,,Manchmal ist es der Wunsch nach viel Carve, manchmal nach viel Float, immer gibt es für unsere Shapes eine bestimmete Inspiration. Meistens ergibt die sich aus einem guten Moment beim Surfen und wird zur Bauanleitung für die nächste Session, bei anderen Bedingungen und mit anderen Manövern im Kopf.'' - Christian Bach über die Shape-Philosophie von Mighty Otter Surfboards.

Gute Antwort, wie ich finde - und damit hatte sich dann gleich auch die nächste Frage nach der Daseinsberechtigung erübrigt. Noch eine Bretter-Schmiede, Warum? Weil die Motivation verdammt überzeugend ist! Denn die Otter denken bei ihrer Inspirationsfindung nicht nur an sich selbst. Was für den Rohleder Quirin funktioniert, kann mit ein paar Kniffen von Shaper Alex auch für dich oder mich laufen. Und genau das dachte ich mir, als ich das neue G.Rip Twinnie-Model zum ersten mal gesehen habe. Also schnell Christian angefunkt, gefachsimpelt und viel gefragt:

Not another Twinnie... Woher kommt bloß der (plötzliche?) Doppelfinnen-Hype?

Weniger Drag, Looseness trotz mehr Volumen... Ich glaube weil die Dinger Spaß machen und sich unterm Fuß gut anfühlen. Und weil alternative Fin Set Ups einen auch frei machen von den Performance Codes, welche die letzten Jahrzehnte über um Thruster und Shortboards herum entwickelt wurden.


Das Might Otter G.Rip: Shortboard Performance mit Twin Fin Flow.

Sind Twins traditionell nicht eher für Slip als Grip bekannt? Was macht das G.Rip zur guten Wahl für gute Wellen?

Das liegt natürlich immer erstmal am Surfer - aber das Brett trägt definitiv dazu bei. Im Bezug auf Deine Frage: das liegt am Rocker, an den Radien zwischen Widepoint und Tail und dann auch am Rail Design, sprich dem Foil. Vertikal will wohl immer etwas mehr Rocker, den Wide Point weiter hinten im Brett und einen etwas besseren Surfer, bzw. Bottom Turn. Bessere Wellen wollen ein bisschen weniger Volumen im Rail - ein bisschen - und ein schnelles Auge für die nächste Section. Bei Twins kann man insgesamt ein bisschen mehr Volumen behalten, da weniger Lift aus dem Tailblock kommt und das Board anders durchsinkt als ein Thruster.

Was sind die richtigen Finnen für das Brett?

Für den Shape speziell eher eine Twin Fin mit weniger Rake und viel Base. Das gibt Push und Pivot, das heißt man macht mit der Finne das Brett schnell, aber behält die Möglichkeit es um die Finne herum zu rotieren und vom Rail zu nehmen. Je nach persönlichem Geschmack dann die Härte der Finne. Quirin surft grade die CI Twin Fin in dem Brett.

Wer sollte das G.Rip fahren und was kann man erwarten?

Erwarten kann man ein geiles Logo im Brustbereich, mit rauchendem Otter drauf. Im Ernst: Erwarten kann man viel, aber es liegt auch an einem selber. Realistisch gesehen kann man mit dem Board als fortgeschrittener Surfer der ein Twin für Hüfthohe bis Kopfhohe Wellen sucht nicht viel falsch machen. Das Anpaddelverhalten ist kulant - klingt das nicht herrlich deutsch? Wer gerne mit Push über beide Füße surft wird sich definitiv leicht tun die Lippe zu finden. Das skatey Feeling über flache Sections ist da, aber auch genug Rocker und Concave um in der nächsten Grower Section kurz hart in die Bremse zu steigen und an die Wall zu kommen.

Mighty Otter Smoking Logo
Das Logo spricht für sich! Otter Rules.

Zum Sizing: Q surft seins in 5’11 und stellt es gerne vertikal in die Lip. Wie beeinflusst Volumen die Eigenschaften vom Shape. Lieber ordentlich Schaum und das Brett arbeiten lassen? Oder eher schmal und scharf unterwegs?

Wir finden, dass das wichtigste immer erstmal das „Wellen kriegen“ ist. Super-wenig Schaum bringt Dir nix, wenn Du keine Wellen hast. Etwas mehr Schaum stört aber erst dann, wenn Du wirklich auf Comp Performance Niveau surfst - dann ist aber vielleicht das Twinny auch nicht das was Du suchst...
Dann geht es um die Verteilung vom Schaum in die Rails rein, um den Typ von Welle den man vor Augen hat zu tackeln. Beim G.Rip ist es ein bisschen gedropt und vergleichsweise Boxy um das Rail aus dem Wasser zu bekommen und das Board beweglich zu machen.

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ZAP! Andere Twinnies machen sowas übrigens nicht so einfach...

Erzähl uns mehr über Alex (euren Shaper) und seine Kunst.

Alex lebt in Galizien und wir haben echt Glück mit Ihm. Er hat vor der Haustür einen Haufen Breaks, die an wenigen Tagen im Jahr Weltklasse nach Profi Standard sind, die meiste Zeit aber mega geil nach unserem. Dementsprechend waren die Boards und besonders der Foil seiner Bretter von Anfang an passend zu dem, was wir für den Eisbach brauchen. Aus diesem glücklichen Zufall hat sich Mighty Otter schnell entwickelt. Und im Bezug auf die Boards fürs Meer hat er ja so oder so Expertise.

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Das hat sich inzwischen gut eingespielt. Telefon, Whatsapp, Email, CAD Files hin und her schicken, Team Feedback analysieren und so weiter - das denkt Alex alles mit in die Boards und Shapes rein. Das er gut ist merkt man immer daran, dass er sich ungern festlegt. Man kann einfach wahnsinnig viel richtig oder falsch machen beim Shapen, weil alles letztendlich subjektiv von einem Surfer den man kaum kennt erfahren wird. Das machen wir dann gemeinsam - die Entscheidung pro einem Shape Modell. Über das Digitale hinaus sehen wir uns inzwischen 2 Mal im Jahr zur Besprechung, checken Shapes live vor Ort, Alex nimmt Maße, Feedback und sowas... Ein Tüftler ist er halt, wie alle guten Shaper. Und ein guter Freund.

Mighty Otter Alex
Mighty Alex.

Shaper sahnen oft den Ruhm ab, aber wer übernimmt in eurer Schmiede das Glassing und Sanding?

Das macht Big! Der hat geile Tunnels drin. Supernetter Kerl, der kaum Englisch spricht - und ich kein Spanisch. Alex grinst immer, wenn wir versuchen zu kommunizieren, während er im Glass Shop vor sich hingrantelt. Big hat mit Ding Repairs angefangen und dann die Masterclass in Alex Glass Shop gemacht. Und das sieht man inzwischen auch. Wir haben viele Surfer, die inzwischen Ihr x-tes Brett abholen und denen entgeht nicht, wie wir die Qualität in den letzten Jahren steigern konnten - was uns sehr happy macht!

Wie pendelt ihr den Preis für die Bretter ein? Bzw. wie konkurriert man mit Schmuck-Fabrikanten wie Lovelace und Pop-Out Fabriken wie Firewire?

... Die Preise macht man auf einem Excel Sheet, basierend auf den Kosten für das Material und den Shaper sowie den Glasser / Sander, verrechnet die Leistung für Entwicklung und Handling und rundet dann großzügig ab. Uns ist wichtig, dass wir die Shaper, Glasser / Sander gut bezahlen. Schon allein deshalb, dass die Bock haben mit uns weiter an den Shapes zu arbeiten und die zu verbesseren. Mit einer sauberen Preiskalkulation im Sinne von „Geld verdienen“ hat das wenig zu tun. Aber dafür haben auch Surfer an dem Board gearbeitet. Zumindest bei uns. Das finde ich mega-wichtig. Ehrlich gesagt ist das so zynisch - 800 Euro plus für ein Brett auszugeben, dass von Menschen zusammengestöpselt wurde die sich bei der Arbeit niemals denken werden „das wird sicher mega beim Bottom Turn...“ Einfach weil sie noch nie gesurft haben und das die Gesellschaft für Sie auch nicht vorsieht. Aber das sind Entscheidungen, die wir nicht treffen.

Ich finde das, was Lovelace macht cool, weil er eine spezielle Art von Surfing pusht. Ich glaube auch nicht, dass die Boards Schmuck sind. Wieder, das liegt voll beim Surfer. Ich würde Sie mir auf jeden Fall nicht an die Wand hängen - die Shapes.

Wir haben selber auch solche Shapes, die man vielleicht als Schmuck ansehen könnte. Das Granturismo zum Beispiel. Die kosten einfach mehr, weil schon das Blank größer ist, Channels glassen und sanden ein Albtraum und generell mehr Arbeitszeit reingeht. Wir haben uns halt vorgenommen, auch diese abgefahren wirkenden Shapes vergleichsweise günstig anzubieten. Die Boards sind eine geile Experience, verbessern Dein Surfen und das Verständnis für Board, Funktion und den Approach an unterschiedliche Sections der Welle und daran fehlt es uns deutschen Surfern eben oft. Also muss man da was tun.

Irgendwelche bestimmten Einflüsse außerhalb des Surf-Mikrokosmos?

Snowboards! Und Musik... und zugegebenermaßen verbringe ich viel Zeit auf den Websites von deutschen Baustoffherstellern, um etwas über potenzielle neue Kernmaterialien zu lernen. Ziemlich nerdy Shit. Ab und an Wikipedia im Bezug auf Physik - ich bin zum Beispiel der festen Überzeugung, dass Channels weniger mit dem Venturi Effekt zu tun haben, als das sie „Ski Wirkung“ durch die Abwicklung von Lift und Oberflächenreduktion erzielen. Am Ende landet man aber immer wieder bei Boards.

Weitere spannende Bretter in Planung?

Erstmal kommt eine neue Serie. „A Sound Surfing Experience“ kurz ASSE - Sollte jeder haben finden wir. Dabei gehts darum, basierend auf einer sehr spaßigen Outline in 3 verschiedenen Modellen „Surfen“ von der Pike auf zu lernen. Single Fins haben 30 Jahre lang Line-, Trim- und Barrelgame-Verständnis geprägt. Twinnies dann alles radikaler und carvey gemacht und Thruster letztendlich erlaubt, schnell als Anfänger Fortschritte zu machen und sich freier im Face zu bewegen. Das Ganze Know-How wird bei den High Performance Shortboards von der Stange vorausgesetzt - nur ist das außerhalb der großen Surfnationen kaum gegeben. Also bieten wir das mit A Sound Surfing Experience als Programm an.

Das Soundthema kommt übrigens von den Namen der Shapes und hat sich dann als tolles Wortspiel von mittelmäßigem Akronym-Niveau entpuppt. Das Jazz Hands ist ein Single Fin. Die auf mehr Power getrimmte Twin Variante davon das Gone Electric und die easy Thruster Variante mit der jeder Spaß haben kann das Lo-Fi.

Entwickelt wird grade an Bottom Concaves. Und wir haben mit Luca Holy einen neuen Team Surfer an Board. Da bin ich sehr gespannt, was er als Input von der ersten Sessions mitbringt.

Merci

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Credits

Mighty Otter

Christian Bach

Christian Stadler