Inspiriert von Erinnerungen an die ersten Roadtrips mit seinem Großvater, hat Chris Burkard einen Campervan entworfen, der die Tradition der Entdeckungstouren in wilder Natur fortsetzt und den kalifornischen Ausnahmefotografen seinen Motiven noch näherbringt.


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„Manche Reisen lassen dich nie wieder los! Ich war acht Jahre alt, als mich mein Opa zum ersten Mal mitnahm. Wir mieteten einen heruntergekommenen alten GM-Bus und machten uns einfach auf den Weg. Seit dem Sommer auf den endlosen Straßen zwischen der Sierra Nevada und New Mexico sehe ich die Welt mit anderen Augen.“, erklärt Chris.

Diese erste Tour führte die beiden zum Grab seines Vaters, schweißte sie zusammen und war der Beginn einer langen Tradition. Jedes Jahr zogen Enkel und Großvater gemeinsam los, steuerten die großen Nationalparks an und erkundeten über Wochen die abgelegensten Gegenden der USA. „Verrückt, was das für einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ich erinnere mich genau an die General Motors Karre, die wir liebevoll „Shitbox“ tauften. Und daran, dass mein Opa an jedem See sein Glück versuchen musste, wir in all den Jahren aber keinen einzigen Fisch gefangen haben.“, lacht Chris. „Das erste Mal Yosemite, Grand Canyon oder Joshua Tree vergisst du auch so schnell nicht mehr. Diese Roadtrips sind bis heute eine riesige Inspirationsquelle und letztendlich auch der Grund für meine Leidenschaft für die Natur.“

Chris Burkard Ansel Adams Portrait Inner

Chris Burkard Ansel Adams

Diese Leidenschaft hat den San Luis Obispo Local zu einem versierten Entdecker und einem der einflussreichsten Outdoor-Fotografen unserer Zeit gemacht. Chris‘ buchstäblich großartige Fotos hängen in Galerien, sind in mehreren Bildbänden erhältlich und flimmern täglich über die Bildschirme von über 3 Millionen Followern. Ein Großteil der Aufnahmen entsteht auf Roadtrips durch die weitläufigen Naturgebiete der USA, auf den Spuren der Fotografie-Ikone Ansel Adams. Der Vergleich ist hoch gegriffen, doch es zeichnen sich bedeutende Parallelen ab. Auch Adams widmete sich den verbleibenden Fragmenten der unberührten Wildnis des amerikanischen Westens und war ein engagierter Naturschützer. Mit seinen Bildern wollte er den Erhalt dieser ursprünglichen Landschaften in den Fokus der öffentlichen Debatte rücken. Viele seiner bekanntesten Aufnahmen entstanden dabei auf der selbstgefertigten Kameraplattform auf dem Dach seines 47er Pontiac Streamliners, einem klassischen, holzgerahmten Kombi. Diese angehobene Perspektive überwindet das Chaos des unmittelbaren Vordergrunds und öffnet den Blick auf die weitläufigen Panoramen, für die Adams berühmt wurde. Chris verfolgt einen ähnlichen Ansatz und verleiht seinen Kompositionen eine zusätzliche Dimension, indem er der Natur als Protagonist menschliche Nebendarsteller an die Seite stellt. Seine veröffentlichten Werke sind das Produkt aus genauer Planung und Teamwork. Er ist also meistens mit einer ganzen Crew unterwegs und hat sehr spezielle Ansprüche an sein Custom Roadtripmobil.

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Chris Burkard Blue Feature

Als Basis für den Ausbau wählte Chris einen 2800er Mercedes Sprinter, der durch Zuverlässigkeit und hohe Laufleistung überzeugt. Für den Ausbau engagierte er die Outdoor-Spezialisten von „Advanture Company“, die seine Anforderungen in praktische Features übersetzten. Das dreiköpfige Team arbeitete über sechs Monate an dem Gefährt, bis die Einrichtung voll und ganz im Zeichen der Funktionalität stand. ,,Um eines gleich klarzustellen, auf Hashtag-Vanlife kam es mir bei diesem Projekt nie an. Ich war vor einigen Jahren mit einem guten Kumpel drei Monate lang auf dem Pacific Coast Highway unterwegs. Es war beschissen! Ich weiß wirklich nicht, wer auf die Idee gekommen ist, dass ein Leben in so einer engen Kiste erstrebenswert ist. Vor allem im verregneten kalifornischen Winter nicht.“, flachst Chris und erklärt weiter:,, Ich sehe diesen Van als Teil meiner fotografischen Ausrüstung. Es ist ein Werkzeug, das mich den Orten näherbringt, die ich liebe und genau dafür ist der Sprinter ausgelegt.“

Chris Burkard Sprinter Van

Wenn man mit derart viel Equipment und einem drei- oder vierköpfigen Produktionsteam plant, ist weniger wirklich mehr. Um den Stauraum für seine Gear zu maximieren, hat Chris auf Küchenzeile und Badkabine verzichtet. Dafür ist eine tragbare Outdoor-Dusche an Bord.
Weiter sind ein Solarstrom-Setup, ein Thule-Stauraum, eine modulare Bettenkonfiguration und ein Premium Soundsystem verbaut. Über der Windschutzscheibe ist eine leuchtstarke LED-Lichtleiste angebracht und an der Fahrerseite führt eine Leiter auf das Dach, wo natürlich eine Kameraplattform montiert ist, um dem spirituellen Erbe Adams gerecht zu werden. Kostenpunkt: Zehntausend Euro für den Sprinter und knapp dreißigtausend Euro für den Ausbau.

Chris Burkard Solar Eclipse

Eingeweiht wurde das Burkard-Mobil mit einer Mission nach Oregon, auf der Jagd nach einem einzigartigen Shot der totalen Sonnenfinsternis. Dieser Trip stellte das Konzept sofort auf die Probe: Drohnen, sperrige Stative, Kamera-Ausrüstung und eine fünfköpfige Crew, fünfzehn Stunden Fahrt, ein kurzes Zeitfenster, in dem alles startklar sein muss, eine Nacht im Freien und zurück. „Wenn man bedenkt, was wir alles mitgeschleppt haben, lief es ziemlich rund. Ausrüstung und Team rein und ab auf die Piste. Mehr wollte ich nicht.“, resümiert Chris.
Eine leistungsstarke Verbindung zwischen seiner Linse und den Motiven, die ihn seit jenen Roadtrips in den frühen Neunzigern begeistern, also. „Es hat nach wie vor etwas Magisches, nicht in ein Hotel einchecken zu müssen – oder noch schlimmer, in eine Stadt fahren zu müssen. Je näher man den Orten sein kann, die man liebt, desto besser. Das gilt damals, wie heute.“

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Credits:

Chris Burkard

Sony

Adventure Company