Die spanische Organisation Surf and Clean bringt ein digitales Surf-Comic heraus. Zwei Dinge machen das Projekt besonders: Das Comic dient dem Schutz der Meere. Und: der Protagonist kannst du selbst sein – wenn du jetzt ihre Crowdfunding Kampagne unterstützt.

Der Gründer von Surf and Clean, David Blanco, hat uns bereits ein paar Details aus dem Comic verraten – zum Beispiel warum in der Geschichte eine SurferIN eine spezielle Rolle hat.

David Blanco
David Blanco, Mastermind behind Surf and Clean.

David, du hast Surf and Clean mit gegründet und bist quasi der Kopf der Organisation. Wie kam es dazu?

Surf and Clean ist aus einer Gruppe von Freunden entstanden. Wir waren immer zusammen in Somo surfen, ein Strand in Kantabrien. Eigentlich mehr zum Spaß fingen wir eines Tages an, bei jeder Surfsession Abfall vom Strand aufzulesen. Damals war uns überhaupt noch nicht bewusst, wie global dieses Problem ist.

2011 war ich dann auf einem Musikcamp auf Menorca und ein Freund hat mich zu versteckten Buchten mitgenommen. Meist mussten wir über eine Stunde laufen, um sie zu erreichen. Dort war kein Mensch - aber Müll. In diesem Moment wurde mir klar, dass dieser nicht nur von Leuten kommen kann, die ihren Abfall achtlos am Strand liegen lassen.

Zwei Jahre später ging ich wieder nach Menorca, um dort als Musiker einen Sommer zu arbeiten: Die Situation hatte sich um das dreifache verschlimmert. Da dachten wir: Wir müssen etwas tun.Wir gründeten eine Facebook-Gruppe. Ich begann Informationen über das Thema zu sammeln, ging auf Konferenzen und sprach mit Umweltschutzorganisationen. Wenige Monate später gründeten wir die Organisation Surf and Clean.

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Leave only footprints.

Dabei war uns eines wichtig: Wir wollten nicht von Geld abhängig sein, so wie andere Organisationen nur über die Spenden ihrer Mitglieder existieren. Es geht doch darum, etwas zu tun, und nicht von den Menschen zu verlangen, dass sie dir erst dafür Geld geben.

Aber für euer Surf-Comic wollt ihr Geld von den Leuten?

Klar, für spezielle Projekte sammeln wir Geld. Unsere Partner von Surf und Comics sind professionelle Comic-Zeichner und machen ihre Arbeit nicht umsonst.

Abgesehen von punktuellen Projekten wie diesem, haben wir aber keinerlei laufende Kosten – wie etwa für ein Büro oder Eigenwerbung. Das Geld der Kampagne fließt an die Comiczeichner und in ein Plakat, dass wir für Surfschulen aus dem Comic machen wollen. Surf and Clean hat keine Einnahmen durch die Kampagne.

Welche Idee steckt hinter dem Comic?

Wir wollen vor allem Surfschulen ein Werkzeug in die Hand geben, mit dem sie selbstständig ihre Schüler über die Meeresverschmutzung aufklären können. Wir selbst können nicht an alle Surfschulen abklappern, um Seminare zu geben. Das würde am Ende auch wieder finanzielle Abhängigkeit schaffen. Die Surfschulen können das eigenständig in ihrem Surfunterricht integrieren. Eine ähnliche Idee verfolgen wir für die Ausbildung der Surflehrer selbst. In den vergangenen Jahren haben wir die Surfer-Dachverbände in Spanien dazu gebracht, Meeresschutz als Unterrichtsblock in ihre Ausbildung zu integrieren. So können die Surfprofs danach ihr Wissen im täglichen Surfunterricht einbauen. Dabei geht es hier um ganz simple Dinge: Sie lernen zunächst, wie man einen Strand kategorisiert, also welchen Abfall man dort findet. In einem zweiten Schritt wird erklärt, was man tun kann, um diese Verschmutzung zu vermeiden.

Norden Surfboards - Article Banner

Surflehrer übernehmen dabei auch eine Vorbildfunktion. Ein Trick ist zum Beispiel, dass sie für sich eine auffüllbare Trinkflasche mit zum Unterricht bringen. Die Schüler fragen dann meist ganz von alleine, was es damit auf sich hat und ahmen den Surflehrer bestenfalls nach. Wenn Surfschulen bei unserer Crowdfunding Kampagne mitmachen, können sie den Comic auch personalisieren, dann ist ihre Schule Teil der Geschichte. Damit prägt sich die Vorbildfunktion noch weiter aus. Auf der anderen Seite können sie den Comic so auch für die Eigenwerbung nutzen.

Unterstützt man eure Kampagne, kann man aber nicht nur seine Lieblings-Surfschule auswählen, sondern auch sich selbst zum Hauptdarsteller machen. Was hat es damit auf sich?

Als die Idee für den Comic aufkam, hatte ich die Befürchtung, dass das Thema Meeresschutz die Leute langweilt - selbst in ein "cooles" Comic verpackt. Surfer wollen Tubes surfen und aggressive Aerials stehen und das ganze Blabla... Vielleicht fünf Prozent von ihnen wollen wirklich etwas für das Meer tun, auch wenn alle non-stop ihre "Big Love" für das Meer verkünden.

Foto3 Verkami Ingles
Surf and Clean: Be the hero!

Damit sich die Surfer also mit dem Surfcomic identifizieren können, ist der Hauptprotagonist genau so ein Typ: Er hat nichts anderes im sinn als nach der perfekten Welle zu suchen und denkt, weil er gut surft, hat er mehr Rechte im Wasser als die anderen. Da er besonders "cool" ist, postet er auf Instragram unentwegt Fotos von sich und seinen Surftrips nach Indo oder Hawaii. Aber genau auf einer dieser Surfreisen trifft er ein Mädchen, eine einheimische Surferin. Und diese öffnet ihm die Augen, und zeigt ihm, dass Surfen mehr ist, als die perfekte Welle. Er lernt von ihr, was ihm das Meer noch alles geben kann. Und er versteht, wie wichtig der Respekt für die Natur und sein Umfeld ist.

Warum zeigt ihm das alles ein Mädchen?

Frauen sind für diese Themen sehr viel sensibler als Männer. Für mich ist es nur fair, dass es eine Frau ist. Das feminine Surfen hat generell viel mehr Achtung verdient. Ich habe hier in der Surfschule in Carballo fast nur Mädels im Unterricht und es macht richtig Spaß mit ihnen.

Frauen schätzen die Dinge in ihrer Ganzheit. Ein Surfer beispielsweise misst sein Jahr danach, wie viele Tubes er gesurft ist. Eine Frau, die vielleicht auch richtig gut surft, kommt aus dem Wasser und es ist ihr egal, ob sie einen Barrel geritten ist oder nicht.

Der Countdown läuft: Man kann nur noch bis zum 4. September für die Kampagne spenden. Seid ihr nervös? 

Es läuft nicht schlecht. Wir haben von den angesetzten 1.000 Euro, bereits 767 Euro eingenommen. Das Comic wird es sicher geben. Allerdings ist das Crowdfunding jetzt eine einmalige Chance, sich sein Comic zu personalisieren, und sich seinen favorite Surfspot auszuwählen.

Viel Erfolg mit der Kampagne und danke dir für das Interview, David!

Editors Note: Die Autorin des Artikels, Inka Reichert, ist Regisseurin des preisgekrönten Dokumentarfilms White Waves. Ein Film über Surfer in Europa, die für ein sauberes Meer kämpfen.
Mehr Infos zu White Waves und den ganzen Film zum Download gibt's auf: www.whitewaves.eu