavepools braucht, völlig geräuschlos ist und Rides von mehreren hundert Metern erlaubt.

 

BLUE: Der Shape sieht wirklich gut aus, allerdings etwas klein.

 

JMO: Was Du auf den Bildern siehst, ist der Prototyp. Noch in diesem Sommer werden wir eine Anlage bauen, deren Wellen 1,60 Meter, also schulterhoch, laufen. Mit richtigen Tubesections.

 

BLUE: Das ist krass. Also so wie der Wavepool auf Teneriffa.

 

JMO: Ja, nur dass die Welle zehn Meter läuft. Unsere ist quasi unbegrenzt.

 

BLUE: Mich erinnert sie an die Boat wake Videos von Webber.

 

JMO: Klar, das Prinzip ist das gleiche. Aber unsere hat mehr Druck und keinen Bootslärm.

 

BLUE: Was kostet der Spaß, wenn ich nur die Anlage will, also ohne Ressort etc.?

 

JMO: Nur die Welle? In einer vernünftigen Länge ein bis zwei Millionen Euro.

 

BLUE: Uh, also nix für den Garten. Auf wen zielt ihr ab?

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JMO: Wir wollen besonders die ländlichen Gemeinden für uns gewinnen. Ein Sportpark kostet deutlich mehr, also warum nicht mal einen Wavegarden bauen, in dem die Kinder der Gegend einen fantastischen Sport in schöner Natur ausüben können.

 

BLUE: Dann kommt der Weltmeister in zehn Jahren vielleicht aus Mecklenburg-Vorpommern!

 

JMO: Was?

 

BLUE: Egal. Josè, vielen Dank das Du Dir heute Zeit genommen hast!

 

 

Nach dem Interview mit José wollten wir von Indar Unanue, einem der Pros, die den Pool getestet haben, wissen, wie gut die Welle ist. Anruf in Euskadi:

 

BLUE: Hi Indar, kannst Du uns kurz erzählen, wie Du die Welle findest?

 

INDAR: Super gut! Sie ist bauchhoch, hohl, hat nicht besonders viel Schulter, aber erlaubt dir im Moment vier gute Turns. Sie kann natürlich noch viel länger gebaut werden.

 

BLUE: Wie unterscheidet sich die Welle vom Surfen im Meer?

 

INDAR: Mmmh, sie surft sich nicht ganz so perfekt, wie sie aussieht. Eine Ozean-Welle mit diesem Shape hätte mehr Schulter. Hier konzentriert sich die ganze Energie in der Pocket. Kann sein, dass sich das ändert, wenn sie größer wird.

 

BLUE: Gibt's denn von Seiten der Locals irgendwelche Bedenken gegenüber Wavegarden und ihrer Schöpfung?


INDAR: Nein. Die Jungs machen einen super Job. Sie sind Surfer, also auch Teil unserer Szene und wissen, was genau, was geht und was nicht.

GREAT PROJECT BY GREAT SURFERS!

 

Nun denn, wir sind gespannt, wie die Sache sich entwickelt. So lange wir das Ding nicht selbst rippen konnten, bleibt alles Fantasie. Allerdings eine sehr schöne - und das habe ich über eine künstliche Welle noch nie gedacht.

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Indar Unanue bei der Arbeit. Der baskische Pro durfte die Anlage als einer der ersten testen. Sein Feedback: "Super fun, such a rad wave!"