Kapitel 2 des Mittelmeer-Selbstversuchs von Blue Autor Tom Frey befasst sich mit dem Festland von Bella Italia, genauer gesagt mit Toskana und Ligurien.
Richtig hohes Gebirge trifft auf Meer (Ligurien) und nicht ganz so hohes Gebirge trifft auf Meer mit größeren Abschnitten von Schwemmland dazwischen (Toskana) - Das verspricht spannende Landschaften. Dazu die Italien-typische hohe Dichte an Kulturgütern und Dolce Vita am sanften Mittelmeer. Die Küste von der französischen Grenze bis Viareggio ist nicht umsonst seit den Sechzigern eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen.

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Doch halt, sanftes Mittelmeer? Im Winter ist es hier alles andere als sanft. Liguriens nach Süden ausgerichtete Küste fängt Swells aus südlichen bis westlichen Richtungen ab während die Toskana den nicht zu unterschätzenden Vorteil hat, dass der Mistral es in der Regel nicht bis hierher schafft, die durch ihn angeschobenen Wellen aber sehr wohl. Die Breaks in der Toskana bieten dabei eher sanftere Wellen, die auch dann noch Spaß machen, wenn sie nur schulterhoch rein laufen, während Ligurien eher die heftigen Breaks hat, die ein recht hohes Maß an Können verlangen um sie mit Spaß surfen zu können.

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Für unseren Autor sind diese Gegenden alles andere als Terra Inkognita, daher wurden sie dieses Mal nur als Durchreisestation genutzt. Vier surfbare Tage bei 4 Tagen Aufenthalt sind daher eine ziemlich gute Ausbeute, statistisch durch die kurze Aufenthaltsdauer aber nicht wirklich repräsentativ. In der Regel kann man in diesen Regionen im Winter an 5 von 7 Tagen surfen.
Durchaus repräsentativ aber war die Qualität der Wellen. Die Toskana hatte bei noch knapp 20 Grad Wassertemperatur Anfang November einen schönen sonnigen und windstillen Tag mit anfangs kopfhohen und im Laufe des Tages abnehmenden Wellen im Angebot, der am 30 Kilometer langen Sandstrand zwischen Viareggio und dem Küstengebirge bei La Spezia eine Vielzahl von Sandbänken zum Leben erweckte.

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Am beliebtesten waren die Spots an den Seebrücken, da man sich durch einen Sprung von selbigen viel Paddelarbeit ersparte. Shortboard , Longboard und alle Hybride dazwischen waren eine passende Wahl und es bestand keine Gefahr dass die Planke brechen könnte oder längere Hold Downs die Grenzen der Lungenkapazität ausloten würden. Toskana-typische Spaßwellen halt.
Die Session Mitte Dezember in einer Bucht an der ligurischen Küste dagegen war – nicht untypisch für die Gegend – schon anspruchsvoller. Der Swell aus Südwesten war mit knapp 2 Meter gar nicht mal so außergewöhnlich groß und traf – was eher seltener vorkommt – auf einen anfangs noch kräftigen Offshore. Die Folge war ein Barrelfest für diejenigen, die surfen konnten und wussten, welche Welle man anpaddeln sollte.

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Fazit: die Kombo Ligurien / Toskana – die Spots liegen zwischen einer halben bis einer Stunde Fahrt auseinander – hat ein Mix aus soften Spaßwellen und kräftigen, oft hohl brechenden Wellen im Angebot und funktioniert bei Windrichtungen von Nordwest über Nordost bis Südost. Swell-Frequenz (es kann durchaus auch mal für 4 bis 5 Tage völlig flach sein) und Größe kommen natürlich nicht annähernd an den winterlichen Atlantik ran. Die größere Variabilität bezüglich Windrichtungen und die fehlenden Tiden (wenn Welle da ist, läuft der Spot solange der Swell durchhält) können aber dem Ottonormalsurfer durchaus mehr Surfsessions einbringen als an vielen Stellen des Atlantiks. Doppelt kopfhoch ist dabei eher selten, aber wer von uns braucht das wirklich?