San Sebastian, ein strahlender Sommertag im September. Mitten in der Stadt hat sich ein unentwirrbares Knäuel aus Fahrzeugen gebildet, nichts geht mehr. Der Grund für diesen Ausnahmezustand: Das Festival de San Sebastian, eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt. Seit 61 Jahren geben sich hier Hollywoodstars die Ehre, doch zum ersten Mal sind in diesem Jahr im Rahmen des neueingeführten SAVAGE CINEMA, der Actionsports-Sektion des Festivals, auch Surffilm-Regisseure und deren Hauptdarsteller eingeladen. So kam es, dass Dave Rastovich, Chris Del Moro und andere zottelige Surfer im Anzug neben Hugh Jackman und Co. über den roten Tepich marschierten. 

 

Rasta und Chris Del Moro sind die Stars in Jason Baffas (Regisseur von 'Single Fin Yellow' und 'One California Day') neuem Film 'BELLA VITA' (Gewinner beim London Surf Film Festival), der in Italien spielt und eine Reise zu den familiären Wurzeln Del Moros, Baffas und der Coffin-Brüder erzählt. Und wie seine Hauptdarsteller erlebt auch Baffa in San Sebastian die volle Packung Promi-Behandlung: Untergebracht im besten Hotel der Stadt erwartet er uns am Tag nach der BELLA VITA Weltpremiere auf der Veranda zum Interview, vor sich einen Mai-Tai. Los geht's!

 

BLUE: Hi Jason, verdammt heiß heute! Warst du schon im Wasser?

Jason Baffa: Nein, leider nicht. Chris und Rasta meinten, es gibt ein paar Wellen hier am Stadtstrand (Zurriola). Aber ich habe noch keine freie Minute heute gehabt. Meinst du ich habe was verpasst?

 

BLUE: Nicht wirklich. Aber das kommt drauf an wie surf-starved man ist. Wo lebst du denn? 

Jason Baffa: In El Segundo, bei Manhattan Beach. Ich bin in LA groß geworden und surfe seit Jahrzehnten in der South Bay. Wir haben nicht die besten Wellen, Beachbreaks halt... Doch Malibu ist nicht weit und auch in Trestles oder Rincon ist man schnell. Ebenso am Flughafen. Dass ich das erwähne sagt wohl ziemlich viel über die Qualität unserer Breaks, oder? (lacht). Nein, es ist in Ordnung. Wir kommen oft ins Wasser und ich surfe viel mit meinen Neffen Parker und Connor Coffin. Aber ich hoffe wirklich, ich bekomme in den nächsten Tagen noch die Gelegenheit, Guéthary zu surfen!

 

BLUE: Wir sitzen hier auf einer abgeriegelten Terasse, vor dem Hotel warten Tausende auf Autogramme der Filmstars. Ist es cool, als Surffilmer Teil dieses Trubels zu sein oder fühlst du dich fehl am Platz?

Jason Baffa: Als uns Sancho (Sancho Rodriguez, Direktor des Savage Cinema und Gründer des Surfilmfestibal) einlud, unsere Weltpremiere in diesem Rahmen zu feiern, konnten wir das nicht ausschlagen. Ich muss zugeben: Es gibt einem das Gefühl, als Regisseur ernst genommen zu werden. Wir haben so viel Arbeit und Liebe in diesen Film gesteckt, da ist es toll, wenn das Werk dann auch ausführlich besprochen und voller Begeisterung vorgestellt wird. 

 

BLUE: Eine Premiere von BELLA VITA passt natürlich auch perfekt in diese Stadt.

Jason Baffa: Und wie! Diese ganzen prächtigen, alten Gebäude, die Tapas Bars, die Menschen - das erinnert schon sehr an Italien. 

 

BLUE: Erzähl doch mal kurz, wie die Idee, einen Mittelmeer-Surffilm zu drehen, zustande kam.

Jason Baffa: Vor ein paar Jahren war ich auf Bali und traf dort Chris Del Moro. Als wir Abends bei einem Bier zusammensaßen, erzählte er mir von seiner Jugend in der Toskana. Als ich meinte, dass ich ebenfalls italienische Vorfahren habe, fingen wir an zu fantasieren: Wie wäre es, einen Film über die dortige Surfszene zu machen? Drei Monate in Italien, nur das beste Essen, Wein, Wellen... Die Dreharbeiten stellten wir uns paradiesisch vor!

 

BLUE: Warst du zu dem Zeitpunkt denn schon mal dort?

Jason Baffa: Ja, aber das lag viele Jahre zurück. Ich bin natürlich immer eher nach Hawaii, Indo und zu anderen Surf-Destinations gereist. Doch ich liebe den europäischen Lifestyle. Wir stellten also eine Crew zusammen: Rasta, Lauren L. Hill, Die Coffin-Brüder, Leo Fioravanti, Alessandro Ponzanelli.

 

BLUE: Und dann habt ihr euch in Italien eingerichtet und auf Wellen gewartet?

Jason Baffa: Ja, drei Monate. Und wir haben wirklich gute Tage gehabt, dazwischen aber auch immer wieder sehr lange Flatness erlebt. Doch zum Glück gibt es dort genug zu tun: Weinlesen, Museen und natürlich die Familien: Chris und ich haben unsere Verwandtschaft besucht und wochenlang bei ihnen abgehangen. Auch die lokalen Surfer haben uns mit offenen Armen empfangen - langweilig war es nie.

 

BLUE: Du hast den Film ja komplett in 35 mm Film gedreht, was Bella Vita den fantastischen, hochwertigen Look gibt, den wir schon aus 'One California Day' und deinen anderen Filmen kannten. Wie habt ihr diese aufwendige Arbeit finanziert?

Jason Baffa: Das Geld haben wir alleine aufgebracht, ein Teil kam durch Crowdfunding dazu. Wir wollten einfach eine Filmqualität abliefern, wie sie heutzutage in Surffilmen rar geworden ist. Diese Geschichte, die Menschen und diese fantastische Natur haben es verdient, so toll wie möglich dargestellt zu werden!

 

BLUE: Wie würdest du denn die italienische Surfszene beschreiben? Was ist anders als in den USA?

Jason Baffa: Der Stokefaktor ist definitiv höher! Egal ob es kniehoch ist oder pumpt - die Italiener sind immer glücklich. Das liegt bestimmt daran, dass sie viel Zeit investieren müssen, um überhaupt Wellen zu finden. Daraus entsteht auch ein Gemeinschaftsgefühl, wie es in den USA verloren gegangen ist. Ich wünschte, das würde man in der Surfwelt öfter finden! 

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BLUE: Dann soltest du dir mal ein paar der lokalen Surfszenen in Deutschland angucken! Jason, danke für das Gespräch - wir freuen uns darauf, den Film bald auch bei uns zu sehen!

Jason Baffa: Dazu muss ich noch eins sagen: Wir hängen mit unserem Zeitplan etwas hinterher - eigentlich sollten schon die italienischen Premieren hinter uns liegen. Doch es ist nicht einfach, so viele Screenings auf die Beine zu stellen - wir sind aber kurz vor dem Ziel! Um herauszufinden, wann der Film wo läuft, geht auf unsere Facebook-Seite oder tragt euch in die Email-Liste ein! Danke für die Geduld!

 

INTERVIEW: Jens Steffenhagen

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