Der Surfkosmos bebt und blubbert. In weniger als einer Woche startet die Saison für alle, die zwei Fuß QS-Events nicht zum professionellen Saisonzirkel zählen. Die Samsung Galaxy Championship Tour findet zurück auf die Erde und wird zur Championship Tour, indem sie ihr galaktischstes Adjektiv einbüßen muss. Irdisch, greifbar und endlich wieder modifizierbar. Denn große Sponsorendeals führen, selbst in letzter Sekunde, zu Knechtschaft und unverständlichen Telefonwerbespots. Was haben wir getan oder was haben wir nur nicht getan? Welche kurzhaarige Technikeminenz hat Sexysurfing denn nicht in Wallung bringen können? Welches Marketingbedürfnis hat die World Tour in den letzten Jahren nicht nachhaltig befriedigt? Ist professionelles Wettkampfsurfen nicht lukrativ genug, weil dort einfach nicht genug telefoniert wird, oder ist die ganze Samsungromanze einfach zu früh gekommen?

Zu früh für eine Sportart, die sich leider wieder entschieden hat, unverständliche Zahlenkombinationen auf die Rücken unserer Stars und Sternchen drucken zu lassen. Für Selbstbestimmung und mehr Identifikation. Für Baseball und zu wenig Interpretationsspielräume. Fakt ist: Samsungs Führungsriege ist korrupt und kann sich hart arbeitende Surfprofis, die von Traumstrand zu Traumstrand fliegen, einfach nicht mehr leisten.

Dafür bleibt das Jeep Leader Board das Jeep Leader Board und One John wahrscheinlich bis zu seinem Lebensende ein Weltmeister, für den die Anderen Coronas auf gewonnene Titel exen müssen. Apropos Corona, in diesem Jahr ganz neu und heiß gehandelt: Die Corona J-Bay Open sind kein Scherz, sondern where you'd rather be!

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Genug gewartet - 2017 kann losgehen!

Ein Neuanfang?

Und Paul Speaker? Surfing’s Boss und Business? Hatte es nie wirklich leicht, weil Kritik im Moment einfach zu cool und Hip ist. Weil Wandel für das Gewohnheitstier Mensch immer direkt zur existenziellen Bedrohung wird und alles stinkt, was die 100 Dollarmarke übersteigt. Dafür hat Big Paul Professionalisierungsprozesse eingeleitet, von denen wir noch gar nichts ahnen (wollen) oder was glaubst du, woran Chelsea Cannell arbeitet, seitdem sie bei Events keine Fragen mehr stellt, auf die sich gar nicht mit „Good, I worked so hard for it“ antworten lassen.

Die WSL-Studios in Santa Monica sind in der Mache, um unsere Kokosnusssportart marktfähiger zu machen. Zu erziehen und die Pausen zwischen der abenteuerlichen Live-Action von gerade-so-erträglich zu spannungsgeladenen Infotainmentverlautbarungen zu verwandeln. Das geht wirklich nur im Deutschen. Wörter, die länger sind als manche Sätze.

Paul Speaker ist also gegangen oder gegangen worden? Wo er hergekommen ist, wollen wir lieber nicht wissen. Übel nehmen kann ihm das keiner, obwohl Vati Speaker eigentlich über Baby Prosurfing wachen wollte, bis es groß, stark und wieder „great again“ ist. Ein Ende ist aber auch ein neuer Anfang. Am Ende ist auch alles gut, und ist es noch nicht gut, dann ist es eben noch nicht das Ende.

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Das waren noch Zeiten: Chelsea Cannell und Gabriel (so stok-ed) Medina

Talent ohne Ende!

Auch nicht für die Beiden: Michael Eugene Fanning und Owen Wright sind zurück! Der dreimalige Weltmeister und einer, der es schon längst werden sollte, schmücken in diesem Jahr endlich wieder das Athletenportfolio mit ihrer Präsenz. Fanning, der nach dem Haifischvideo sogar zum Gesprächsthema bei Oma wurde, hat plötzlich seinen inneren Athleten wiedergefunden und entschließt sich somit gegen horizonterweiternde Free-Surftrips in die Arktis, mit denen man ebenfalls laufende Hypotheken begleichen könnte.

Und Owen Right? Ist bereit sein Jahrhunderttalent endlich mit einigen Titeln zu kreuzen. Schritt für Schritt. Problem nur, dass mittlerweile jeder, wirklich jeder bis auf Jeremy Flores, in der Lage ist, Erster zu werden, denn nicht umsonst gilt 2017 als das beste Talentaufgebot in der Geschichte des Sports.

Und das Beste daran, das wirklich Allerbeste: die Frauen World Tour! Ein Aufgebot an Talent und Eleganz vom ersten bis zum letzten Tabellenplatz. Von Malia bis Laura. Von Courtney und Tatiana über Sage und Coco erklingen diese Namen wie eine frivole Ode an die Emanzipation. Gesungen in einer antiken Halle voller Tradition und altem Putz. Wir schalten für alle ein und danken Paul Speaker zumindest hier mal für die famose Integration professionellen Frauensurfens.

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Wenigstens Deputy Commissioner Renato Hickel scheint alles im Blick zu haben.

Zukunftsmusik

Also wie jetzt? Einfach nur Championship Tour oder irgendetwas x-tra-vagantes? Immerhin Surfen in der Men’s Division 18 Weltmeistertitel, sieben brandheiße Rookie-Raketen und ein Dutzend Legenden und Ikonen gegeneinander. Immerhin lädt Slater’s Wavepool in der zweiten Jahreshälfte zur Jungfernfahrt eine exklusive Teilnehmerliste und die neuen Formatvorschläge (längere Waiting- Periods, (wieder) weniger Surfer) lassen die Dream-Tour langsam wieder träumen. Wenn das nicht galaktisch ist, weiß ich jetzt auch nicht. Vielleicht fehlen uns einfach noch die Victoria's Secret Open? Denn die Optionen sind endlos und die große Vision, professionelles Surfen größer zu machen, als die NFL noch (lange, ganze lange) nicht erreicht. Dafür haben wir Facebook und mehr Facebook-Fans als die NHL, NRL oder die NPGL. Also ran an den Speck, irgendwer wird es schon kaufen, bevor der große Traum hinterm Dispositionsrahmen versinkt. 

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So. Viele. Logos. Immerhin wird 2017 etwas übersichtlicher.

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Bild & Text

Konstantin Arnold: www.byndmagazine.tumblr.com