Der Münchener Surfer Michi Mohr hat sich selbst eine Auszeit vom Arbeitsleben verschrieben und tourt seit einigen Monaten durch Europa. Hier ist Teil 1 seiner Travel Tales:

 

Nach knapp neun Jahren bei Planet Sports und mittlerweile zwanzig Jahren in der Boardsports-Industrie war es nun Zeit für einen next step. Ist man aber ehrlich zu sich selbst, ist dieser next step gar nicht immer ganz klar, soll es eine ähnliche Position in der Industrie sein, eine ganz andere Branche, Selbständigkeit? Was sind die Ziele, mehr Verdienst und Statussymbole oder doch Flexibilität und Surf-Time? Michi Mohr Doing Europe Part 1

Diese Gedanken kann ich mir nun in einer mir selbst verschriebenen Auszeit machen. Ein Schritt, der sicher etwas Mut erfordert aber eben nur unter gewissen Voraussetzungen im Leben möglich ist. Am einfachsten ist es wenn man ungebunden ist und freilich ein paar Euros beiseite gelegt hat. Die Gelegenheit wollte ich nutzen und mich noch einmal auf große Reise begeben, vor allem um dann im Herbst und Winter große Wellen in Portugal, Spanien und Irland zu surfen. Wie sagen einem ältere Menschen immer wieder: „Wer weiß wann du so eine Reise nochmal machen kannst“. 

Statt den mittlerweile vierten Round the World Trip zu machen oder mich erneut eine Weile in West OZ niederzulassen wollte ich „the old world“ noch einmal neu erkunden.
Europa hat unglaublich viel Surf-Potential, Kultur und natürlich atemberaubende Landschaften wie sie verschiedener nicht sein könnten. Der beste Weg dafür ist der Campervan und nach drei Monaten Research und Suche sollte es also der Dethleffs Camper sein. Ausgestattet mit Bad, sechs Schlafplätzen, kompletter Küche und einer riesigen Heckgarage für alle Toys bietet er nun alles was man für eine lange Reise braucht. 

Nach einigen Modifikationen und jeder Menge Vorbereitungen an Equipment ging es im Mai dann los an die nächstgelegene Küste – Frankreich. Verwöhnt von bisherigen Spontan-Trips im europäischen Winter erwarte ich nicht allzu viel vom Sommer-Surf und die Boards über 6´6 bleiben bis auf weiteres in der Boardbag, dennoch gab es einige unvergessliche Sessions.

Wenn man lange keine Beachbreaks surft fehlt es einem eindeutig an „Auge“ fürs Positioning und ich ziehe meinen Hut vor jedem der Beachbreaks richtig gut lesen kann. Die Tage ähneln sich und die Hitzewelle in Europa sorgt für eine extrem stabile Wetterlage, gute Bedingungen und den ein oder anderen ganz guten Swell. Ich pendele zwischen den crowded Lineups von Hossegor die wieder einmal die besten Bänke haben und den weniger bekannten Spots nahe Lacanau die sich manchmal bei gewisser Gezeit von Ihrer magischen Seite zeigen. Der Surf auf 6ft. Fish Boards, Softboards, NSP Malibus und Bodyboards in der Schwimmerzone macht irre Spaß und ist ein komplettes Kontrastprogramm zu den Wellen die ich sonst stets surfe.

Nach und nach merke ich auch wie das Rattern im Kopf und die Arbeits-Themen verschwinden und man sich wirklich auf diese Auszeit einlassen kann. Zwischen den Surfs wird in Ruhe gekocht, Rad oder Skateboard gefahren und ist man müde hält man ein Nickerchen. Verglichen zu all den Spielzeugen mit denen man sich im Alltag für die harte Arbeit belohnt, ist das wohl der wahr Luxus. 

Wenn man die nötige Zeit mitbringt wächst die Entspannung und freilich die Vorfreude auf den Herbst und Winter, in der Hoffnung dass Europas Küsten feuern werden. 

Nach einem knappen Monat an den französischen Küsten geht es weiter Richtung Norden und bereits auf der Fähre nach Irland ändert sich das Klima drastisch.

Hier geht's zum zweiten Teil von Michi's Travel Tales aus Irland.