Rom steht in Flammen, das Inferno flimmert in HD über unsere Bildschirme und Joe Turpel und Kollegen besingen den Untergang mit bizarren Lobeshymnen. Der Freshwater Pro 2019 war ein Trauerspiel mit makabrem Unterhaltungswert, das nicht symbolträchtiger hätte sein können.

Surf Ranch Pro Bluemagazine
Welcome to Lemoore.

Während auf der ganzen Welt beim #GlobalClimateStrike Zeichen für den Klimaschutz gesetzt werden, schmeißt die WSL ihre stromfressende Wellenmaschine im kalifornischen Hinterland an. Und während Zentralkalifornien mit verheerenden Dürreperioden zu kämpfen hat, verdampfen täglich bis zu einer Millionen Liter "Freshwater" in der sengenden Mittagshitze Lemoores. Ziemlich drastischer Kontrast, doch für die WSL scheinbar noch zu subtil, denn alle 10 Minuten wurde eine animierte Kurzpredigt zur Reduktion der CO2-Emissionen eingeblendet - gefolgt von Raimana van Bastolaer, der auf seinem Jetski dem stählernen Hydrofoil-Zug hinterherjagt.

Surf Ranch Freshwater Pro
Die Oase aus der Vogelperspektive.

Ok, absurd. Doch stellt euch vor, ihr habt jahrelang alles auf eine Karte gesetzt, euch durch etliche 3-Star QS Events gekämpft und seid jetzt endlich auf der Tour - um letztendlich drei bis vier Stunden landeinwärts zu fahren, im Tachi Palace Provinzcasino abzusteigen und dann genau zwei Testwellen zu bekommen, bevor ihr im neuen Format, das kein Mensch versteht, mehr Punkte habt als Owen Wright, doch trotzdem nicht ins "Finale" kommt und nach einer Handvoll Wellen und mit einem Sonnenstich wieder fahren könnt.

Die ganze Anlage und das Event an sich, wirken wie ein zynischer Scherz, in Zeiten in denen den Meisten das Lachen vergangen ist. Auch die Pros hatten in ihren Postheat-Interviews nur verzerrte Grimassen parat. Unabhängig davon, dass es erniedrigend ist für Weltklasse-Athleten, an der Nase durch diese erbärmliche Marketingmanege geführt zu werden, ist "Die Ranch" ungeeignet für Contestsurfen auf höchstem Niveau. Höchstens die Endsection der Right bot Potential für Progression, doch bis man da ankommt, steckt einem die Monotonie der vorherigen 20 Top-Turns/Foamclimbs in den Knochen. So gaben die meisten Pros ein ziemlich jämmerliches Bild ab. Julian landete einen Bigspin und Medina konnte der Welle seinen Willen aufzwingen, ansonsten gab es so wenig zu sehen, dass Ronnie Blakey und Barton Lynch selbst den hundersten Foamclimb noch bejubelten.

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Commentators Freshwater Pro
Who loves Foamclimbs more than these guys?

Wer diese endlosen Plattitüden nicht mehr ertrug, konnte am Finalsday parallel den Pirate-Commentary der Kollegen Chas Smith (Beachgrit) und David-Lee Scales (Surf Splendor) laufen lassen. Nach Jahren des Euphemismus-Dauerfeuers, muss man sich erstmal wieder dran gewöhnen, wenn die Dinge beim Namen genannt werden: Italo wurstet sich auf einer Left einen ab. Joe Turpel: "Releasing the tail there, Italo on fire!". Chas Smith: "That was pathetic". Falls es einen zweiten Anlauf beim Quik Pro France gibt, könnt ihr ja mal reinhören. Ich weiß auf jeden Fall, welchen Stream ich lautlos schalte.

Das Licht am Ende des Tunnels? Es macht ein Gerücht die Runde, dass das Event für nächstes Jahr von der Tour gestrichen ist. Und für den Rest des Jahres müssen wir uns jetzt nicht mehr mit Kelly's Teich beschäftigen.

Eine letzte Anmerkung/Frage noch: In welchem anderen professionellen Sport wäre es denkbar, dass einer der Wettkämpfer sich sein eigenes Spielfeld baut, eine Mauer drum zieht, Jahre drin an seiner Kür feilt, seinen Kontrahenten zwei Proberunden erlaubt und dann schnell noch neue Regeln einführen lässt? Komm schon, Kelly...

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Wir danken Pure Surfcamps für die Unterstützung.