Diese Nachricht ging am Mittwochabend wie eine La-Ola-Welle durch die (Sozialen) Medien: Gleiche Preisgelder für Stephanie, John John und Co. ab 2019? Kaum zu fassen. Endlich bekommen unsere surfenden Frauen die Anerkennung, die sie sich so hart verdient, wofür sie jahrelang gearbeitet und trainiert haben.

„Today, I feel proud to be a surfer. Well, I’m always proud to be a surfer. But today is a little different. Today, something pretty special is happening.“ Stephanie Gilmore

Das erste Mal, das Stephanie Gilmore wirklich bewusst wurde, dass ganz offensichtlich zwischen den surfenden Männern und Frauen unterschieden wird, war nachdem sie ihren vierten (!) Weltmeistertitel infolge gewann. Dabei war sie gerade einmal vier Jahre am Start. Niemand außer ihr hatte diese großartige Leistung jemals zuvor erzielt. Weder unter den Herren, noch eine von den Frauen in der Surf League. Als es an die Verhandlungen mit potenziellen Sponsoren ging, fühlte es sich für sie so an, als hätten diese nicht wirklich realisiert, was sie gerade Einmaliges geleistet hatte. Sie wollten sie partout nicht mit der männlichen Elite auf eine Stufe stellen. Ihre Schwester und Managerin Whitney war es, die knallhart für sie kämpfte, um zu erreichen, was Steph zustand. Doch nicht nur die Verhandlungen mit den Sponsoren waren nervenreibend und ein Paradebeispiel für die Ungleichheit, die sich im Surfsport abspielte. Die Events an sich waren es, die den unbefriedigenden Istzustand widerspiegelten. Nicht nur die Anzahl der Wettkämpfe war wesentlich geringer (mit fünf bis sechs Events weniger als die Hälfte), auch die Wellen waren oft madiger, als bei den Männern. Das wurde ganz bewusst so organisiert und entschieden, denn diese hatten nun mal Priorität. In jeglicher Hinsicht.

World Surf League Equal Pay

In den vergangenen Jahren hat sich in der Surf-Industrie sehr viel getan und es gibt Momente in denen die Gleichberechtigung ganz sanft durch die Wasseroberfläche schimmert, kurz auftaucht, um nach Luft zu schnappen und zu schauen, ob die Zeit wirklich reif ist. Man wünscht sie sich so sehr herbei und glaubt auch daran, wundert sich mitunter im positiven Sinne, wird dann allerdings beim Durchblättern eines Surfmagazins eines besseren belehrt. Die Frau wird nach wie vor häufig als Bikini tragendes Sexsymbol, der Mann hingegen als der Surfgott, der sämtliche Manöver beherrscht, porträtiert. Klar, sex sells. Wir haben es alle begriffen. Gähn. Dass Laura Enever Shipstern Bluff big waves oder Imogen Caldwell ebenfalls massive lebensgefährliche Wellen reitet, die noch keine Frau und nur eine Hand voll Männer vor ihr gesurft haben, geht dann halt schnell mal unter. Was häufig wesentlich mehr Relevanz erfährt ist das beste Yoga-Workout vor oder nach dem Surf, welcher Springsuit gerade besonders hip ist und welches Custom shaped Board das allerschönste ist. Logisch, das alles geht Hand in Hand und macht auch sicherlich großen Spaß. Aber sollten Selbstbewusstsein, Courage, Können und Intellekt nicht eigentlich viel bedeutsamer und verkaufsfördernder sein? Wäre das nicht absolut 2018?

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Fakt ist, die WSL hat mit ihrem gestrigen Announcement einen immensen Schritt in die richtige Richtung absolviert und somit den Grundstein für die Gleichberechtigung im Surfsport gelegt, aber hoffentlich auch allen anderen Sportarten dieser Welt einen Anreiz geboten. Die Hoffnung, dass Frauen auch in anderen Berufen, fernab des Surfsports, gleichberechtigt und gleich bezahlt werden, stirbt vermutlich zuletzt.

#catchthiswave