Dion Agius Blue Interview

Dion Agius ist das große Geheimnis im Surfzirkus. Ein ungelüftetes Rätsel. Mythos oder Marketingstratege? Ein alleskönnender Modelversteher oder kluger Geschäftsmann, der aus so wenig so viel gemacht hat? Einfach nur aus Tasmanien oder Vater aller selbstinszenierenden Surf- Blogs? Eine Legende, die sich hinter einem immer wieder falsch ausgesprochenen Nachnamen vereint. Eine nicht mehr wegzudenkende Abwechslung zu Surfern, die vor neun im Bett liegen und zum Abendbrot eigentlich nur Avocado essen. Oder vielleicht einfach nur der Versuch, mit viel Anstrengung, immer möglichst gelassen auszusehen. So als würde hinter gutem Stil kein ernsthafter Gedanken stecken. Keine Strapazen. Keine Regentage. Wer also ist Dion Agius? 

Um das herauszufinden wollten wir uns eigentlich schon gestern treffen. An einem sonnigen Wintertag in Münchens Messestadt-West. Ich war pünktlich, höchstens eine halbe Stunde zu spät (cool). Dion hingegen musste direkt seinen Anschlussflieger verpassen (noch cooler). Dafür heute unter Freunden zusammen mit Zeitgeist Kai Neville und dem vollen Stolz auf bayrischen Waden, Simon Strangfeld.

DionAusschnitt

Dion Agius.

Konstantin: What’s up Legend? Letzte Woche erst war ich in Berlin, um deinen Film zu sehen! Mutig, dass du ihn erst einmal nur im Offline zeigst und nicht durch die Weiten des Internets jagst, bis er in Bedeutungslosigkeit versinkt.

Dion: Das war mir diesmal verdammt wichtig. Dafür sprechen auch die Aufnahmen auf Film. Und wie cool, dass Leute in Berlin oder Kopenhagen über Amsterdam, sogar bis nach Russland zusammenkommen, um den Film zu sehen. Wir arbeiten bereits am nächsten Clip, den wir in den kommenden zwei Jahren in Tasmanien drehen wollen. Ich wäre zu gerne vorbeigekommen, war aber noch in Australien und musste letzte Woche auch noch umziehen.

Konstantin: Wohin bist du gezogen?

Dion: Ich wohne jetzt zusammen mit Warren Smith in Los Angeles.

Konstantin: Warren Smith ist das zweitgrößte Geheimnis im Surfzirkus! Habt Ihr nicht mal zusammen ein Haus in Neuengland gemietet und einen Winter lang nur Filme entwickelt?

Dion: Ja, und es war so verdammt kalt. Warren war drei Monate da, ich einen oder anderthalb und permanent besuchten uns Freunde. Wir hatten eine Dunkelkammer in der Garage und einen Heizlüfter, der die Chemikalien auf Temperatur gehalten hat, die zum Entwickeln nötig sind, dazu aber keine wirkliche Lüftung. Dass wir permanent hochgiftige Dämpfe inhaliert haben, ist uns erst viel später klargeworden.

Konstantin: What‘s Warren up to?

Dion: Er arbeitet gerade vorwiegend mit Dane Reynolds und Craig Anderson an einer neun Surfmarke. Er hat den Posten des Creative Director, Brand Manager und Whatever übernommen. Eigentlich von allem ein bisschen. Er ist einfach so verdammt klug und die Marke steht nicht zuletzt durch das starke Team vor einer vielversprechenden Zukunft. Ansonsten fotografiert er viel und surft, aber nicht mehr als Free Surfer.

TheBoys

Simon Strangfeld und Kai Neville stoßen dazu und bringen Bier mit.

Kai: Cheers.

Konstantin: Cheers. Simon ist einer der Eisbach-Rippers.

Simon: Cheers Boys!

Dion: Cheers Simon. Schön dich kennenzulernen. Bricht diese Welle das ganze Jahr über?

Simon: Gleichfalls Dion. Eigentlich bricht sie nie wirklich. Entschuldige, dass ist leider kein typisch- bayrisches Bier, aber wahrscheinlich besser als jedes andere australische Bier, das du gewohnt bist.

Dion: Ich habe gehört Augustiner ist das Beste hier. Aber ich mag sie alle, bis auf Foster, Bud Light und Budwiser. That Shit is so fucked!

Kai: Wir hätten vielleicht auch in die Bierindustrie einsteigen sollen. Ist wahrscheinlich lukrativer als Sonnenbrillen.

Konstantin: Kai, wer ist Dion Agius denn jetzt wirklich?

Kai: Weiß eigentlich irgendwer wer Dion ist [haha]? Verdammt und wir kennen uns schon so lange. Er ist definitiv der produktivste und gleichzeitig ineffizienteste Mensch, den ich kenne. Er hat so viel auf der Agenda, dass er hier und da schnell den Überblick verliert.

Dion: Kai ist das komplette Gegenteil, die pure Effizienz. Ich versuche immer super produktiv zu sein und herauskommt das komplette Gegenteil. Es geht einfach zu viel im Moment. Heute sind wir hier in München. Nächste Woche bei unserer EPØKHE-Produktionsstätte in Italien und dann fliege ich direkt nach Mozambique. Für mich dreht sich die Welt gerade um EPØKHE und Surfing.

KaiNeville

Das ist Kai Neville wirklich.

Konstantin: Lebt Ihr Jungs wirklich das filmreife Leben, das durch die Medien und Filme transportiert wird? Partys, Models, Jetlags, Hotels, Happy und zurück?

Kai: Definitiv! [haha, Joke?] Es ist genauso wie du es dir vorstellst, vor allem bei Dion. Trotzdem steckt dahinter auch eine ganze Menge Arbeit. Vor allem weil wir unsere Finger in so vielen Projekten gleichzeitig haben. EPØKHE, WHAT YOUTH und das ganze Filming. Ich habe sogar über Weihnachten arbeiten müssen.

Dion: Dieser Lifestyle macht einfach Spaß. Und das ist eben genau das, was wir mit unserer Arbeit haben wollen. Dass sich Leute dadurch angesprochen fühlen und sich dafür interessieren, kommt dazu. Keine Freundin zu haben ist definitiv von Vorteil, wenn du viel reist, mit Mädchen rumhängst und hin und wieder verkatert aufwachst. Je älter ich werde, desto mehr versuche ich jedoch meine Prioritäten richtig auszurichten. Die Hangover werden auch härter. Du kannst nicht die ganze Zeit ein „drunk hangover dickhead“ sein. Wir sind verdammt dankbar, dieses Leben führen zu dürfen. Vor allem die Zeit, als wir Modern Collective gemacht haben, war legendär.

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KaiChampagne

Glas half full kind of guys!

Konstantin: Ich kann einfach nicht glauben, dass Ihr dafür bezahlt werdet. Also hast du kein festes Mädchen?

Dion: Nein. Deswegen kann ich wahrscheinlich auch auf so vielen Hochzeiten tanzen, viel Reisen und letztlich sehr produktiv sein. Ich hatte noch nie eine richtige Freundin. Nicht, dass ich keine will, aber die Liebe macht jedes Reisegepäck schwerer.

Konstantin: Ihr führt auf jeden Fall immer noch die Coolness-World Tour an. Ist euch das wichtig?

Dion: Fuck No! Auf keinen Fall. Wir machen einfach, was uns Spaß macht. Das wirkt vielleicht auf viele ziemlich cool, was aber nur daran liegt, dass wir tun, was wir lieben. Wir haben einfach einen anderen Ansatz, eine andere Herangehensweise, die das Interesse der Leute geweckt hat. Für uns ist es einfach ein anderer Weg sich auszudrücken, indem wir Dinge zeigen, die außerhalb des Wassers passieren.

Konstantin: Viel interessanter! Mit Full Rotations und Monster-Barrels kann ich eh nix anfangen. Das habt Ihr definitiv ins Game gebracht. Horizont erweitert.

Dion: Als ich jünger war ging es mir genauso. Ich habe mir Videos reingezogen, in denen Taj Burrow coole Autos fährt, mit Chicks rumhängt, Bier trinkt und ein partyreifes Leben feiert. Damit konnte ich mich identifizieren und damit wurde er für mich greifbar.

Kai: Wir sind einfach nur stoked, dass die Menschen auf unseren Output reagieren und es feiern. Wir sind eine kleine Gruppe im großen Ganzen und wissen diesen Lauf sehr zu schätzen. Dass sich Leute für unsere Arbeit interessieren, ist keine Selbstverständlichkeit. Das gleiche gilt für unsere Marke EPØKHE. Wir schauen was es außerhalb der Surf-Bubble gibt und bringen es mit in diese Blase. Wenn du immer nur machst, was alle in der Szene tun, hast du schlichtweg keinen Erfolg. Deswegen wollten wir eine Brillenmarke kreieren, die wir tragen wollen ohne dafür bezahlt zu werden.

Simon: Wie wichtig ist Surfing für EPØKHE?

Dion: Im Surfen liegen unsere Wurzeln, auch wenn wir nicht oft drüber reden. Es gibt einfach mehr da draußen, als „nur“ Surfing. EPØKHE kommt aus der Surfszene, was durch äußere Betrachtung jedoch nicht gleich ersichtlich wird. Wenn man sich dann aber die Teamrider anschaut, wird schnell klar, um was es sich handelt. In diesem Jahr planen wir zudem einen EPØKHE Surf Clip mit Kai. Unser Ziel ist es, zu einer angesehen Brillenmarke der Surfindustrie zu werden, aus der vieles weitere wachsen kann.

Kai: Hat noch jemand Bier über?

Simon: Ich! Aber habe gerade noch mit einer Grippe zu kämpfen.

Konstantin: Nimm von mir. Kerngesund und stets verhütet.

Kai: [haha] Ihr Deutschen macht mich fertig. Was ich noch sagen wollte, bevor ich es vergesse: Skateboarding ist ein gutes Beispiel. Ich feiere es ziemlich, obwohl ich nicht Skaten kann. Aber es begeistert mich, die Jungs hinter den Kulissen zu sehen. Ich kann mich ihnen als Mensch identifizieren. Was für Musik sie hören, wie sie sich geben und was sie tragen.

Konstantin: Ihr könntet definitiv auch als Europäer durchgehen! Feste Schuhe, solide Jeans und Bier aus modischen Sektgläsern.

Kai: Weil alles, was wir Australier tragen aus Boardshorts und Flipflops besteht oder was [haha]? Oder sollen wir mal einen „Shoey“ machen [bei einem Shoey trinkt man ein kleines Bier aus einem Schuh]? Ich glaube, dass genau das Land, aus dem du eben nicht kommst, immer das interessantere bleibt. Europa ist der Hammer, weltmännisch. Wir kommen im Sommer wahrscheinlich wieder nach Portugal. Was Fashion angeht, ist Europa aber definitiv nicht so experimentierfreudig.

Konstantin: Manche eurer Brillen-Styles sind wirklich sau originell. Mir steht experimentell nicht.

Dion: Ich glaube ein paar Styles würden dir ziemlich gut stehen. Du hast einen ziemlich großen Kopf, so wie Jack Freestone. Der hat einen riesigen Kopf und trägt immer zu kleine Modelle, was in meinen Augen keinen Sinn macht. Ich habe einen runden Kopf und trage die kleinen eckigen Modelle. Interessant, wie unterschiedlich jedes einzelne Gesicht auf die individuelle Form einer Brille reagiert.

Simon: Du hast keinen runden Kopf! Ich hab einen runden Kopf.

Konstantin: Und du Kai?

Kai: Jungs, lasst uns bitte lieber Bier holen.

KaiNevilleUSA

Dionerzhlt

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Text & Bild: Konstantin Arnold (www.bynd-mag.com)