Rebel Single Slider

Nachhaltige Finnen made in Hamburg - Seit 10 Jahren ist Rainer Uhl für die Surfrider Foundation Germany tätig, wodurch er zunehmend mit der Verschmutzung unserer Meere vertraut wurde. Das Problem fängt bei Massenproduktionen an und hört bei uns Surfern auf. Um eine ökologische Alternative zu „Made in China“ Mainstream Produkten zu bieten, entwickelte der Hamburger Finnen mit lokaler und nachhaltiger Produktion, aus recycelten und nachwachsenden Materialien – Rebel Fins.

Im Interview erzählt Rainer uns mehr über die Technik und Entwicklung seiner Finnen. Heads Up!


Aus welchen Kunststoffen werden die Rebel Fins produziert?

Angefangen hat es mit einer Single-Fin, die wir gemeinsam mit der Uni Kiel entwickelt haben und aus komplett recyceltem Kunststoff hergestellt wird. Dieser besteht aus überwiegend Carbon mit einer Mischung aus sogenanntem Polyamid. Um bestimmte Kunststoffe, wie Carbon, zu verarbeiten, braucht man zusätzlich ein Trägermaterial. Das Carbon selbst wurde aus alten Automobilteilen wie Stoßstangen oder Motorraumabdeckungen recycelt. In der Praxis arbeiten wir mit Firmen zusammen, die diese recycelten Stoffe in Kunststoffgranulat umwandelt, aus denen wir letztendlich unsere Finnen produzieren.
Da eine Single Fin relativ groß ist und weniger flex haben sollte, hat sich ein fester und harter Kunststoff wie Carbon am besten angeboten. Die Carbon Fasern tragen außerdem dazu bei, dass das Endprodukt leichter und der Co2 Ausstoß im Vergleich zu neuem Material weitaus geringer ist.

Rebel Granulat Produktion
Foto: Tecnaro


Wenn man an Rennräder und Co denkt, ist Carbon relativ empfindlich. Sind die Finnen trotzdem robust und bruchfest?

Bis jetzt habe ich persönlich noch keine Finne kaputt bekommen und habe auch von noch keinem Vorfall gehört. In der Produktion kann man den Flex außerdem leicht anpassen. Wenn die Finne zu spröde oder hart sein sollte, kann man anstatt 40 oder 50 Prozent Carbon Faser auch einen geringeren Anteil nutzen und hat somit wieder mehr Flex in der Finne. Das haben wir viel getestet und können so auch für andere Finnentypen die Flexibilität durch das Mischverhältnis verändern.

Und woher hast du das Know-how über die Fin-Technik?

Für den Shape an sich, kann man sich an bereits existierenden Finnen orientieren, wofür es mittlerweile genaue Daten gibt, die man sich als Freeware im Internet herunterladen kann. Außerdem arbeite ich mittlerweile mit unterschiedlichen Shapern zusammen, die für mich neue Finnen entwicklen oder bestehende noch optimieren.
Um alternative Materialien zu finden, welche technisch ähnlich gut funktionieren, arbeiten wir auch mit Forschungslaboren zusammen und haben natürlich durch unser daily Business stets den Markt an neuen Materialentwicklungen genau im Auge. So gesehen alles kein Hexenwerk.

Rebel Produktion
Foto: Rainer Uhl


Wie unterscheiden sich die kleineren Perfomance-Finnen?

Beim sogenannten Thruster verwenden wir mittlerweile unterschiedlichste Kunststoffe. Auch hier wollen wir keine Standard-Materialien verwenden, sondern welche, die sich von den marktüblichen unterscheiden, besonders nachhaltig sind und in der Performance keine Kompromisse eingehen. Momentan produzieren wir z.B. aus recycelten Fischernetzen, die an den europäischen Küsten gesammelt und wiederverarbeitet werden. Die Granulate gibt es wahlweise in weicheren oder härteren Formen.
Des Weiteren verwenden wir ein Material aus nachwachsenden Rohstoffen. Das sind Abfallprodukte aus der Holzwirtschaft und Materialien, die in der Natur nachwachsen. Der Fokus liegt also auf Materialien, die durchs Recycling interessant sein sollten, oder andere Eigenschaften haben, die besonders nachhaltig sind.

Rebel Nets 
Rebel Fischer Granulat
Fotos: Plastix


Gibt es eine Möglichkeit, dass ihr das Material noch mal verwenden könnte?

Beim Carbon ist das wirklich schwierig für uns. Die Materialhersteller sind aber durchaus dazu in der Lage. Andere Materialien, wie die Fischernetze und auch das nachwachsende Material, können wir hier vor Ort tatsächlich selbst recyceln und dem Produktionskreislauf 1:1 wieder zuführen. Wir nutzen einen Kunststoff-Schredder, da schmeißen wir die zu recycelnden Materialien rein, das wird durchgemahlen und unten kommt wieder ein quasi „neues" Granulat heraus. Das geht bei uns eins zu eins wieder in die Produktion.

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Was ist der Grund, warum die Mainstream-Firmen kein Ökomaterialen verwenden? Preisfaktor, Qualität, oder der Import aus Asien?

Ich glaube, es ist von allem ein bisschen was. Vergleichbare Finnen in China oder den USA produziert kosten zum Teil ein vielfaches dessen, was mit lokalen Produzenten möglich ist. Ökologische Aspekte und Gewinnmaximierung schließen sich leider häufig noch gegenseitig bei denen aus. Hier möchten wir zeigen, dass man auch andere nach unserem Empfinden sinnvollere Wege gehen kann. Letztendlich bestehen unsere Finnen auch nur aus Kunststoff, die Materialien aber, die wir verwenden, sind für 80-90 Prozent der Surfer komplett ausreichend und geeignet. Die absoluten „High-Performance“ Materialien wirst Du bei uns nicht finden, dafür zahlst Du für ein Set aber auch nur um die 45 Euro. Und das ist im Vergleich zu den großen Brands weder teuer noch komplett billig, dem Produktionsstandort hier aber angemessen.

Die Finnen Nachfrage von Marken wie FCS oder Futures ist extrem hoch. Wenn man sich aber z.B. die Verpackung anguckt, ist alles doppelt und dreifach mit Kunststoff verpackt, überwiegend made in China und hat entsprechend lange Wege bis zum Surfshop deiner Wahl zurückgelegt. Recyclingkonzepte gibt es sowieso nicht. Ich denke was fehlt, sind mehr gute Alternativen, die diese Mainstream Produkte zu einem fairen Preis ersetzen können.

Rebel Fin

Brands wie FCS, die unheimlich viel Budget haben, um Pros zu sponsern, sind natürlich viel mehr publik als kleinere nachhaltige Firmen. So werden fast ausschließlich Massenprodukte repräsentiert. Ist eure Zielgruppe entsprechend anders?

Erstmal beschränkt sich der Markt auf einige Fin-Systems wie FCS1, FCS2, Futures oder andere im Single-Fin Segment. Somit sind erstmal alle Surfer „gleich“. Dann aber gibt es welche, denen Aspekte, die uns in der Produktion wichtig sind, ebenso als essenziell erachten. Anderen wiederum ist das weniger wichtig. Wir wollen niemanden bekehren, sondern einfach eine Alternative zu bestehenden Produkten anbieten. Wie kann man das Produkt ökologisch besser herstellen? Wie und kann man überhaupt Dinge lokal produzieren? Wir produzieren mit Ökostrom und achten auf geschlossene Produktionskreisläufe, bieten unseren Kunden auch an, wenn doch mal eine Finne bricht, diese bei uns recyceln zu lassen oder auch einzelne Finnen nachzukaufen.

Wir richten uns an Surfer, welche die Idee hinter unseren Produkten verstehen und vertreten. Der Hauptfaktor ist also nicht ausschließlich die bestmögliche Performance, sondern die bestmögliche Performance mit umweltfreundlicher Herstellung. Und das ist auch der Punkt. Wir stellen mehr und mehr fest, wie das Thema an Relevanz gewinnt, bei vielen aber leider noch nicht.  Da müssen es genau DIE Finnen sein und andere Aspekte, wie Nachhaltigkeit, spielen nicht unbedingt eine Rolle.

Worauf sollte man bei der Produktion von Surfprodukten noch achten, zum Beispiel bei der Verwendung von Mikroplastik?

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Recycelte Kunststoffe wie zum Beispiel PET-Flaschen werden mittlerweile häufig in Klamotten wiederverarbeitet (z.B. für Boardshorts). An sich vom Recycling her eine nette Idee, aber überall, wo Plastik in Form von Kunstfasern verwendet wird und die Sachen gewaschen werden, lösen sich mit jeder Wäsche Mikrofasern und landen über das Abwasser letztendlich als Mikroplastik im Meer. Auch bei Kosmetikprodukten (z.B. Sonnencreme) oder Surfwachs gibt es ökologisch einwandfreie Produkte, die kein Mikroplastik ins Meer abgeben.

Wir werden drauf achten! Danke für das Gespräch Rainer.
 

 

Um die Rebel Fins zu testen, verlosen wir ein Thruster Set in Size Medium, hergestellt aus recycelten Fischernetzen. 
Alle Informationen findet ihr unter folgendem Instagram Post! Good luck...

 

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Credits 

Rebel Fin, Plastix, Tecnaro