Vincent Scholz German Surfer Weare Quiksilver

Der Ruhrpott-Ripper Vincent Scholz hat sich kürzlich bei der Studi-Olympiade der deutschen Nachwuchsakademiker, kurz ADH, auf den zweiten Platz gesurft. Dass Vince in allen Weltmeeren äußerst stilvoll sein Unwesen treibt, dürfte den Meisten inzwischen bekannt sein.
Dass er sich körperlich und mental durch regelmäßige Yoga-Routinen in Form hält, war allerdings auch uns neu. Grund genug für unseren Yoga-Guru Ela mal genauer beim Wittener-Wunderkind nachzufragen. 

Hey Vince, du warst ja für eine Weile in Australien unterwegs. Kaum zurück in Europa räumst du schon wieder bei den ADH in Frankreich ab. Glückwunsch zum zweiten Platz. Wie war’s für dich? 

Danke! Der Contest ist immer ziemlich cool. Ich war sehr fokussiert und gut vorbereitet, dieses Mal wollte ich wirklich gewinnen. Nach ein paar Bieren mit meinen Freunden hatte ich meine Enttäuschung vergessen und habe mich mit dem Zweiten zufriedengegeben. Es war eine echt geile Woche!

Wie bereitest du dich denn auf einen Contest vor? Hast du Rituale?

Viele Surfvideos gucken und die Motivation hochtreiben. Super viel Surfen. Dann kommt die Taper-Phase; kurze Sessions fahren, relaxen und ganz viele Nudeln essen. Yoga steht immer an der Tagesordnung. Mein routiniertes Pre-Yoga gibt mir Sicherheit an dem Contesttag und hilft mir vor einem Heat durchzuatmen. Wenn das Horn losgeht, bin ich dann konzentriert und kann Vollgas geben.

Vincent Scholz Yoga Warmup Surf

Erzähl mir mehr über deine Yoga-Routine.

Ich mache Yoga im Schnitt zweimal die Woche, entweder in meinem Zimmer in Witten oder ich suche mir einen geeigneten Spot, wenn ich auf Reisen bin. Das dauert dann eine gute halbe Stunde. Gerne gehe ich auch zum richtigen Yoga-Unterricht. Dort hilft mir die Kraft im Raum an meine Grenzen zu gehen und man lernt immer etwas Neues. Leider ist mein Portemonnaie dabei der limitierende Faktor. Über die letzten Jahre ist Yoga für mich auch ein aktives Souvenir geworden. Wenn ich mich in den Yogapositionen befinde, die mir z.B in Sri Lanka beigebracht wurden, macht es mich glücklich und ich erinnere mich an die 35°C und den perfekten Surf. Das wärmt mich auch im tiefsten deutschen Winter auf.

Was für einen Yogastil praktizierst du?

Ich mache meistens einen Vinyasa Flow und baue je nach Laune verschiedene Übungen ein. In Australien habe ich auch Yoga bei 35°C ausprobiert, was mir sehr gefallen hat. Dort war ich dann nicht der einzige, der beim Yoga total abschwitzt. 

Wie bist du denn zum Yoga gekommen?

Ich liebe langgezogene heiße Bäder, Massagen, Verwöhnung, Sport, Dehnen, Konzentration, Durchatmen, Tee und das Gefühl mir etwas Gutes zu tun. Yoga kann das alles unter einem Hut bringen. Generell bin ich, glaube ich, gestresst, bzw. nehme mir immer mehr vor als ich in einem Tag schaffen kann. Yoga bringt mich dann wieder in den Moment.

Integrierst du Yogaübungen in deinen Surf Warm-up/ Cool down?

Ja, ich habe seit 2 Jahren ein routiniertes Aufwärmverfahren, eine Kombination aus Yoga und allen Lieblingsübungen, die mir in den letzten Jahren zugelaufen sind. Das dauert ca. 5 Minuten und hilft mir durchzuatmen, wenn die Wellen on fire sind. Selbst wenn die Wellen schlecht sind, wärmen mich diese 5 Minuten auf und spätestens dann habe ich Bock ins Wasser zu rennen. 

Wie verändert sich dein Surfen dadurch?

Es ermöglicht mir wahrscheinlich erst das Surfen, weil ich ansonsten mit Rückenschmerzen im Bett enden würde.

Vincent Scholz Adh Performance Turn

Hattest du schon mal ein krasses Erlebnis beim Surfen? Haie? Wipeouts? Currents? Wie bist du damit umgegangen?

Auf Anhieb fällt mir da eine Geschichte ein : In Australien habe ich als Surflehrer gearbeitet und musste ein Jungen aus riesigen Wellen retten. Selbst bin ich ein wenig in Panik geraten und war am Ende von mir selbst enttäuscht. Das hat mich aber wieder daran erinnert, wie gefährlich eigentlich das Meer sein kann. Und natürlich auch was darin lungert. Es gab mehrere Haiattacken auf Surfer in der Gegend um Sydney als ich dort war. Natürlich gab mir das auch zu denken. Ansonsten habe ich für mich selbst nur gute Erfahrungen gemacht, Delphine, Sonnuntergänge und Barrels. Klar gibt’s Rückschläge, aber die werden von den guten Momenten überlagert.

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An was glaubst du? Was hilft dir wenn es dir mal Scheisse geht?

Ich bete zu Gott, wenn ich Hilfe brauche. Wenn es mir scheiße geht, nehme ich es gelassen, weil ich weiß, dass es immer schlimmer sein könnte und dass es wieder Berg aufgeht.

Wie stehst du zur Meditation?

Leider habe ich den Dreh dazu noch nicht raus, ich würde es aber gerne beherrschen.

Hast du ein Lebensmotto?

Nein, ich kann mein Motto nicht in einem Satz festlegen. „No risk no fun“, sagt mir meine innere Stimme aber doch öfter.

Wie sieht dein Alltag aus?

Ich habe seit einiger Zeit keinen Alltag; jeder Tag sieht anders aus. Zurzeit ist sogar noch unklar, was ich die nächsten Monate machen werde. Diese Ungewissheit genieße ich aber sehr und bin auf das gespannt, was kommen wird.

Welche Rolle spielt Ernährung für dich?

Ich möchte, dass mein Körper gut funktioniert und eine gute Ernährung spielt auf jeden Fall eine wichtige Rolle. Ich bin schon mein ganzes Leben halber Vegetarier

Hat Yoga einen Einfluss auf dein tägliches Leben?

Mir ist meine Atmung viel bewusster und dadurch kann ich meine Nervosität vor z.B. Klausuren oder Uni-Vorträgen steuern. In Deutschland ist es für mich eine Möglichkeit meine Surfsehnsucht zu bekämpfen.

Die Kombination aus Yoga und Surfen wird immer beliebter. Weshalb lassen sich die beiden Sportarten deiner Meinung nach so gut kombinieren?

Die meisten Surfer sehen Yoga als perfekten Ausgleich zum Surfen. So werden Muskeln angesprochen, die bei dem Surfen vernachlässigt werden und generell gewinnt man an Stärke und Flexibilität. Es ist für mich auch die beste Vorbereitung auf einen Surftrip. Die größte Gemeinsamkeit der beiden „Sportarten“ ist, dass sie mich erden und ich mich super gut danach fühle. 

Vince Scholz Bottom Turn Euro Surf

Die unterschiedlichen Yogaarten werden immer vielfältiger von körperorientiertem Hot oder Poweryoga bis hin zu ruhigeren spirituellen Stilen. Wieso ist Yoga bei den Männern in Deutschland noch nicht angekommen?

Ich glaube die meisten Männer haben Angst vor ihrer Inflexibilität und denken, dass es zu „lahm“ wäre. Ich komme dabei an meine Grenzen und denke es ist für das Surfen millionenfach hilfreicher als ins Fitnessstudio zu gehen. Ich möchte an dieser Stelle aber auch gerne sagen, dass für mich eine Yogasession auch ein ganzes Workout ist. Am nächsten Tag habe ich oft Muskelkater an Stellen, die ich sonst noch nie wahrgenommen habe. Gerade habe ich mit Leuten aus Kalifornien und Frankreich gesprochen, die selbst Yoga praktizieren und meinen, es sei von den Geschlechtern sehr ausgeglichen. Also weiß ich auch nicht warum es in Deutschland noch nicht soweit gekommen ist.

Was bringt dich außer dem Surfen sonst noch so in den Flow/ In den Moment?

Skateboardfahren und Angeln.

Schöner Abschluss :) Danke für deine Zeit Vince.

Cheers Ela.

Vincent wird unterstützt von: Quiksilver Deutschland / weAre / Dontwalk 

Credits

Text: Ela. Sie arbeitet als Yogalehrerin und Masseurin in Dortmund und unterrichtet diesen Sommer in der Atlantic Surflodge für das Soulyoga Surf & Yoga Retreat kraftvoll dynamisches Hatha Vinyasa Yoga und Mindfulness. Check it out: http://soulyoga-dortmund.de/retreat/

Bild: Cover: Forrest Ladkin / Action: A. Johannes Wyneken