Pro und Contra Surfen bei Olympia

Das Olympische Komitee ist dicht am Puls der Zeit. Die hippen Herrschaften der Führungsriege haben erkannt, dass es mit den Olympischen Sommerspielen so einfach nicht weiter gehen kann. Frischer Wind muss her!

Also wurden kurzerhand alle IOC Hebel in Bewegung gesetzt: Enkel wurden interviewt, Mypsace-Umfragen gestartet… was man eben so unternimmt, um die Stimme der Jugend einzufangen. Und die Stimme der Jugend hat gesprochen: Als Fackelträger der neuen olympischen Coolness kommt eigentlich nur eins in Frage: „The exciting and youthful lifestyle that is Surfing'“ (O-Ton ISA Präsident Fernando Aguirre)... und natürlich Bowling, Rollschuhfahren und Tauziehen (im Ernst!).

Insgesamt haben es 26 spektakuläre Sportarten in die illustre Shortlist für Tokyo 2020 geschafft. Einiges wurde wieder gestrichen, doch wir stehen immer noch an oberster Stelle, druckvoll angeschoben von der Erfolgswelle des Wavegardens und seines ersten Ausläufers in Wales.

Denn darauf wird es wohl hinaus laufen: Chancengleichheit durch mechanische Perfektion. Oder seelenlose 3-Turn plus Chop-Hop Monotonie – je nachdem wen man fragt, erhält man eine von zwei Antworten: Auf keinen Fall / Auf jeden Fall! Korrupte Schweine / Würdenträger der Sportwelt! Schwarz / Weiß! 

Auch wir nehmen die Sache natürlich nicht auf die leichte Schulter und wollen euch mit folgender Liste an Für und Wider Argumenten bei der persönlichen Entscheidungsfindung unterstützen.

 

5 Gründe warum Surfen UNBEDINGT olympisch werden muss: 

 

#1

Irgendwo da draußen, in der kasachischen Savanne, dem chinesischen Großstadt-Dschungel oder dem Hinterland Nebraskas lebt ein kleiner Grommet, der 2020 zum ersten Mal eine gesurfte Welle sehen wird. Und es wird völlig egal sein, dass diese in einem Süßwasser-Teich vor sich hin schwabbelt. Der Stoke wird echt sein... und danach ist die Welt nicht mehr die gleiche für den zukünftigen Mini-Ripper. Das allein wäre es schon wert.

 

#2

Albee Layers Heats beim Redbull Unleashed Event in Wales. Mauis Aushängeschild ersurfte sich zumindest ansatzweise die Anerkennung, dass Wavegarden-Wellen mehr hergeben als 3 schlappe Snaps.

 

#3

Der Unterhaltungswert des Events hängt direkt von der Qualität der künstlichen Welle ab und bis 2020 kriegen es die Japaner sicher auf die Reihe, Pipe per Knopfdruck durch den Pool zu feuern!

 

#4

30 Minuten Surfen - ganz gleich in welcher Form - sind immer noch besser als 30 Minuten Kugelstoßen.

 

#5

Die WSL-Jungs geben in ihren Hawaii-Hemden ja schon eine bemitleidenswerte Figur ab, wenn sie versuchen unseren Sport den Mainstream-Massen verständlich und schmackhaft zu machen. Wir erhoffen uns ungeahnte Höhen der unfreiwilligen Komik vom olympischen Vortanzen der Kommentatoren und Experten.

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5 Gründe warum Surfen AUF KEINEN FALL  olympisch werden muss: 

 

#1

Habt ihr mal euren Freunden von der freiwilligen Feuerwehr oder irgendeinem anderen Teil eures weniger hydrophilen Bekanntenkreises den Replay einer 10 gezeigt und dafür nur leere Blicke geerntet? Surfen - und besonders der technischen Aspekt, der aus einer 6.4 eine 9.1 macht – ist für alle Landratten stinklangweilig. (Es sei denn, es geht um 20 Meter hohe Wellen in Nazaré in der Tagesschau oder maskierte Bankräuber auf Pro7).

 

#2

Bobby Martínez: "I don't wanna be a part of this dumb fuckin' wanna be tennis tour!" Während Dane, John John und Co. bei der World Tour noch ein Auge zudrücken, wenn es ums gelbe Jeep-Leaders Jersey, die Samsung Galaxy Replays und das Corona-Werbe-Dauerfeuer geht, könnte Olympia für die meisten Pro Athleten dann doch zu viel des Guten sein (oder dürfen die als Profis eh nicht starten?). Also blüht uns Schwimmbad-Action mit der QS-Reservebank – klingt nicht wirklich vielversprechend...

 

#3

Olympias Stern hängt schief und „The exciting and youthful lifestyle that is Surfing“ soll das richten... Aber was bleibt eigentlich noch von diesem Lebensstil, wenn man den Strand durch Kabinen und die Dünung durch Hydraulik-Pflüge ersetzt? Die Vorfreude, das Warten auf den einen perfekten Tag, die gesamte Bindung zum Ozean – all das geht flöten, wenn man die Natur aus der Gleichung streicht. Klar, wenn wir könnten, würden wir uns auch eine Wave in den Garden pflanzen, aber es ist und bleibt eine Notlösung und keine wirklich würdige Repräsentation des Surfens auf der ganz großen Bühne. 

 

#4

Wir sollten dankbar sein. Dankbar für diesen wunderbaren Werbeclip der uns einmalige und visionäre Einblicke in die Zukunft des Surfens gewährt: überarbeitete Architekten schnallen ihr finnenloses Brett  auf den Prius, glückliche Starbucks-Hipster schieben ihre Boards auf dem Rad spazieren, amputierte Kriegs-Veteranen nehmen lässig Brett und Beine in die Hand und alle haben das gleiche Ziel: den Nland Surfpark in Austin Texas. Authentischer geht's nicht und für die Namensgebung gibt's nochmal Zusatzpunkte! Tokyo 2020 könnte der optimale Startschuss für diese rosige Zukunft sein.  

#5

Egal wie das Ganze letztendlich ausgeht – die Aufregung ist ohnehin umsonst. Spießige Team Uniformen und wehende Flaggen sind nicht dein Ding? Dann geh in der Zeit doch einfach selbst ins Wasser, lies ein gutes Buch oder zieh dir eben 'ne Runde Kugelstoßen rein. Wird die Nummer saupeinlich? Unter Umständen. Totlangweilig? Kann passieren. Aber die Seele des Surfens geht durch die Olympischen Spiele nicht vor die Hunde. Dein Secretspot wird am Tag nach der Medaillen-Vergabe nicht komplett von übermotivierten Novizen überrannt und an deiner nächsten Welle wird sich nichts ändern. Alles in Butter also - Kein Grund zur Panik ;)