Das europäische Wetsuit-Startup SRFACE verkauft nur ein Modell in verschiedenen Dicken - und das ab 215 Euro!? Ob der günstige Neo auch im Surfalltag etwas taugt, erfährst du hier.

Die altbekannten Marken der Industry liefern sich seit Jahren eine immer absurdere Marketingschlacht im Highend-Wetsuit Segment: Thermal Smoothie, Xero Carbon Fiber und Technobutter Firewall. Die Neologismus-Akrobatik klingt irgendwie nach Fortschritt und soll die stolzen Produktpreise rechtfertigen - Obwohl die ganzen “Innovationen” aus derselben taiwanesischen Neo-Schneiderei kommen. Wofür zahlen wir hier also eigentlich und wer hat bei der Vielfalt überhaupt noch einen Überblick in Sachen Qualität? SollteQualität nicht eigentlich für sich sprechen? Wenn ja, worauf können Hersteller letztendlich verzichten? Und welche Vorteile ergeben sich fur die Surfer aus dem Verzicht?

Keep it simple

SRFACE, das europäische Wetsuit-Startup mit niederländischen Wurzeln macht bewussten Verzicht zum Programm. SRFACE verkauft ein Modell in verschiedenen Dicken, sonst nichts. Keine unnötigen Extras, kein Marketinghype, keine Surfshops. Hochwertige Limestone-Neos, direkt von der Fabrik der Industrie (wieder Sheico), über die Zentrale in Holland, zum Käufer. Exklusiv online, für 215 Euro. Klingt gut? Wie wär’s hiermit: Das SRFACE Team ist so überzeugt von ihrem Anzug, dass sie eine 30-tägige Testphase gewähren. Sollte nach ein paar Sessions irgendwas nicht richtig sitzen, kann man den Wettie kostenlos zurückschicken - im wasserfesten, mitgelieferten SRFACE Bag, der auch super praktisch ist, wenn man den Anzug behält.

Srface Surfer Barrel Srface

Erster Eindruck: hier stimmt alles

Die Idee macht Sinn, das SRFACE-Team hat insgesamt 30 Jahre Erfahrung im Neopren-Geschäft in den Knochen und der Kundenservice ist “future proof”. So weit, so gut - doch wie steht es um den Anzug selbst? Seit September letzten Jahres schleppe ich die 5/3 Variante mit mir rum und surfe jede zweite Session damit - egal wo. In diesem Fall bringt ein Standard-Review wenig, denn es geht eben nicht um futuristische Features, bei denen man sofort den Unterschied spürt.

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Gleich vorweg: Mit dem Wettie stimmt alles. Er sitzt gut, scheuert nirgends und fällt im dezenten Design nicht übermäßig auf. Auch das Limestone-Neopren tut was es soll, ist flexibel und schließt gut ab. Damit könnte man den Test eigentlich schon abschliessen. Für die 215 Euro bekommt man ein solides Gesamtpaket, was von der Bestellung, über die Lieferung, bis hin zu den ersten Sessions ein richtig gutes Bild abgibt.

Srface Wetsuits Online Configurator 

Dauertest in Holland, Irland, Frankreich und Portugal

Doch wie sieht’s mit der Langlebigkeit der SRFACE-Neos aus? Ich will euch hier nichts empfehlen, was sich nach einer Saison in Einzelteile auflöst. Zu Beginn braucht man etwas Geduld mit der Passform und muss aktiv daran arbeiten, das Material zu dehnen. Das liegt einerseits an meiner Wahl eines 5/3ers, andererseits an der Beständigkeit des Limestone-Neopren.

Srface Wetsuits Bluemag Test

Ehrlich gesagt ist ein 5/3 Winterneo ohne Haube für keine Jahreszeit die beste Wahl. In milden Herbsttemperaturen fühlen sich die Dinger an wie 4/3er aus den Neunzigern und im tiefsten Winter verrutscht die Hood bei jedem zweiten Wipeout und verpasst einem die 2°C Spülung. Dennoch hab ich mich in Holland, Irland, Frankreich und Portugal zwischen September und Mai mit dem Ding durch alle Temperaturen und Bedingungen gekämpft. Auch wenn es nicht immer optimal war, funktioniert hat es immer.

Srface Wetsuits Blue Inside Out

Fazit

Für alle, die leicht unterwegs sein wollen (und nicht gerade im Polarkreis unterwegs sind) kann der 5/3er die Herbst-Winter-Frühling Dauerlösung sein. Vor allem, weil der SRFACE Wetsuit mit der Zeit immer besser wird, ohne offensichtliche Schwachstellen zu entwickeln. Nach sieben Monaten Einsatz ist der Anzug etwas flexibler geworden, doch nirgends ausgeleiert oder gerissen. Der orange Reißverschluss funktioniert ohne Umstände und die Nähte sind intakt.

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Ich gebe zu, dass ich nicht immer behutsam mit dem Neo umgegangen bin, doch das sieht man ihm nicht an. Wer also nicht weiter auffallen will, etwas Geduld mit der Passform hat und einen grundsoliden Neo für alle Fälle und vor allem einen mehr als fairen Preis sucht, liegt bei SRFACE richtig. Die 3/2 und 4/3 Varianten unterscheiden sich ausser der Neopren-Dicke nicht vom Wintermodell und sind wahrscheinlich sogar die bessere Wahl für die jeweilige Wassertemperatur, wenn man etwas Platz im Boardbag hat.