Am 16. April ereignete sich an der Eisbachwelle im Englischen Garten in München ein tragischer Surfunfall. Bei einer Abendsession verfing sich nach einem Sturz die Leash einer 33-jährigen Surferin vermutlich an den Störsteinen im Bachbett (siehe Bild unten). Die Strömung drückte die Surferin unter Wasser. Nach Medienberichten dauerte es 30 Minuten, bis die Frau durch die alarmierten Strömungsretter der Münchener Feuerwehr aus dem Eisbach geborgen und reanimiert werden konnte. Obwohl sich der Gesundheitszustand der Frau zwischenzeitlich stabilisiert hatte, verstarb sie eine Woche nach dem Unfall im Krankenhaus.
Im Namen der gesamten BLUE-Redaktion möchten wir den Hinterbliebenen und allen Angehörigen unser herzliches Beileid und tiefes Mitgefühl ausdrücken. Für alle Surfer, die bei der Session vor Ort waren und das Drama miterlebt haben, muss es ein traumatisches Erlebnis gewesen sein. Jedem, der sich an der versuchten Rettung beteiligt hat, möchten wir im Namen der Münchener Surf-Community zutiefst danken.
Aus Respekt vor den Angehörigen der verstorbenen Flusssurferin beteiligen wir uns nicht an Spekulationen zu den Ursachen und den daraus resultierenden möglichen Konsequenzen. Nur soviel: Es ist richtig, dass die Angehörigen Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt gestellt haben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft und bis zum Ergebnis der Ermittlungen werden wir nicht weiter über den Unfall berichten.
Ich würde mir wünschen, dass die Münchener Presse zu einer sachlichen Berichterstattung zurückkehrt und sich auch die Surf-Community rasch wieder beruhigt und wilde Spekulationen und Mutmaßungen unterlässt.
Es ist tragisch und traurig, dass ein Mensch im Eisbach gestorben ist. Das ist schlimm genug und tödliche Unfälle hat es leider sowohl beim Surfen als auch bei anderen Wassersportarten schon immer gegeben. Die Popularität des Riversufens ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Künstliche Surfanlagen, wie die City Wave in der Jochen Schweizer Arena in München-Brunntal, bieten dank des ungefährlichen Setups einen sicheren Einstieg in den Sport. Wer das Surfen dort lernt, steht unweigerlich irgendwann mit seinem Brett unterm Arm am Eisbach in der Schlange.

Gedenken an die verstorbene Surferin. Foto: Thomas Mandl
Ich wohne seit den frühen Neunzigern in München und beobachte als Surfjournalist die Entwicklungen des Surfens in der Stadt seither mit großem Interesse.
Seien wir ehrlich: War es da nicht eine Frage der Zeit, bis auch bei uns am ikonischen Eisbach – dem berühmtesten Surfspot einer Großstadt, etwas Schlimmes passiert?
Die Nachricht vom tödlichen Surfunfall am Eisbach hat mich und alle meine Bürokollegen tief erschüttert. Die BLUE Redaktion ist in der Bürogemeinschaft UWE26.com beheimatet, und einige Kollegen sind langjährige Surfer. Auch in meinem Freundeskreis surfen viele seit mehr als 30 Jahren regelmäßig am Eisbach. Verletzungen beim Surfen hat es am Eisbach in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Grund dafür sind meist die im Bachbett fest einbetonierten „Störsteine“. Diese stehen in mehreren Reihen quer auf dem Grund des Eisbachs direkt hinter der Welle.

Bei der jährlich stattfindenden Bachauskehr sind die "Störsteine" im Bachbett gut zu erkennen. Foto: eisbachwelle.de
Bei Stürzen kann es leicht passieren, dass die Strömung dich hinter der Welle nach unten zum Grund drückt und du Bekanntschaft mit den Störsteinen machst. Wenn du Glück hast, holst du dir nur eine leichte Prellung oder Schürfwunden ab. Was viele vielleicht nicht wissen: Wer am Eisbach surft, riskiert durch den möglichen Kontakt mit den Steinen Kopfverletzungen, Hüftverletzungen, Knochenbrüche oder Verletzungen der Wirbelsäule.
Glück im Unglück
Ich habe selbst vor einigen Jahren die leidvolle Erfahrung einer sehr heftigen Prellung gemacht. Nach einem Sturz zog es mich durchs Bachbett und ich knallte im Lendenbereich gegen die verdammten Steine. Der Aufprall war so heftig, dass mir ein extremer Schmerz in den Rücken schoss.
Während mein Board noch für einen kurzen Moment an der Leash in der Wasserwalze hinter der Welle tanzte, versuchte ich aufzutauchen. Doch der Schmerz war so heftig, dass ich meine Beine nicht normal koordinieren konnte.
Leichte Panik kam auf. Dann spülte es mich weiter, ich erreichte die Wasseroberfläche und versuchte zum Rand zu schwimmen. Ohne die Beine zu bewegen, kraulte ich zur Bachmauer, hielt mich mit beiden Armen dort fest und schnappte nach Luft. "Fühlt sich so ein Wirbelbruch an?", war mein erster Gedanke.
Am Ende hatte ich Glück im Unglück. Ein Freund half mir, aus dem Wasser und beim Ausziehen des Neos. Es offenbarte sich eine deutlich sichtbare Schwellung nur wenige Zentimeter neben den unteren Lendenwirbeln. Langsam kehrte das Gefühl wieder in meine Beine zurück und der Schmerz ließ nach. Daheim kühlte ich die Stelle mit Eispacks und legte mir über Nacht einen Salbenverband an.
Trotzdem verwandelte sich mein neues Eisbach-Souvenir über Nacht in eine mehr als faustgroße, farbenfrohe Beule.
Ich war von der Verwandlung schwer beeindruckt. Ein solch lehrbuchmäßiges Hämatom hatte ich in meiner Sportkarriere und unvermeidbaren Stürzen beim Snowboarden oder Mountainbiken an meinem Körper bisher nicht gesehen. Auch war meine Beweglichkeit im unteren Rücken deutlich eingeschränkt.

Die Bachauskehr ist immer eine gute Gelegenheit, sich den Eisbach und das Bachbett bei niedrigem Wasserstand anzusehen. Hier: Die Badekurve durch die an schönen Sommer reihenweise Schwimmer treiben. Leider sind auch beim Baden schon Menschen im Eisbach ertrunken. Foto: eisbachwelle.de
Es folgte ein Besuch beim Orthopäden, der mein Souvenir anerkennend würdigte „sowas sehe ich auch nicht alle Tage“, um mir anschließend à la Graf Dracula das Blut aus der Beule zu saugen. Keine Sorge, er verwendete dafür eine Spritze, nicht seine Schneidezähne. Der Röntgenbefund war zum Glück unauffällig.
Aber: Hätten mich die Steine direkt an der Wirbelsäule erwischt, würde ich heute vielleicht im Rollstuhl sitzen, so die Diagnose des Docs.
Nach dieser Erfahrung gab es für mich nur eine Konsequenz: Meine Karriere als Eisbachsurfer war schlagartig beendet, bevor sie richtig angefangen hatte. Ich liebe Sport, gehe gerne Snowboarden, Mountainbiken und Klettern, doch mir ist das Verletzungsrisiko beim Surfen am Eisbach einfach zu groß. Und ganz ehrlich: Ich surfe viel lieber am Meer als am Eisbach. Der Vibe, das ganze Setup mit gaffenden, filmenden Touristen und die eigenartige Attitüde einiger extrovertierter „Locals“ ist einfach nicht mein Ding.
Es dauerte fast 15 Jahre, bis ich mich hier in München wieder auf ein Surfbrett stellte. Mein ältester Sohn wollte das Riversurfen lernen und die Floßlände machte ihm den Einstieg leicht. Auch ich surfte mit meinem dicken Fish in diesem Sommer im Münchener Süden ab und zu auf der wesentlich ungefährlicheren Welle.
Der Junior hatte Blut geleckt und wenn er zusammen mit Freunden vor und nach der Schule an der E1 surfte, war ich als Vater immer froh, wenn er ohne größere Blessuren nach Hause kam.
Er wusste von meinem Unfall und natürlich hatte ich ihm die Tücken der Eisbachwelle erklärt und Tipps zum „sicheren Stürzen“ gegeben. Aber ich kenne kaum einen Eisbachsurfer, der nicht schon einmal unliebsame Bekanntschaft mit den Steinen im Flussbett gemacht hat. Für mich persönlich sind die Steine ein schwer zu kalkulierendes Verletzungsrisiko. Würde ich heute nochmal in den Eisbach springen, dann nur mit Surfhelm auf dem Kopf und Rückenprotektor unter dem Neo. Und tatsächlich sieht man seit ein paar Jahren immer mehr Surfer und Surferinnen, die sich auf diese Art vor Verletzungen schützen. Sinnvoll ist das allemal.

Tao Schirmacher, Nightsession am Eisbach. Foto: Alex Förderer
Gefahren des Riversurfens und Tipps zum sicheren Surfen
Warum schreibe ich das alles? Weil ich denke, dass es wichtig ist, über die Gefahren des Surfens am Eisbach aufzuklären. Die IGSM macht hier seit Jahren einen guten Job. Doch mir scheint, dass längst nicht alle, die sich an einem sonnigen Tag in die lange Schlange wartender Surfer am Bach einreihen, ausreichend informiert sind.
Wer am Eisbach surft, riskiert Verletzungen. Und wer am Eisbach mit einer „normalen“ Leash surft, kennt vielleicht die besondere Gefahr, die von den Störsteinen im Bachbett ausgeht, nicht oder schätzt diese falsch ein.
Riversufen an Bächen wie dem Eisbach oder das Hochwassersurfen an der Isar, haben ein ganz anderes Gefahrenpotenzial als das Surfen im Meer. Die Kraft und Gewalt der Strömung werden oft unterschätzt. Hinzu kommen Wasserwalzen, in denen man als Surfer „festgehalten“ werden kann und unberechenbare Strudel, die dich mit enormer Kraft unter Wasser ziehen.
Die tödlich-Verunglückte surfte mit Leash. Wir wissen nicht, ob sie besondere Vorkehrungen getroffen hatte, damit sich, im Fall eines „Hängenbleibens“, die Leash von selbst vom Brett oder dem Fußgelenk löst. Sicher scheint, dass sie keine selbst-lösende Leash mit Magnetverschluss verwendete, der sich ab einer gewissen Zugkraft öffnet. Wer keine solche Leash hat, kann sich anderweitig behelfen.
Eisbachsurfer, Fotograf und Kameramann Alex Förderer befestigt schon länger seine Leash nicht mit dem üblichen Tampen am Leashplug. Er verbindet die Leash mit einem sehr dünnen Kabelbinder am Board, der im Gegensatz zur stabilen Kordel bei entsprechender Zugbelastung reißt.
Designer Christian Hundertmark verwendet am Bach immer möglichst dünne und alte Leashes, bei denen der Klettverschluss, den er nur leicht schließt, schon deutlich verschlissen ist. Zwei einfache Tricks mit großer (Sicherheits-)Wirkung.

Christian "C100" Hundertmark surft seit vielen Jahren regelmäßig am Eisbach.
Warum wird am Eisbach überhaupt mit Leash gesurft?
Ohne Leash zu surfen wäre die sicherste Lösung, um Unfälle wie den vom 16. April zu vermeiden. Aber:
„Beim Surfen ohne Leash bleibt das Board nach einem Sturz häufig in der Wasserwalze hinter der Welle hängen. In solch einem Fall muss der nächste Surfer warten, bis die Walze das Board wieder freigibt oder jemand vom Rand aus das verfangene Board weiter schubst. Die Wartezeit, bis die Welle wieder frei ist, ist für alle anderen wartenden Surfer nervig“, erklärt Christian.
Aus diesem Grund ist das Surfen ganz ohne Leash am Eisbach keine praktikable Lösung
Vor allem weniger geübten Eisbachsurfer, die noch nicht kontrolliert und „sicher“ stürzen können, können sich an den Regeln der IGSM zur Verwendung der Leash beim Surfen an der Floßlände orientieren. Hier gilt: Leash nur am Arm, nicht am Knöchel befestigen oder die Leash in der Hand festhalten. Sollte die Leash unter Wasser festhängen, lässt man sie einfach los oder löst den Klettverschluss am Arm, den man unter Wasser viel leichter erreicht als das Fußgelenk.

Saisoneröffnung bei niedrigem Wasserstand an der Floßlände, München 2025
Jeder, der am Eisbach oder der Floßlände surft, kann froh sein, dass die Surfer-Community durch die IGSM gegenüber der Stadt vertreten wird. Ohne diesen Verein hätten die Münchener Surferinnen und Surfer keine Lobby und ein konstruktiver Austausch über die möglichen Konsequenzen des tödlichen Unfalls wäre schlicht unmöglich.
Wir möchten deshalb an dieser Stelle alle aktiven Münchener Riversurfer*innen auffordern, der IGSM beizutreten und so die wichtige ehrenamtliche (Lobby-)Arbeit zu unterstützen!
Hier gibt es alle Infos zur Mitgliedschaft:
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