Ein Norddeutscher in Portugal: Der Künstler Max Frisinger lebt und arbeitet seit letztem Jahr in Sintra – und baut dort mit einer Gruppenausstellung eine Brücke zwischen Künstlern aus Lissabon und seiner alten Heimat Berlin.


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Stromkabel und Drähte, Wasserschläuche und Leitern, Teppichrollen und Möbelreste: Max Frisinger kreiert aus gefundenen Gegenständen Kunst. Und so vertrackt wie seine Werke, die teilweise einem monumentalen Spinnennetz gleichen, war auch sein Lebensweg, bis er sich als Künstler etabliert hatte. 1980 in Bremen geboren, schlägt der talentierte Leichtathlet zunächst die Karriere des Leistungssportlers ein, samt streng getaktetem Leben im Internat: Schule, Training, Wettkampf, Schule, Training, Wettkampf... Irgendwann reicht es ihm, und er sucht seine Freiheit in der Kunst. Ein Mitbewohner bringt ihm das Zeichnen bei – und mit demselben Ehrgeiz, der ihn zuvor als Sportler ausgezeichnet hat, arbeitet er sich in seine neue Passion ein.

„Ich war im Zeichnen nicht so wahnsinnig begabt, habe es mir aber durch viel Arbeit angeeignet“

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Wer den Sport im Blut hat, lernt auch: Aufgeben gilt nicht. Gleich drei Kunsthochschulen lehnen seine Bewerbungsmappe ab – obwohl es in der Hansestadt doch eigentlich heißt: „Dreimal ist Bremer Recht“! Aber Frisinger bleibt auch ein viertes Mal dran – und ist endlich erfolgreich. Er wird zum Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg aufgenommen. Vier prägende Jahre bei Pia Stadtbäumer, Andrea Tippel und Norbert Schwontowski folgen.

Als leidenschaftlicher Sammler und Sperrmüll-Durchwühler findet er schnell seinen eigenen Style: Ortsbezogene Installationen, die nach dem Collage-Prinzip auf Architektur, Material und Umgebung eingehen.

Nachts fährt er mit dem Fahrrad durch die Stadt und liest auf, was er auf den Straßen findet.

Vom privaten Unrat bis zur Ausschussware von Firmen. Aus diesen „Überbleibseln der Zivilisation“ schafft er raumgreifende Installationen oder dreidimensionale Gemälde in Vitrinen, transformiert den Abfall zu Kunstwerken: „Material-Bricolagen“, in denen der ursprüngliche Charakter des Fundstücks immer erkennbar bleibt.

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2011 gewinnt Frisinger den „Kunstpreis Start“ des Kunstmuseums Bonn. Internationale Ausstellungen, u. a. in der berühmten Saatchi Gallery London, folgen. Er zieht von Hamburg nach Berlin, wo er sich mit verschiedensten Kunstprojekten beschäftigt:

„Ich hätte bis heute auch 70 Vitrinen machen können“, berichtet er. „Aber ich wollte nicht der Vitrinen-Typ bleiben.“

Nach dem Erfolg der ersten Werke will er nicht in einer einzigen Idee gefangen bleiben, er „öffnet das System“, schlägt neue Wege ein und genießt die Freiheit, die sich dadurch bietet: Heizkörper werden zu Skulpturen, Schuttrutschen von Baustellen zu amorphen Gebilden. Für seine Serie „History Does Not Repeat Itself But It Rhymes“ (H.D.N.R.I.B.I.R.), benannt nach einem Zitat des Schriftstellers Mark Twain, bedient er sich bei den Klassikern der Kunstgeschichte: Er kombiniert Postkarten und Kühlschrankmagneten aus Museumsshops zu neuen, eigenen Werken.

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Bereits in Berlin beginnt er, mit anderen Künstlern zu kooperieren und Projekte zu kuratieren – und dann schließt sich ein Kreis: 2020 zieht der begeisterte Surfer nach Colares in Portugal, wo er in Zusammenarbeit mit dem Hotelbetreiber Christian Kraus im „OUTPOST – Casa das Arribas“ seine erste Ausstellung organisiert.

Für „CROWN SHY“ lädt er Künstler aus Lissabon und Berlin ein und möchte so eine Collage zwischen den Kunstszenen beider Städte schaffen.

Die von Friesinger kuratierte Gruppenausstellung hat er ortsspezifisch für das Boutiquehotel „OUTPOST – Casa das Arribas“ bei Sintra konzipiert. Im Hotel und dem 9000 Quadratmeter großen Garten sind Werke von Künstlern aus Berlin und Lissabon zu sehen. Die Ausstellung wird am 5. November 2021 eröffnet.

Max Friesinger Crownshy Outpost Art Portugal

Ein neues Kapitel im Leben von Max Frisinger hat begonnen – man darf gespannt sein, wo es ihn hinführt!

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Video by Kevin Fuchs, www.visualvitamin.de