Wie ist die aktuelle Situation auf den Malediven? Sind die Spots noch für alle Surfer zugänglich oder herrscht Exklusivität? Egal, was man von der Privatisierung der Wellen haltet mag, die Situation ist nach wie vor in der Schwebe und offen für Interpretationen.

Malediven Experte Tomaz Fichtel wirft einen Blick auf den aktuellen Staus Quo.

Private Wellen Malediven

Tony Hinde (RIP) setzte die Weichen für die derzeitige Situation. Als sein Schiff 1973 auf Grund lief entdeckte er, wie perfekt die Wellen auf den Malediven laufen und leistete Pionierarbeit, indem er die meisten der weltbesten Breaks entdeckte und im Laufe der Zeit das erste Resort mit einer privaten Welle auf den Malediven vermarktete: das Pasta Point Resort.

Egal ob du der Meinung bist, dass private Wellen das Beste sind, was seit dem Drei-Finnen-Setup erfunden wurde oder nerviger sind als ein Kanufahrer im Shorebreak – das Thema ist zweifellos sehr komplex.

Angesichts der ständig wachsenden Anzahl von Surfern auf der Welt, sind viele der weltbesten Wellen schrecklich überfüllt und die Freude am Surfen leidet dementsprechend darunter - Lineup–Fights und der ewige Kampf um die nächste Welle sind nicht wirklich das Holz aus dem Surferträume geschnitzt sind. Jede Ressource hat eine Grenze, das heißt sie kann nur eine maximale Belastung ohne Qualitätsverlust ertragen, und viele der weltweiten, vor allem tropischen Wellen haben diesen Punkt der ‚maximalen Belastung’ bereits erreicht. Wird diese Grenze überschritten, sinkt der Nutzen für alle. Es klingt zwar unappetitlich, aber wenn man einen Grenzwert für die Anzahl von Surfern im Wasser festlegen würde, dann könnte man die Surfqualität bewahren und sicherstellen, dass jeder einzelne an guten Tagen eine anständige Welle bekommt.

Auf der anderen Seite geht es beim Surfen um Freiheit. Klar, der Kapitalismus entstand vor langer Zeit und die Geschäftswelt klopfte an, aber sind wir wirklich an dem Punkt angelangt, wo Wellen an den Meistbietenden verkauft werden? Nennt mich naiv, aber ich hoffe, dass zumindest noch etwas vom ursprünglichen Hippie-Spirit beim Surfen übrig geblieben ist.

Unabhängig davon folgten das Hudhuranfushi Resort (und später auch das Kandooma Resort im Süd-Male Atoll) Tony Hindes Spuren, und machten Exklusivrechte auf die Wellen vor ihrem Hausriff geltend. Damit blieben nur fünf der sieben Weltklasse Breaks im Nord-Male Atoll für alle Surfer offen – für Touristen und Einheimische zugleich. Die Situation war zunächst überschaubar, aber durch die zunehmende Anzahl von Surfern, angelockt durch perfekte tropische Barrels ohne Crowds, führte diese Regelung genau dazu, wovor eigentlich jeder zu fliehen versuchte: zunehmend überfüllte Lineups an den verbleibenden öffentlichen Spots.

Die Spannungen erreichten ihren Höhepunkt im Jahr 2012 mit der Nachricht, dass eine in Singapur ansässige Investmentgesellschaft ein neues Privat-Resort auf der Insel Thanburudhoo plant und Exklusivrechte an den Spots Sultans und Honkys für sich proklamierte. Dies empörte die lokale und internationale Surf-Community: Sultans und Honkys sind zwei der letzten fünf Weltklasse-Wellen in Nord-Male mit öffentlichem Zugang. Würden auch diese Wellen nun privatisiert werden, wäre der Surf an allen anderen Breaks in der Gegend mehr als stark beeinträchtigt.

Die große Frage ist, wie der Surftourismus auf den Malediven gehandhabt werden sollte?
Völlig offener Zugang zu allen Wellen und unregulierter Tourismus ist auf lange Sicht kaum nachhaltig und führt leider oft zu einer Abwärtsspirale, wo Betreiber die Preise senken, was wiederum zu mehr Gästen am Break und zu einer schlechteren Qualität des Surferlebnisses für alle führt. Dies zeigt sich auf der ganzen Welt, von Bali bis Frankreich. Niemand will um die halbe Welt fliegen, um in einem Zoo zu surfen, und dieser Aspekt wirkt sich nachteilig auf den Tourismus aus. Kelly Slater hat mal getwittert: „Wenn mich jemand fragen würde, ob wir die Mentawais ruiniert haben, und ich sehe, dass 16 Boote an einem einzigen Spot ankerten, dann muss man die Frage mit ja beantworten."

Niemand hat langfristig Interesse an permanent massiv überfüllten Spots.

Und doch sind wir wirklich zu einem Punkt gelangt, an dem eingeschränktes Surfen, zumindest für die wenig Glücklichen, die es sich leisten können, Sinn macht; wäre das logisch? Aber wie steht es um die Surfboot-Flotte? Sicherlich könnten die Touristen durch die Mobilität der Surfboote auf den Malediven so verteilt werden, wie es das Resort-Modell niemals könnte? Wenn alle Surfer Zugang zu allen Breaks hätten, wäre es sicher das Ziel der Kapitäne ihre Gäste gleichmäßig auf die Wellen zu verteilen. Sieht so die Zukunft aus? 

Leider ist es nicht ganz so einfach: das Resort-Modell hat einfach mehr Vorteile für die maledivische Wirtschaft und erzeugt ca. 180% mehr Steuern pro Tourist als die Boot-Flotte, und 300-500% mehr Arbeitsplätze für Einheimische. Somit ist es verständlich, warum die Resorts so einflussreich sind und so viel zu sagen haben.

Es scheint jedoch, dass der Status Quo bald vorüber sein wird. Unter dem Druck der Surfgemeinschaft ‚Save Thanburudhoo,' hat die maledivische Regierung größere Änderungen an den Grenzbestimmungen der Resorts angekündigt, denn offenbar endet das Recht eines Resorts exklusiv Surfspots und Tauchplätze für sich zu beanspruchen. Ein Ende der Prohibition? Vielleicht ... Noch gibt es keine weiteren Informationen darüber, wann die neuen Regelungen auch tatsächlich in Kraft treten, und welche Wellen davon betroffen sind. Ein öffentlicher Zugang ist abhängig von der Vereinbarung eines Surfnutzungsplanes, der immer noch im Tourismusministerium mit der ´Liveaboard Association (LAM) und der ´Surfing Association (MSA), erörtert wird.

In der Zwischenzeit ist die Situation offen für Interpretationen, obwohl die Resorts an ihren Rechten festhalten.
Ein Charterboot-Betreiber, der anonym bleiben wollte, berichtete von Problemen, beim Versuch an den Resort-Breaks zu surfen: „Ich habe zu viele Schwierigkeiten bekommen, als wir versucht haben an den Resort-Spots zu surfen. Alle Boote sollten ihre Gäste an den Resort Spots abladen um Druck aufzubauen, nicht nur ich.“, während in einer Pressemitteilung vom 10. Juni 2014  das Kandooma Resort auf folgenden Inhalt bestand: „Bis die Namen der privaten Resort-Breaks offiziell bekannt gegeben und die neuen Nutzungspläne für die Wellen festgelegt werden, haben die Resorts das Recht, die Riffe, die um ihre Inseln liegen, als ihr Eigentum zu nennen" Es gibt viele Spekulationen, und bis das Ministerium für Tourismus die Situation klärt, werden die Spekulationen für unabsehbare Zeit in der Luft bleiben.

Die Situation ist kompliziert und mit einigen Schwierigkeiten verbunden.
Ein öffentlicher Zugang ohne effektiven Nutzungsplan wäre verhängnisvoll: Schauen wir uns nur das Chaos in Tavarua und Cloudbreak an. Laut einem führenden Surf Wissenschaftler: „Der Spot ist überfüllt mit Surfern. Bis zu 80 Leuten waren zur selben Zeit im Wasser während das sichere Limit bei 16 Surfern gewesen wäre. Das Surferlebnis wird so erheblich beeinträchtigt.“
Cloudbreak war einst eine der legendärsten und faszinierendsten Wellen der Welt, doch nun ist sie für eine größere Anzahl von Surfern erreichbar und hat dadurch einiges von ihrem Zauber verloren.
Die maledivische Regierung muss nun einen Weg finden um öffentlichen und fairen Zugang zu den Breaks, bei gleichzeitiger Wahrung der Qualität des Surferlebnisses für die kommenden Jahre sicher zu stellen; sicherlich keine einfache Sache.

Wer in der aktuellen Situation das beste aus seinem Malediven Trip herausholen will hat eigentlich nur zwei Optionen: Die Buchung einer Unterkunft in einem privaten Resort oder ein Bootstrip weit weg von Nord-Male. Denn je weiter du dich von Nord-Male entfernst desto kleiner sind die Crowds im Wasser und desto näher gelangst du zu den ursprünglichen Malediven. Für beide Optionen haben die Jungs von ‚LUEX Surf Travel’ Tipps und Trips im Programm.

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