3 Ondas Lineup

Frithjof Gauss ist bestimmt nicht der klassische Name eines portugiesischen Locals. Der gebürtige Sylter hat sich jedoch längst in der Surfszene von Ericeira etabliert. 2001 eröffnete er dort seine Surfschule „Três Ondas“, denn als erster Deutscher hatte Frithjof schon damals das Potential fürs Schulen entdeckt. Das war lange bevor an den portugiesischen Stränden die Surfschulen wie Pilze aus dem Boden schossen. Über die Jahre hat er das portugiesische Fischerdorf nördlich von Lissabon lieben und die Wellen der Region schätzen gelernt. Im Interview verrät uns der erste deutsche Meister im Longboarden einige Tipps und Mythen über die „Surft-City“ Ericeira. 

Frithjof Gauss 

Starten wir mit den wichtigen Dingen, wo surfst du am liebsten?

Nice Try! Das besondere am Surfen ist doch, wenn man selbst einen neuen Spot für sich gefunden und erkundet hat. Ich machte meine ersten Surf Trips als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Damals hatten wir kaum Info’s und wenn, dann eh nur zu den bekannten Spots. Neben denen gibt es aber auch zahlreiche Unbekannte, die entdeckt werden wollen. The search goes on, trau dich!


Gibt es einen außergewöhnlichen Spot, quasi ein Mythos, der nur an wenigen Tagen im Jahr bricht?

„A Cave“ oder auch „the Cave“. Liegt zwischen Ribeira d’Ilhas und Coxos und bricht relativ selten, da er ordentlich Swell und saubere Rahmenbedingungen braucht. Wenn es dann aber losgeht, wird es absolut heftig! A Cave ist eine nach rechts brechende Slab, nah an der Form von Teahupoo. King Kelly, John John Florence usw. haben sie alle schon gesurft. Das zu sehen ist ein absolutes Highlight!

Welcher ist der überbewerteste Spot rund um Ericeira?

Wer sich auf Surf Reports verlässt, wird immer nur die bekannten Spots surfen. Überbewertet sind die nicht unbedingt. Aber meistens überfüllt!

Was hat Ericeira bei Wellenflaute oder schlechtem Wetter zu bieten?

Skaten, Mountainbiken oder ein Ausflug nach Lissabon, was nur 45 Minuten mit dem Auto entfernt liegt.

Größte Touri-Falle?

Manchmal wird auf den Restaurantrechnungen mehr abgerechnet, als tatsächlich konsumiert wurde. Das sind nur kleine Beträge. Es lohnt sich aber trotzdem, da mal genauer hinzuschauen!

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Wo isst man am besten?

Zum Mittagstisch in ein einfaches Restaurant am Straßenrand gehen. Je mehr Bauarbeiter Fahrzeuge davor stehen, umso besser! Das ist ein Erlebnis und ein Stück portugiesische Kultur.

Gegessen wird natürlich der „Prato do dia“.

Deine Lieblings Bar?

Die einfachen local Kaschemmen am Straßenrand.

Wie findet man eine gute Unterkunft?

Mittlerweile ist das Angebot groß. Wir vermitteln ein paar ausgewählte Unterkünfte über unsere Webseite www.tresondas.de. Mit unseren Unterkünften haben wir über Jahre hinweg gute Erfahrungen gemacht.

Dein Lieblings Local?

Nette Locals gibt es einige. In meinem neuen Surf-Roman „Portuguese Lines“ beschreibe ich einige schöne Anekdoten. Beispielsweise wird auch erklärt, wie damals die Surfspots um Ericeira erschlossen wurden. Oder warum die Einheimischen die Touristen „Bifes“ nennen.

 


Portuguese Lines: Surf-Roman

von Frithjof Gauss

Portuguese Lines Ansicht 3d B 1

Inhalt: "Pepe will surfen! Das Problem: Wir befinden uns im Portugal der 1970er Jahre - und es gibt keine Surfbretter. Oder nur ein paar, die englische Surftouristen auf ihren Reisen nach Nordafrika in Portugal lassen. Aber Pepe bleibt dran - und wird ein portugiesischer Surf-Pionier. Zwischensurfenden Hippies, seinem unglücklichem Bruder Rui und Drogen, die immer öfter auftauchen. Zwischen Unabhängigkeitskampf, krummen Geschäften und Kommissaren, die plötzlich verschwinden. Dreißig Jahre später: Auch Jan ist fasziniert von den portugiesischen Lines, den Wellen des Atlantiks. Jan verlässt Sylt, um in Ericeira seinen Traum von der eigenen Surfschule zu verwirklichen. Aber auch in Portugal gibt es Behörden und Locals, sonderbare deutsche Surfschüler und dann auch noch zwielichtige Angebote. Aber der Tag wird kommen, an dem Jan und Pepe sich begegnen ... Ein Roman über die Linien des Lebens. Über große Lebensträume, ungewöhnliche Freundschaften - und über Surfen!"

Erhältlich als Taschenbuch (236 Seiten) zum Preis von 10,99 €



Fotos: Pedro Mestre / 3 Ondas